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Nicht alle Hunde verursachen gleich häufig Verletzungen

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Kleine Hunde verursachen insgesamt weniger häufig Bissverletzungen, die ärztlich versorgt werden müssen, als mittelgrosse und grosse Hunde (was nicht heisst, dass sie weniger oft beissen!). Schwerere Verletzungen werden zudem seltener durch kleine Hunde verursacht als leichtere. Aber Achtung: Kleine Kinder unter 5 Jahren werden ebenso häufig von kleinen wie von grösseren Hunden verletzt!
Häufigste Rassetypen in der Schweiz sind die Schäfer (Deutsche und Belgische Schäfer sowie vom Besitzer als "Schäfer" bezeichnete), gefolgt von Labrador und Golden Retriever und den Schweizer Sennenhunderassen. Genau die gleichen drei führen auch die Rangliste der beissenden Hunde an. Das Bissrisiko hängt nicht davon ab, ob man es mit einem Mischling oder mit einem "Rassetyp" zu tun hat. Hingegen gibt es gewisse Rassetypen, die eher Bissverletzungen verursachen als andere: Dazu gehören Schäfer und Rottweiler. Hunde vom Typ Retriever (Labrador und Golden) und Yorkshire Terrier wiederum verursachen unterdurchschnittlich häufig Bissverletzungen, die ärztlicher Behandlung bedürfen. Interessanterweise galt dies bei den Retrievern nicht für den familiären Bereich: Hier lagen die Retriever im Durchschnitt. Eine ähnliche Beobachtung mit umgekehrten Vorzeichen liess sich bei den Sennenhunden machen: Sie bissen insgesamt durchschnittlich häufig; betrachtet man hingegen nur die Verletzungen durch fremde Hunde, so waren sie deutlich übervertreten. Nur gerade 10% aller in unserer Studie erfassten Verletzungen betrafen Hunde von Rassen, die in den Kantonen Basel Stadt und/oder Genf als "potentiell gefährlich" gelistet sind. Interessant war, dass Bissopfer Unfälle mit Rottweilern wesentlich häufiger der Polizei melden wollten als Unfälle mit anderen Rassetypen. Rüden wurden ihrem Ruf gerecht und bissen dreimal so häufig wie Hündinnen.

 

Vom Nutz-Hund zum Sozialpartner des Menschen

Jeder Hund kann beissen, genau wie sein Vorfahre, der Wolf - eine Binsenwahrheit. Wölfe beissen bei der Jagd auf ein Beutetier, wenn sie einen Eindringling vertreiben oder beim Kampf um Ressourcen innerhalb des Rudels, sei dies Futter, ein bevorzugter Schlaf- oder Aussichtsplatz, die soziale Stellung im Rudel oder die Gunst eines ranghohen Rudelmitglieds - genau wie Hunde. Menschen haben sich das Aggressionsverhalten des Hundes gegen Nichtrudelmitglieder und seine Jagdeigenschaften zu Nutze gemacht: Durch gezielte züchterische Förderung gewisser körperlicher Merkmale und Verhaltenseigenschaften, sowie durch entsprechende Aufzucht und Ausbildung sind Hundetypen entstanden, die sich besonders gut als Schutzhunde, Wachhunde, Hofhunde, Hüte- und Treibhunde, Herdenschutzhunde, Jagdhunde, Kriegshunde, Kampfhunde oder Rennhunde eigneten.
Mit der Entwicklung unserer Gesellschaft veränderte sich auch die Stellung des Hundes: Vom vielseitig einsetzbaren Nutz-Hund wurde er immer mehr zum Sozialpartner des Menschen, wohl die schwierigste Aufgabe überhaupt für den Nachfahren des Wolfes: Für den ursprünglichen Verwendungszweck erwünschte Eigenschaften sind plötzlich unerwünscht. Zudem wird im Menschenrudel lange nicht jedes Hundeverhalten, das im Hunderudel normal und angemessen ist, toleriert. Unsere Gesellschaft mit der hohen Bevölkerungsdichte, einer Flut von optischen und akustischen Reizen, sowie das enge Zusammenleben mit verschiedensten Menschen, Kindern und Erwachsenen, stellt extreme Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit des Hundes - und hohe Anforderungen an Kenntnisse und Verantwortungsbewusstsein des Hundehalters.

Bild Hund mit Plüschtieren Abbildung 2:
im Spannungsfeld zwischen Schutzhund und Teddybär.

Mut, Unerschrockenheit, Härte, Triebstärke, ein fester Biss - weich, kuschelig, beisst nie, der beste Freund der Kinder, freundlich zu jedermann... Was fordert die Gesellschaft? Was kann der Hund?

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Dieser Artikel ist erschienen im Schweizer Hundemagazin 8/2002
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autorin:
Dr. Ursula Horisberger