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Pfoten- und Ballenveränderungen beim Hund

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Ballengeschwüre

Ballengeschwüre sind tiefe Wunden in der Ballenhornhaut oder am Übergang vom Ballen zur behaarten Zwischenzehenhaut, wobei Hornhaut und Oberhaut von der darunter liegenden Lederhaut getrennt werden. Ballengeschwüre können entweder durch äussere Verletzungen, durch Gefässentzündungen oder angeborene Anormalitäten in der Hautzell-bildenden Schicht, der Basalmembran, entstehen.

 

Angeborene Ballengeschwüre

Angeborene bzw. vererbte Erkrankungen, die zu Ballengeschwüren führen, sind extrem selten. Die beiden am besten erforschten Erkrankungen sind die Epidermolysis bullosa und die Jack-Russel-Vaskulitis.

 

Epidermolysis bullosa

Bei der Epidermolysis bullosa handelt es sich um eine vererbte Erkrankung, bei der die Haftung der Hautzellen auf der Basalmembran, der Wachstums- und Regenerationszone der Haut, nicht gewährleistet ist. Kurz nach der Geburt oder im Alter von wenigen Wochen erscheinen die ersten Verletzungen, die sich vorwiegend über knöchernen Fortsätzen der Extremitäten (also z. B. am Ellbogen oder über dem Fersenfortsatz), im Gesicht, an den Ohrspitzen und an den Ballen manifestieren. Nebst den typischen, tiefen Geschwüren können auch die Nägel betroffen sein. Diese werden zuerst spröde, später fallen sie aus. Epidermolysis bullosa ist selten und wurde erst bei einigen wenigen Hunderassen wie dem Beauçeron, dem Deutschen Pointer und dem Zwergpudel beschrieben. Beim Beauçeron und beim Pointer wird ein autosomal rezessiver Erbgang vermutet. Leider ist keine effektive Behandlung für diese Erbkrankheit bekannt. Bei milder Ausprägung der Krankheit können die Symptome durch die Vermeidung von Verletzungen und der Behandlung von bakteriellen Folgeinfektionen kontrolliert werden.

 

Jack-Russel-Vaskulitis

Es handelt sich um eine genetisch bedingte Entzündung von kleinsten Blutgefässen, den Kapillaren. Betroffene Hunde sind in der Regel weniger als ein Jahr alt. Hautveränderungen werden an den Ohrspitzen in der Form von V-förmigen Krusten und Wunden gefunden oder aber als punktförmige Geschwüre in der Mitte der Ballen beobachtet. Die Behandlung mit durchblutungsfördernden, immunsupprimierenden und entzündungshemmenden Medikamenten ist in der Regel erfolgreich, muss aber oft lebenslänglich durchgeführt werden.

 

Erworbene Ballengeschwüre

Vaskulitis

Vaskulitis ist eine seltene Erkrankung, die einerseits mit Ballengeschwüren aber auch mit Geschwüren und Hautrissen an den Ohrrändern, mit Gliedmassenödemen (Schwellungen an den Beinen), punktförmigen Hautblutungen und Fieber einhergehen kann. Wie bei der Jack-Russel-Vaskulitis kommt es zur Entzündung feinster Blutgefässe, welche vor allem im Bereich der Extremitäten wie Pfoten, Gesicht und Ohren stark ausgeprägt sind. Die Vaskulitis im Ballenbereich ist charakterisiert durch scharf abgegrenzte, punktförmige Geschwüre, die in der Mitte der Ballen auftreten. Verschiedene infektiöse Erkrankungen können eine Vaskulitis hervorrufen, wie zum Beispiel die oben beschriebene Leishmaniose, aber auch andere Blutparasiten (z. B. Babesien und Ehrlichien), verschiedene Bakterien- und Pilzarten sowie Medikamente. In seltenen Fällen kann bei empfindlichen Hunden eine Vaskulitis als späte Impfreaktion auftreten. Auch dabei entstehen krustige und blutende Geschwüre an Ohrspitzen und Ballen. Da die Vaskulitis erst Wochen nach der Impfung auftritt, ist der ursächliche Zusammenhang oft schwierig zu stellen. Bei Hunden, bei denen eine impfbedingte Vaskulitis diagnostiziert wurde oder zumindest der starke Verdacht besteht, können anstatt der regelmässigen jährlichen Impfungen Impfantikörper im Blut gemessen werden. Geimpft wird nur noch, wenn der Impftiter keinen ausreichenden Schutz mehr gewährleistet.

 

Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

Systemischer Lupus erythematodes ist eine seltene, immunvermittelte Erkrankung des Hundes, die einerseits systemische Krankheitszeichen wie z.B. Blutarmut, Gelenkentzündungen, Lahmheit, Fieber aber auch Geschwüre an Haut, Schleimhautübergängen und Ballen verursacht. Die Ballenverletzungen sehen in der Regel gleich aus wie unter Vaskulitis beschrieben. Die Diagnose von SLE wird anhand der Kombination verschiedener Symptome gestellt, wie auch der Messung von spezifischen Antikörpern im Blut. Die Prognose ist vorsichtig zu stellen, die Therapie beruht auf immunsupprimierenden Medikamenten.

 

Medikamentenvermittelte Ballengeschwüre

Verschiedene Medikamente können bei sensibilisierten Tieren zu Hautveränderungen an Schleimhäuten, Haut und Ballen führen, die schwierig von anderen Erkrankungen wie z. B. Pemphigus oder Lupus zu unterscheiden sind. Hilfreich ist eine detaillierte Medikamenten-Vorgeschichte. Damit ein Medikament eine solche Reaktion hervorrufen kann, muss es mindestens eine Woche lang ununterbrochen oder aber zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal gegeben worden sein. Die Therapie beruht auf dem Absetzen aller Medikamente und je nach Schweregrad einer vorübergehenden immunsupprimierenden Behandlung.

Ballenveränderungen in Form von Hyperkeratosen und Geschwüren können eine Vielzahl von Ursachen haben und sollten deshalb grundsätzlich einem erfahrenen Tierarzt zur Abklärung gezeigt werden. Die meisten Erkrankungen der Ballen sind entweder systemischer Natur (d. h. entstehen in Folge einer inneren Erkrankung) oder sind bedingt durch immunvermittelte Geschehen (d. h. durch eine Fehlleistung des Immunsystems, welches körpereigene Stoffe plötzlich als fremd betrachtet und diese beginnt abzustossen). Eine genaue Abklärung inklusive Hautbiopsien ist in fast allen Fällen unumgänglich, vor allem auch deshalb, weil die Therapie oft auf immunsupprimierenden Medikamenten beruht, die nicht ohne Nebenwirkungen sind.

Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autorin:
Dr. med. vet Claudia S. Nett-Mettler
Diplomate American College of Veterinary Dermatology
Dermatologie und Allergologie für Tiere
c/o Tierärztliche Spezialistenklinik
Rothusstrasse 2
6331 Hünenberg
www.vetderm.ch
email: dr.nett@vetderm.ch