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Das Cauda equina-Syndrom

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Was passiert bei einer Cauda equina-Kompression?

Der Ort der Beschwerden liegt dabei in der unteren Wirbelsäule, zwischen den letzten Rückenwirbeln und dem Kreuzbein. Dieser als „lumbosakraler Übergang“ bezeichnete Abschnitt des Rückens enthält das Ende des Rückenmarks und die daraus entspringenden Cauda equina-Nerven, die über eine gewisse Distanz im Wirbelkanal verlaufen. Die Nerven treten dann durch seitliche Öffnungen, die so genannten Nervenwurzellöcher, aus der Wirbelsäule aus und ziehen zu den hinteren Muskeln der Hinterläufe und der Rute. Weiter werden die Schliessmuskeln der Blase und des Enddarms durch Cauda equina-Nerven innerviert. Werden diese Nerven nun aufgrund von Verengungen im Wirbelkanal oder den Nervenwurzellöchern komprimiert, kommt es zu Schmerz, Lahmheiten und später zu Lähmungen in Form von Schwäche der Hinterläufe, einer leblosen Rute und Empfindungsstörungen im Bereich der Hinterhand. In fortgeschrittenen Stadien verlieren die Hunde Urin und können den Kot nicht mehr halten.

 

Was ist die Ursache der Erkrankung?

Die exakte Ursache der CEK durch die degenerative lumbosakrale Stenose ist bisher nicht klar. Unter Umständen spielt der Bau der Wirbelsäule und der dadurch bedingte Bewegungscharakter eine Rolle im Krankheitsgeschehen. Der hintere Wirbelsäulenabschnitt ist im Vergleich zu den anderen Anteilen des Rückens einer stärkeren Belastung ausgesetzt. Neuere Untersuchungsergebnisse aus der Universität Bern haben gezeigt, dass die Beweglichkeit in der hinteren Lendenwirbelsäule und am lumbosakralen Übergang grösser ist, als an den weiter vorn liegenden Abschnitten. Diese Beweglichkeit stellt man sich am besten als Dreh- und Parallelbewegungen zwischen zwei Wirbelkörpern vor. Die dazwischenliegende Bandscheibe (Diskus) muss die dabei entstehenden Kräfte auffangen und neutralisieren: Je grösser also Beweglichkeit der Wirbelsäule, desto stärker die Belastung der Bandscheibe – sie nimmt daher im Krankheitsgeschehen eine Schlüsselrolle ein. Verliert die Bandscheibe ihre Pufferfunktion, verändert sich der Bewegungscharakter der Wirbelsäule und kann sich unter Umständen wie z. B. bei starker mechanischer Belastung, ins Krankhafte verschieben. Mechanische, d. h. starke körperliche Aktivitäten sind aber nicht die einzige Erklärung für die Degeneration der Bandscheibe. Wahrscheinlich existieren erbliche Faktoren, die unabhängig von der Belastung, zu frühen Verschleisserscheinungen der Bandscheibe führen. Gerade beim Deutschen Schäferhund wurden bereits bei einjährigen Tieren Degenerationen des Diskus nachgewiesen.

 

Die Rolle von degenerativen Wirbelsäulenveränderungen

Unter krankhaften – oder degenerativen – Veränderungen an der Wirbelsäule versteht man eine Vielzahl von Phänomen, die sich mit Hilfe von radiologischen und in neuerer Zeit kernspintomographischen Untersuchungen darstellen lassen.
Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang oft auftaucht, ist die Spondylose. Der Begriff „Spondylose“ darf jedoch nicht gleichgesetzt werden mit der Diagnose CEK. Man versteht darunter die Verknöcherung von Weichteilen, die dann auf der Röntgenaufnahme als brückenartige und schnabelförmige Zubildungen zwischen zwei Wirbeln erscheinen. Spondylose tritt bei einem grossen Teil von älteren Hunden auf, ohne dass dadurch Probleme entstehen. Bei einer Studie an 57 Dienst tuenden (also nicht offensichtlich erkrankten) Schäferhunden der Polizei haben wir diese radiologische Veränderung bei 65 % der Hunde, vor allem älteren Tieren, gefunden. Neben dieser alters- oder abnutzungsbedingten Spondylose gibt es eine weitere Form, die unabhängig von diesen Gründen auftritt. Es handelt sich hier um die so genannte DISH (degenerative idiopathische skeletale Hyperostose), eine bereits bei jungen Hunden auftretende, wahrscheinlich erblich bedingte massive Verknöcherung der Bänder an der Unterseite der Wirbelsäule und an den kleinen Wirbelgelenken. Die Verknöcherungen betreffen dabei immer mehrere Wirbel und sind oft so stark, dass die Beweglichkeit der Wirbelsäule verloren geht und eine regelrechte Versteifung auftritt. Vor allem im Bereich des lumbosakralen Übergangs treten diese Verknöcherungen auch seitlich der Wirbelsäule auf und können die Nerven bei ihrem Austritt aus den Nervenwurzellöchern schmerzhaft reizen. Betroffen von der Krankheit sind meistens Rassen wie Boxer, Deutsche Doggen und Golden Retriever. Auch kleinere Hunde wie der Cocker Spaniel können daran erkranken.
Neben der Spondylose treten für die Entstehung einer CEK bedeutendere Veränderungen auf. Diese bestehen wie oben erwähnt aus Bandscheibenvorfällen, Verdickungen von Gelenkskapseln und Bändern, die alle zu einer Verengung des Wirbelkanaldurchmessers führen können. Diese unter dem Begriff „degenerative lumbosakrale Stenose“ zusammengefassten Veränderungen lösen so die Symptome einer Cauda equina-Erkrankung aus.

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. Frank Steffen, Diplomate ECVN
Neurologie/Neurochirurgie
Departement für Kleintiere, Universität Zürich
Tierklinik Obergrund, Luzern