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Das Gehirn des Hundes

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Die verschiedenen Gehirnabschnitte

Das Gehirn des Hundes lässt sich in fünf Abschnitte einteilen: das Grosshirn, das Zwischenhirn, den Hirnstamm, das Vestibulärsystem und das Kleinhirn.

Das Grosshirn

Das Grosshirn besteht aus zwei Halbkugeln, den so genannten Grosshirnhemisphären, welche durch eine Brücke miteinander verbunden sind. In den Grosshirnhemisphären befindet sich der Sitz des Bewusstseins und des Gedächtnisses. Somit werden bewusste Wahrnehmungen wie Sehen, Hören, Schmecken und gezielte Handlungen wie Sprechen, Gehen, Stubenreinheit von bestimmten Grosshirngebieten beeinflusst.
Im Unterschied zum Menschen fallen die Symptome einer Grosshirnerkrankung beim Tier verhältnismässig mild aus. Sehr häufig zu beobachten sind epileptische Anfälle, wobei der Hund zwischen den Anfällen vollständig normal sein kann. Weiter können Bewusstseinsstörungen, Verhaltensänderungen (Kreisbewegungen, Drangwandern, Übererregbarkeit, Aggression und Angstzustände) und Verlust des Sehvermögens auftreten.

Das Zwischenhirn

Das Zwischenhirn besteht aus dem Thalamus (Sehhügel) und dem Hypothalamus, an dem die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) mit einem Stiel befestigt ist. Der Thalamus gilt als Bindeglied, da er durch ein weitreichendes Fasersystem sowohl mit dem Grosshirn als auch mit dem Hirnstamm, dem Kleinhirn und dem Rückenmark verbunden ist. Im Hypothalamus erfolgt die Kontrolle von autonomen (selbstständigen, nicht bewusst beeinflussbaren) Körperfunktionen. So ist er für Körpertemperaturregulation und den Wasser-Elektrolyt-Haushalt verantwortlich und regelt durch ein Appetit- und Sättigungszentrum die Futteraufnahme. Zudem werden im Hypothalamus Hormone produziert, die die Hypophyse steuern. Die Hypophyse ihrerseits ist für die Kontrolle des gesamten Hormonsystems verantwortlich. Sie steuert das Wachstumshormon, die Geschlechtshormone, die Schilddrüsenhormone, das Antidiuretische Hormon (Regulation des Wasserhaushalts) und die Nebennierenhormone. Somit kann es bei Funktionsstörungen zu unterschiedlichsten Erkrankungen kommen, wie zum Bespiel Riesen- oder Zwergwuchs, Schilddrüsenunter- oder -überfunktion, Diabetes insipidus (Störung der Harnausscheidung), Cushing Syndrom (erhöhte Kortisolkonzentration), Morbus Addison (Unterfunktion der Nebenniere) und vielen mehr.

Das Limbische System

Für die Regulation von Emotionen, Motivation und innere Antriebe und für die biologischen Rhythmen ist das limbische System verantwortlich.

Im limbischen System wird prinzipiell entschieden, welche Verhaltensweise auf ein Ereignis in der Umgebung ausgelöst werden soll. Es ist unter anderem beim Welpen von grosser Bedeutung. Je nach dem wie in der Prägungsphase gemachte Erfahrungen gewertet werden, entscheidet dieser Hirnteil im späteren Leben über die Reaktion des Hundes in bestimmten Situationen. Seit den Versuchen von Pawlow an seinen Hunden weiss man, dass alleine die Geräusche, die vor einer Fütterung gemacht werden, eine Kaskade von Reflexen auslösen, die vom limbischen System ausgehen. Die Vorfreude auf baldiges Fressen löst Speichelfluss, Aufregung und sogar leere Schluckbewegungen aus. Es gibt auch Fälle, bei denen zum Beispiel der Lärm mit dem Futtergeschirr eine extreme Beisswut und Aggression auslöst. Aus wahrscheinlich fehlgeleiteten (oder nicht angepassten) Funktionen im limbischen System wird so ein Verhalten generiert, dass entfernt an das Jagen und Greifen von Beute erinnert und somit durchaus seinen Sinn hat.

