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Der Hund im Seniorenalter

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Altersbeschwerden -- einige Beispiele

Altersbeschwerden können in zwei Gruppen eingeteilt werden: a.) normale, mit dem Alterungsprozess einhergehende und b.) aufgrund von Krankheit bedingte Veränderungen. (In unserer von Schönheits- und Jugendwahn geprägten Gesellschaft fällt es manchmal schwer, die Altersbeschwerden der ersten Gruppe zu akzeptieren.) So sind etwa die grauen Haare die ersten Anzeichen, wobei diese eigentlich nicht grau sind, sondern farblos, weil die Zellen in der Haarwurzel aufgehört haben Pigmente zu bilden. Auf dem Hintergrund von dunklerem Fell entsteht für uns dann der optische Eindruck von "Grau". Ein weisser Schimmer in den Augen -- eine Linsentrübung -- tritt bei vielen älteren Hunden auf. Alter per se ist noch keine Krankheit!

Dennoch ist gut, wenn echte gesundheitliche Störungen (Gruppe b) früh erkannt werden.
Der ältere Hund geht nach dem Aufstehen die ersten Schritte steif oder sogar lahm. Bei nasskaltem Wetter ist es schlimmer oder etwa nach einem Bad im Fluss. Die Krallen der Hinterbeine sind abgewetzt und beim Gehen auf geteerten Strassen hört man das typische Geräusch des Krallenschleifens. Das sind erste Anzeichen von Arthrose in den Gelenken oder von Problemen im Rücken. Die Gelenksflüssigkeit ist im Alter weniger geschmeidig und die Gelenksknorpel sind zunehmend schlechter genährt und weniger elastisch. Kleine Änderungen im Verhalten wie z. B. das Verweigern von Treppen steigen oder nicht mehr gerne ins Auto springen, sollten nicht abgetan werden mit dem Satz: Das ist halt das Alter! Vielmehr sollten sie als erste Anzeichen einer schmerzhaften Erkrankung ernst genommen werden und genauere Abklärungen zur möglichen Ursache sind empfehlenswert. Diese Abklärungen dürfen ruhig auch umfangreicher und gründlicher sein, denn bei älteren Hunden -- im Gegensatz zu Jüngeren -- kommt es häufig vor, dass mehrere Krankheiten gleichzeitig vorliegen. Es ist daher sinnvoll sich beim Auftreten eines Problems einen Überblick über den gesamten Gesundheitszustand des Hundes zu machen. Das dient als Grundlage zur Entscheidung, welche Medikamente man bei diesem Hund am besten einsetzt.
Hier gilt das Motto: je früher um so besser! Stellt man eine Arthrose fest -- eines der häufigsten Probleme unserer älteren Patienten -- gilt es die Lebensqualität zu verbessern, denn dies ist eine sehr schmerzhafte Erkrankung. In erster Linie muss die chronische Entzündung in den Gelenken gestoppt werden. Dies hat den Vorteil, dass der Hund sich wieder mehr bewegen kann, die Muskelverspannungen sich wieder lösen und dem Übergewicht entgegengewirkt werden kann. Hier kommen in der Tiermedizin Entzündungshemmer zum Einsatz -- die so genannten NSAID’s (Nicht-der-Cortison-Gruppe-angehörende-Medikamente). Futterzusätze wie zum Beispiel Grünlippenmuschelextrakte und Omega-3-Fettsäuren unterstützen das Knorpelgewebe und wirken ebenfalls entzündungshemmend.

Gerade im Bereich chronische Schmerzen kann die Akupunktur gute Dienste leisten. Auch beim Vorliegen einer Mehrfacherkrankung kann Akupunktur sinnvoll sein, da durch eine ganzheitliche Anschauung vielleicht ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Krankheiten erkannt und gezielt die Ursache behandelt werden kann. Im Idealfall kann vielleicht sogar auf die Anwendung zusätzlicher Medikamente verzichtet werden. Dies ist besonders wertvoll, wenn ein Hund schon für zwei oder drei andere Krankheiten Medikamente einnehmen muss.

Bei einer Akupunkturbehandlung wird durch das Einstechen von Nadeln an ganz speziellen Punkten auf den Energieleitbahnen die Energie (Qi) positiv beeinflusst. Die Arthrose wird in der Chinesischen Medizin als Bi-Syndrom bezeichnet, was so viel wie Energieblockade bedeutet. Aufgrund einer Schwäche der Abwehrkräfte dringen krankmachende äussere Faktoren wie Wind, Kälte und Feuchtigkeit in tiefere Schichten des Körpers ein. Dort blockieren oder stauen sie den freien Fluss der Lebensenergie (Qi) und des Blutes (Xue).

Die Lebensenergie (Qi) sollte zusammen mit dem Blut (Xue) innerhalb des Körpers stetig und gleichmässig in den Leitbahnen fliessen, kommt es zu Stauungen heisst das Schmerzen. Bestehen diese Stauungszustände über lange Zeit werden auch die Flüssigkeiten (Jin Ye) in ihrem freien Fluss gehindert, sie stagnieren, dicken ein zu Schleim und lagern sich ab. So erklärt sich die Chinesische Medizin die Entstehung der Arthrose. Im Gegensatz weisen die schulmedizinischen Erkenntnisse auf multifaktorielle degenerative Prozesse hin, die zur Arthrose führen.
Ziele einer Akupunkturbehandlung wären in diesem Falle also: erstens die Stauung von Energie und Blut zu beheben, zweitens den Wind, die Kälte oder die Feuchtigkeit auszuleiten, drittens den Schleim umzuwandeln und auszuleiten und zu guter Letzt die Abwehrkräfte zu stärken, um ein weiteres Eindringen von Wind, Kälte oder Feuchtigkeit in tiefere Körperschichten zu verhindern. Sind die Abwehrkräfte stark, werden diese äusseren Faktoren bereits auf der Oberfläche abgefangen und beseitigt.
Sind die Behandlungen mit Akupunktur erfolgreich, so besteht zwar die Arthrose immer noch, aber durch die positive Beeinflussung des Energieflusses ist die Lebensqualität wieder besser und das Voranschreiten der Krankheit eventuell verlangsamt.

Da im chinesischen Verständnis die Arthrose eine Blockade des Energieflusses darstellt, wird auch die Tatsache klar, dass Beschwerden nach dem Ruhen am schlimmsten sind und mit Bewegung zunehmend verschwinden. Bewegung löst die Blockaden. Daher sollten Hunde mit Arthrose besser häufig, aber nie zu lange spazieren geführt werden. Muskelpakete können sehr wichtige Stützfunktion übernehmen und somit Gelenke schonen. Daher sollten die Muskeln auch in gebührendem Masse trainiert werden. So genannte "Stop-and-go" Spiele wie Stöcke oder Kong werfen sind für Arthrosepatienten Gift. Die Belastung für die Gelenke ist viel zu gross. Besser zu empfehlen sind Suchspiele von Gegenständen im Garten oder Haus oder Arbeiten mit dem Clicker (siehe auch SHM-Beitrag "Kopfarbeit für Ihren Vierbeiner" von Gabriela Capraro, SHM 7/06).

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 1/2007
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. Janine Mühlherr
Tierärztin mit Spezialgebiet Akupunktur an der Tierklinik-Obergrund, Luzern
Tierklinik Obergrund
Schlossstrasse 11
6005 Luzern