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Das Cauda equina-Syndrom

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Behandlung der Cauda equina-Kompression

Ist die Diagnose einer Cauda equina-Erkrankung gestellt worden, geht es bei der Wahl der angemessenen Therapie auch darum, welche Anforderungen in Zukunft an den Hund gestellt werden sollen. Prinzipiell werden konservative (d. h. medikamentelle und ruhig stellende Massnahmen, ergänzt eventuell durch physiotherapeutische Übungen) und chirurgische Therapien unterschieden.
Die konservative Therapie in Form von Schmerzmedikamenten und Schonen des Hundes für eine gewisse Zeit wird vor allem zu Beginn der Symptome zur Anwendung gelangen. Die Chancen, dass das Problem auf diese Weise kontrolliert werden kann sind aber generell nicht sehr günstig: Meist kommt es bei Wiederaufnahme von Spielen oder Arbeitseinsatz zu Rückfällen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn eine Verengung der Nerven durch degenerative Wirbelsäulenveränderungen besteht. Falls die Rückenschmerzen durch eine blosse Überbelastung von Weichteilen wie Muskeln, Wirbelsäulenbändern oder Gelenkskapseln ausgelöst wurden, ist die Prognose auf eine anhaltende Besserung natürlich optimistischer.

Bei Fällen, bei denen die Schmerzen ausschliesslich unter stärkerer Belastung wie z. B. Schutzdienst und Agility auftreten, kann auch die „Pensionierung“ des Tieres zu einer annehmbaren Lebensqualität führen.
Soll der Hund weiter für die Arbeit eingesetzt werden können oder wenn die Schmerzen den Hund auch während der normalen Alltagsaktivität quälen, bietet die chirurgische Behandlung die besseren Aussichten auf Erfolg. Die am häufigsten durchgeführte Behandlung der CEK ist die so genannte „dorsale Laminektomie“. Man gelangt dabei von oben zum lumbosakralen Übergang, indem man die Rückenmuskulatur spreizt und teilweise anschneidet. Nach Wegfräsen des Wirbeldaches liegt der Wirbelkanal mit den Cauda equina-Nerven offen, und man entfernt die Strukturen die zur Kompression führen, meistens also eine vorstehende Bandscheibe. Werden die Nerven seitlich oder ausserhalb des Wirbelkanals eingeengt, ändert sich auch der chirurgische Zugang, der in diesen Fällen idealerweise seitlich der Wirbelsäule erfolgt um die Nervenwurzel optimal befreien zu können. Wichtig ist hierbei, dass das kleine Wirbelgelenk geschont wird, um eine Schwächung der Wirbelsäule zu verhindern.
Die Erfolgsraten nach einer Operation sind gut und bewegen sich je nach Studie zwischen 70 und 80 %. Bei jüngeren Hunden, die nur Schmerzsymptome aufweisen und die keine schweren degenerativen Wirbelsäulenveränderungen aufweisen, ist die Prognose am besten. Solche Hunde können häufig auch wieder in Sport und Dienst eingesetzt werden. Bei älteren Hunden mit langbestehenden Cauda equina-Beschwerden und schweren Wirbelsäulenveränderungen ist die Prognose weniger günstig. Bei diesen Tieren ist das Ziel der Operation denn auch primär die Schmerzfreiheit und weniger eine Ermöglichung der vollen Leistungsfähigkeit in Sport und Dienst.
Die Frage, ob der Hund auch nach dem Eingriff wieder voll einsatzfähig ist, beschäftigt viele aktiven Hundesportler. Sind die oben erwähnten günstigen Voraussetzungen erfüllt, kann mit einiger Sicherheit davon ausgegangen werden, dass dies in vielen Fällen gelingt. Trotzdem gibt es ab und zu Hunde, die trotz korrekt ausgeführter Operation nach einiger Zeit wieder Nachhandprobleme entwickeln können. Die Frage, warum dies geschieht, ist nicht immer klar. Verschieden Gründe können zu einem Versagen des Operationserfolgs führen. Zum einen können fortschreitende degenerative Veränderungen eine Rolle spielen, zum anderen neigen einzelne Hunde zu einer starken Narbenbildung, die ihrerseits wieder zu Kompressionen führen kann.
Bei Menschen, bei denen nach Rückenoperationen ebenfalls Misserfolge vorkommen, wurden entzündliche Substanzen aus der operierten Bandscheibe nachgewiesen, die möglicherweise anhaltende Schmerzen auslösen können. Ob dies beim Hund ebenfalls der Fall sein kann, wird gegenwärtig an der Universität Zürich im Rahmen einer Studie von uns untersucht.

Eine Alternative zu den hier erwähnten rein dekomprimierenden (d. h. entlastenden) Operationsverfahren ist die Stabilisierung (d. h. Immobilisierung) des lumbosakralen Übergangs durch Implantate, die den Wirbelsäulenabschnitt fixieren sollen. Nötig sein kann dies vor allem bei Patienten mit einer Fraktur oder einer entzündlich bedingten Zerstörung der Bandscheibe (Diskospondylitis). Verschiedene Stabilisierungsmethoden gelangen in der Praxis zur Anwendung und jede hat ihre Stärken und Schwächen. Allen Techniken gemeinsam ist, dass noch keine von ihnen an einem grossen Patientengut erprobt wurden und deshalb nur auf Einzelfällen beruhende Erfolgsraten angegeben werden können. Ein Hauptproblem bei der Stabilisierung besteht darin, dass die im Knochen verankerten Metallimplantate den enormen Kräften, die am lumbosakralen Übergang wirken können, nicht immer standhalten und es zu einem Ausreissen kommen kann. Der Einsatz dieser Behandlung bei Hunden, die auch weiterhin aktive Einsätze als Sport- oder Diensthunde leisten sollen, ist daher potenziell problematisch.

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. Frank Steffen, Diplomate ECVN
Neurologie/Neurochirurgie
Departement für Kleintiere, Universität Zürich
Tierklinik Obergrund, Luzern