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Erbrechen beim Hund – ein häufiges, aber nicht immer harmloses Symptom

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Die häufigsten Ursachen für chronisches Erbrechen

Hunde, welche unter chronischem Erbrechen leiden, sollten einem Tierarzt vorgestellt werden, denn dahinter könnte sich eine ernsthafte Erkrankung verbergen. Dazu kommt auch bei harmlosen Ursachen die Beeinträchtigung der Lebensqualität des Tieres, ganz zu schweigen von den Umständen, die ein solcher Zustand für das Familienleben bedeuten kann.

 

Magendarmtraktentzündung

Die chronische Magendarmtraktenzündung (engl. inflammatory bowel disease, IBD) ist die häufigste Ursache für chronische Magendarmtraktbeschwerden beim Hund. Die Ursachen sind nicht ganz klar, es gibt jedoch mindestens drei wichtige Faktoren: Futter (Futtermittelunverträglichkeit, Allergie), Magendarmflora (Bakterien, Parasiten) und das Immunsystem des Körpers (Neigung zu Überempfindlichkeitsreaktionen bzw. Allergien). Durch die Kombination dieser drei Faktoren kann es bei bestimmten Tieren zu einer mehr oder weniger intensiven Entzündung im Magendarmtrakt kommen. Die Entzündung ihrerseits führt zur Verdickung der Schleimhäute, was wiederum zur Störung der Verdauung und der Nahrungsaufnahme führt. Das Resultat zeigt sich in chronischem Erbrechen, Durchfall, Gewichtsverlust, schlechter Fellqualität und Appetitlosigkeit.
Eine besondere Erkrankung ist der Befall des Hundemagens mit speziellen Bakterien (Helicobacter sp.). Diese Bakterien haben in den letzen Jahrzehnten beim Menschen stark an Bedeutung gewonnen und gelten als wichtigste Ursache für chronische Magenentzündungen, Magengeschwüre und Magenkrebs. Beim Hund ist diese Verbindung nicht eindeutig geklärt. Häufig werden diese Bakterien als Zufallsbefund in Magenschleimhautproben entdeckt. Ausserdem können sie bei Hunden mit schwerem chronischem Brechreiz festgestellt werden. Hier wird eine gezielte Behandlung meistens mit Erfolg belohnt.

 

Magenentleerungsstörung

Als Hinweis auf eine gestörte Magenentleerung kann Erbrechen von unverdautem oder schlecht verdautem Futter mehr als 8–10 Stunden nach der Futteraufnahme betrachtet werden. Normalerweise sollte der Magen nach dieser Zeit kein Futter mehr enthalten. Die Entleerungsstörung kann mechanisch (Fremdkörper, gutartige Schleimhautwucherung, Krebs) oder funktionell sein (Lähmung der Magenwand). Bei Yorkshire Terriern kommen solche gutartigen Schleimhautwucherungen, so genannte Polypen, vergleichsweise häufig vor.

 

Neoplasie (Krebs)

Krebserkrankungen sind leider eine häufige Todesursache beim Hund. Sie können jedes Organ in der Bauchhöhle betreffen und dadurch zum Erbrechen führen. Im Magendarmtrakt muss der Krebs nicht immer als Knoten auftreten. Nicht selten zeigt die Schleimhaut untypische Veränderungen, die schwer von einer chronischen Entzündung zu unterscheiden sind, weshalb spezielle Untersuchungen wie z. B. eine Magendarmtraktspiegelung (Endoskopie) erforderlich sind.

 

Lebererkrankungen

Sowohl angeborene wie auch erworbene Lebererkrankungen können zu chronischen Verdauungsstörungen führen. Chronische Lebererkrankungen wie Entzündungen oder Krebs können sich ebenfalls durch Erbrechen bemerkbar machen. Bei den angeborenen Erkrankungen muss vor allem an eine Gefässmissbildung, einen so genannten Lebershunt gedacht werden. Obwohl diese Erkrankung bei jedem Tier auftreten kann, gibt es bestimmte Rassen, die im Verhältnis häufiger betroffen zu sein scheinen (Yorkshire Terrier, West Highland White Terrier, Irish Wolfhound, Golden Retriever oder Nova Scotia Duck Tolling Retriever). Ein Lebershunt bedeutet eine fehlerhafte Entwicklung der Leberdurchblutung, die dazu führt, dass Blut aus dem Darm, welches normalerweise zuerst durch die Leber fliesst, direkt in den grossen Kreislauf gelangt. Dabei werden Giftstoffe, die sonst in der Leber filtriert würden, direkt in den Körper geleitet, wo sie sich vor allem auf die Hirnfunktionen auswirken. Die Symptome eines Lebershunts sind je nach Schweregrad sehr variabel. Teilweise werden diese Missbildungen erst im hohen Alter entdeckt. Typischerweise sind chronische Verdauungsstörungen wie schlechter oder wechselhafter Appetit, Erbrechen und Durchfall, wie auch Kleinwüchsigkeit, vermehrtes Durstgefühl oder Speichelfluss, Krämpfe und Verhaltensveränderungen (reduzierte Lernfähigkeit, Verwirrung) zu beobachten. Die Diagnosestellung erfolgt durch gezielte Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren (Röntgen, CT).

 

Nebennierenunterfunktion (Addison-Krankheit)

Dies ist eine relativ seltene Erkrankung, die v. a. Hündinnen im mittleren Alter, aber auch Rüden betrifft. Vermutlich durch eine Überreaktion des Immunsystems werden beide Nebennieren nach und nach zerstört. Diese haben die Aufgabe, lebenswichtige Hormone (Kortison und Aldosteron) zu produzieren, ohne die kein Leben möglich ist. Der Verlauf kann von akut bis chronisch sein und die Symptome des Addisons gehören zu den variabelsten überhaupt. Meistens sind es chronische Verdauungstörungen (schlechter Appetit, Erbrechen, Durchfall, Gewichtsverlust) wie auch vermehrter Durst, Schwäche und Lustlosigkeit. Seltener kommen diese Patienten mit lebensbedrohlichen Symptomen wie Krämpfen, blutigem Durchfall oder Herzrhythmusstörungen in die Tierarztpraxis.

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. Kamil Tomsa
Diplomate European College of Veterinary Internal Medicine
Kleintierklinik Rigiplatz
Hünenbergerstrasse 4/6
6330 Cham
www.kleintierklinikrigiplatz.ch