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Erbrechen beim Hund – ein häufiges, aber nicht immer harmloses Symptom

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Diagnostische Möglichkeiten

Bevor wir uns den Behandlungsformen zuwenden, stellen wir mögliche Untersuchungen vor. Diese Liste ist sehr lang, weshalb es enorm wichtig ist, die Wahl der diagnostischen Tests gezielt zu treffen. Die Entscheidung wird während einem Gespräch zwischen dem behandelnden Tierarzt und dem Hundebesitzer getroffen. Es gilt: Je schwerer der Verlauf, je kränker das Tier, desto umfangreicher sollten die Abklärungen sein. Dabei spielt vor allem die richtige Beurteilung des Allgemeinzustandes eine grosse Rolle.

Ein munterer Hund mit akutem Erbrechen mit kleinen Blutbeimengungen, welcher zuvor ein Holzstück zerbissen und geschluckt hat, braucht sehr wahrscheinlich keine aufwändige Abklärung, sondern eine vernünftige Behandlung, um den Magenreiz zu lindern. Hingegen muss ein magerer Hund mit chronischem Erbrechen, das neu auch wenig Blut beinhaltet, unbedingt umfassender untersucht werden.

 

Worüber gibt welche Untersuchungsmethode Aufschluss?

Kotuntersuchung

Die Kotuntersuchung gehört zu den einfachsten und gleichzeitig wichtigsten Untersuchungsverfahren. Ein Parasitenbefall muss zwar nicht unbedingt für die Symptome verantwortlich sein, stellt aber eine zusätzliche Belastung des ganzen Organismus dar. Ein gutes Beispiel dafür ist einmal mehr die Parvovirose des Hundes. Es gibt Studien, die gezeigt haben, dass dieses Virus allein einen Hund nicht gefährden kann, aber in Verbindung mit Darmbakterien und Parasiten häufig zum Tode des Hundes führt. Mit einer Routinekotuntersuchung (Kotsammelprobe, d. h. mindestens drei verschiedene Kotproben) können die wichtigsten Parasiten, Band- und Rundwürmer schnell entdeckt werden. Aber auch seltenere Parasiten wie Giardien oder Kokkzidien werden gelegentlich so gefunden. Die Wahl der Kotuntersuchungsmethode ist vom vermuteten Parasiten abhängig.

 

Routineblutuntersuchung

Eine Blutuntersuchung ist immer dann sinnvoll, wenn der Allgemeinzustand des Patienten nicht gut ist, wenn andere Symptome wie Fieber oder Husten vorhanden sind, oder wenn das Erbrochene oder der Durchfall Blutbeimengungen enthalten. Dabei werden die Anzahl von roten und weissen Blutkörperchen untersucht. Eine besonders erhöhte oder besonders erniedrigte Zahl der weissen Blutkörperchen (Leukozyten) deutet oft auf eine gravierende Erkrankung hin. Bei einer Parvovirose-Infektion sinkt zum Beispiel die Leukozytenzahl häufig unter 3000 pro Mikroliter (Normalzahl ca. 5000–12000 pro Mikroliter), was zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen kann. Denn die Aufgabe der weissen Blutkörperchen ist es, Krankheitserreger abzuwehren, was bei stark verringerter Leukozytenzahl nicht mehr gewährleistet ist.
Eine Leukozytose (erhöhte Anzahl von weissen Blutkörperchen) ist ein wichtiger Befund bei einer Bauchspeicheldrüsen-Entzündung (Pankreatitis). Eine Untersuchung des Stoffwechsels (Chemogramm) bietet die Möglichkeit, Erkrankungen wie Niereninsuffizienz, Leberentzündung oder Zuckerkrankheit zu diagnostizieren oder auszuschliessen.

 

Spezialblutuntersuchungen

Bestimmte Erkrankungen wie Nebennierenunterfunktion oder Lebershunt (Missbildung der Blutgefässleitung zwischen Darm und Leber) lassen sich nur mit speziellen Bluttest diagnostizieren, wobei nur geringe Blutmengen benötigt werden. Über die Wahl der Tests entscheidet Ihr Tierarzt.

