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Will man mit züchterischen Massnahmen diese Erkrankung bekämpfen, so muss deren Erbgang bekannt sein. Ohne Kenntnisse des Vererbungsmodus können keine effizienten Selektionsstrategien erarbeitet werden. Mit der sog. Segregationsanalyse wird geprüft, ob und wie die Prädisposition an die Nachkommen weitervererbt wird, insbesondere, ob nur ein oder mehrere Gene im Spiel sind und ob ein allfälliges Hauptgen für die Krankheitsprädisposition dominant oder rezessiv vererbt wird. Diese Analyse ist sehr anspruchsvoll, denn sie verlangt zuverlässige Angaben von mehreren grösseren Familien (wenn immer möglich mehrere Generationen und alle Nachkommen der Würfe) und die Handhabung komplexer Computerprogramme. Bei den drei in der Schweiz untersuchten Rassen, wie in anderen Studien auch, ist eine genetisch bedingte Anfälligkeit für Epilepsie eindeutig nachweisbar. Wie bei den meisten anderen Krankheitsprädispositionen ist die Vererbung in diesem Fall nicht einfach auf ein einziges Gen zurückzuführen. Es sind mindestens zwei, wahrscheinlich mehrere Gene beteiligt (= oligogene Vererbung), wobei das eine oder andere Gen einen viel grösseren Einfluss als die anderen beteiligten Gene haben kann (sog. Hauptgene). Die Existenz von Hauptgenen konnten wir bei Hunden bis jetzt (noch) nicht nachweisen, diese Kenntnis ist aber essenziell, um einen molekulargenetischen Ansatz zur Entwicklung eines Diagnoseverfahrens zu rechtfertigen. Bei Mäusen, wo eingehendere genetische Studien möglich sind, konnten bereits mehrere, für Epilepsie verantwortliche, Gene (mindestens 13) auf 10 verschiedenen Chromosomen lokalisiert werden. Beeinflussen mehrere Gene die Prädisposition, so ist es nicht möglich, einen einfachen Vererbungsmodus, wie beispielsweise eine einfache rezessive Vererbung, zu ermitteln. Früher wurde behauptet, die Epilepsie werde autosomal rezessiv vererbt, doch die Häufigkeit von Nachkommen mit epileptischen Anfällen aus Eltern, die beide an dieser Störung erkrankten, ist nicht 100%, wie theoretisch zu erwarten wäre, sondern geringer. Beim Golden Retriever ist eine solche Paarung gemacht worden: Von den acht Wurfgeschwistern erkrankten zwei an Eplilepsie, die anderen hatten keine Anfälle. Ausländische Studien bestätigen diese Beobachtung, wobei der Anteil an erkrankten Wurfgeschwistern eindeutig viel grösser ist, wenn beide Eltern Epileptiker sind, als wenn beide Eltern "normal" sind. Ist nur ein Elternteil erkrankt, so liegt die Häufigkeit dazwischen. Wird die Krankheitsprädisposition nur von einigen (= oligogene Vererbung) oder vielen (= polygene Vererbung) Genen gesteuert, kann der genetische Einfluss anhand des Erblichkeitsgrades oder der Heritabilität gemessen werden. Dieser Wert schwankt zwischen Null und eins: je grösser die Heritabilität ist, umso grösser ist die Bedeutung der Gene bei der Ausprägung der Krankheit. In einer amerikanischen Untersuchung bei Tervueren wurde eine hohe Heritabilität von 0,77 für die Prädisposition für Epilepsie berechnet. Ob ähnlich hohe Werte in anderen Rassen gefunden werden, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Obwohl noch nicht genau feststeht, wie die Prädisposition für Epilepsie genetisch gesteuert wird, so genügen die heutigen Erkenntnisse dennoch, um mit züchterischen Massnahmen das Auftreten dieser Krankheit zu senken.

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Dieser Artikel ist erschienen im Schweizer Hundemagazin 3/2000
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autoren:
Dr. Gaudenz Dolf, Prof. Dr. Claude Gaillard
Institut für Tierzucht, Veterinärmedizinische Fakultät
Universität Bern, Bremgartenstr. 109a, CH-3012 Bern