Der Hirnstamm

Der Hirnstamm besteht aus dem Mittelhirn, der Pons (Brücke) und der Medulla oblongata (verlängertes Mark).

Das Mittelhirn enthält wichtige Strukturen für die Kontrolle der Bewegung und die Kerngebiete von Nerven, die zum Beispiel für die Augenbewegungen von Bedeutung sind. Die Pons koordiniert Gross- und Kleinhirnfunktionen und ist Ursprung von Nerven, die für Empfindungen im Gesichtsbereich, Gesichtsausdruck, Geschmackswahrnehmungen, Tränen- und Speichelfluss und das Gehör verantwortlich sind.
Die Medulla oblongata ist das verlängerte Rückenmark. Sie enthält das Atemzentrum, das Kreislaufzentrum und das Brechzentrum und aus ihr gehen die Nerven für das Schlucken, die Kehlkopfmuskultatur (Stimmbildung), die Halsmuskeln und die Zungenbewegung hervor.
Die Formatio reticularis reicht vom Zwischenhirn bis in die Medulla oblongata und koordiniert Sinneseindrücke, Bewegungsabläufe und den Schlaf- und Wachrhythmus. Läsionen im Hirnstamm wie zum Beispiel Blutungen oder Entzündungen führen fast ausnahmslos zu schweren neurologischen Ausfallserscheinungen von Gang, Bewusstsein und Kopfnervenfunktionen. Da viele Zentren lebenswichtiger Funktionen im Hirnstamm liegen, nehmen Krankheiten in diesem Gebiet nicht selten einen tödlichen Ausgang. Gewisse Erkrankungen (zum Beispiel Tollwut) befallen vorzugsweise diesen Gehirnabschnitt.

Das Gleichgewichtsorgan

Das Vestibulärsystem (Gleichgewichtsorgan) besteht aus einem äusseren und einem inneren Anteil. Der äussere Anteil liegt im Innenohr, der innere Anteil im Hirnstamm. Beide Anteile zusammen sind für das Gleichgewicht verantwortlich, wobei Informationen aus der Erdanziehung und der Körperbewegung verarbeitet werden. Verbindungen zum Rückenmark koordinieren die Haltung bei Kopfbewegungen. Über die Formatio reticularis wird das Brechzentrum beeinflusst und über die Kleinhirnschenkel das Kleinhirn.
Symptome von Vestibulärerkrankungen sind Kopfschiefhaltung, Seitendrall, Umfallen und Rollbewegungen, rhythmische Augenbewegungen und Schielen.

Das Kleinhirn

Das Kleinhirn besteht aus zwei Hemisphären und dem Kleinhirnwurm dazwischen. Es ist Hauptkoordinator von allen Bewegungen. Zudem spielt es eine grosse Rolle für das Körpergleichgewicht und die Regulation des Spannungszustands der Muskeln in Ruhe und während der Bewegung.
Erkrankungen im Kleinhirn führen zu breitbeiniger Haltung, Überstreckung von Kopf und Hals, abnormalem Gang, Zittern bei präzisen Bewegungen des Kopfes oder der Beine (zum Beispiel beim Fressen).

Die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit

Das Gehirn wird durch die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) gegen Stösse und Druck von aussen geschützt. Diese fliesst vom Grosshirn aus über verschiedene Kammern (Ventrikel) zum Rückenmark. Veränderungen dieser Flüssigkeit können zu unterschiedlichen Erkrankungen führen. So kann es zum Beispiel bei Störungen des Abflusses zur Bildung des sogenannten Wasserkopfes (Hydrozephalus) kommen.

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 9/2007
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autorin:
Dr. med. vet. Karin Pross
Tierklinik Obergrund
Schlossstrasse 11
CH-6005 Luzern
E-Mail k.pross@tierklinik-obergrund.ch

Koautor:
Dr. med. vet. Frank Steffen
Dipl ECVN
Tierklinik Obergrund
Schlossstrasse 11
CH-6005 Luzern
E-Mail frank.steffen@freesurf.ch