 

Harnuntersuchung

Obwohl eine Harnuntersuchung auf den ersten Blick mit dem Magendarmtrakt nichts zu tun hat, können damit sehr wichtige Informationen gesammelt werden. Bei Lebershunt-Patienten können im Harn abgelagerte Kristalle, so genannte Uratkristalle, gefunden werden. Und bei einer Nebennierenunterfunktion lässt sich eine erniedrigte Konzentration des Harns feststellen. Dabei sind diese Patienten durch schwere Austrocknung gefährdet. Denn die Nebennierenhormone sorgen im Normalfall bei Flüssigkeitsverlust dafür, dass der Körper Wasser in den Nieren speichert, was bei einer Nebennierenunterfunktion wegen der fehlenden Hormone nicht mehr funktioniert.

 

Röntgen

Falls beim Abtasten des Bauches keine Schmerzen festgestellt oder Massen (z. B. Kotanschoppungen, Fremdkörper) entdeckt werden können, wird bei einem Hund mit unerklärbarem Erbrechen (akut oder chronisch) als nächster Schritt zur Diagnosefindung ein Röntgenbild gemacht, insbesondere bei Verdacht auf einen Darmverschluss. Dabei können Organlage und -grösse, Gas- oder Flüssigkeitsansammlungen in den Därmen oder freie Flüssigkeit in der Bauchhöhle dargestellt werden.

 

Ultraschall

Eine ultrasonographische Untersuchung der Bauchhöhle erlaubt, falls die nötigen technischen und fachlichen Voraussetzungen erfüllt sind, die Beurteilung der inneren Organe durch die Bauchdecke am wachen Tier. Dabei werden systematisch alle Organe aufgrund ihrer Struktur, Dichte, Lage und beim Magen beispielsweise die Bewegungen durch die Kontraktionen beurteilt. Ohne dass die Bauchhöhle chirurgisch geöffnet werden muss, können z. B. gewisse Fremdkörper, die nicht im Röntgenbild sichtbar waren, oder eine Bauchspeicheldrüsenenetzündung entdeckt werden. Ebenso können Neoplasien (Krebs) gefunden werden.

 

Endoskopie

Das ist eine Untersuchung mit einer dünnen Spiegelkamera, die unter Narkose stattfinden muss und während der die innere Oberfläche praktisch des ganzen Verdauungstraktes betrachtet werden kann. Damit können Speiseröhrenentzündungen, Magengeschwüre oder Krebs diagnostiziert werden. Ein weiterer Vorteil der Endoskopie besteht in der Möglichkeit, Fremdkörper zu entfernen oder Gewebsproben zu entnehmen (wichtig bei der Diagnosestellung von Magendarmtraktentzündungen).

 

Diagnostische Bauchoperation (Probelaparotomie)

Im Unterschied zur Endoskopie können bei einer Probelaparatomie alle Organe der Bauchhöhle direkt untersucht werden, kein Teil des Magendarmtraktes bleibt unerreicht. Daher ist sie die sicherste diagnostische Möglichkeit bei einem Patienten mit ungeklärtem Erbrechen. Sie wird jedoch nur dann angewendet, wenn alle anderen Möglichkeiten der Diagnosestellung versagt haben. Der wichtigste Nachteil ist die so genannte Invasivität: Die Bauchhöhle wird unter Narkose geöffnet, was für den Hund eine grössere Belastung darstellt und einen längeren Genesungsprozess bedingt. Nicht selten werden durch diesen Eingriff aber auch weitere Kosten gespart und dem Patienten kann schneller geholfen werden.

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. Kamil Tomsa
Diplomate European College of Veterinary Internal Medicine
Kleintierklinik Rigiplatz
Hünenbergerstrasse 4/6
6330 Cham
www.kleintierklinikrigiplatz.ch