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Die steinreiche Liska

Die Hündin "Liska", viereinhalbjährig, wurde in der Praxis vorgestellt, nachdem sie während sechs Monaten ständig leicht bluthaltigen Urin abgesetzt hatte. Sie lebte auf dem Bauernhof und war ohne Erfolg mit Antibiotika gegen Harnblasenentzündung behandelt worden. Der Allgemeinzustand war normal; die Hündin schien auch keine Schmerzen beim Harnabsetzen zu haben.
Die Untersuchung des Harnes ergab massenhafte Beimischung von roten Blutzellen, wenig weisse Blutzellen und mässig Zellen der Harnblasenschleimhaut. Dieses Ergebnis spricht für eine mässige Entzündung der Harnblasenschleimhaut, begleitet von einer Infektion. Bei der Harnentnahme fühlte man den Katheter in der Harnblase an hartem Material kratzen. Von aussen durch die Bauchwand war nach Entleeren der Harnblase ein harter Körper in der Blasengegend spürbar. Schmerzen konnten auch durch diese Abtastung kaum ausgelöst werden. Ein Röntgenbild (Abbildung 3) zeigte dann, dass ein riesiger Harnstein in der Harnblase lag.

  Röntgenbild Harnstein in Harnblase Abbildung 3:
Röntgenbild des Bauchraumes. Harnstein als ovale Verschattung in der Harnblase liegend sichtbar. Rechts davon Spitze des Harnröhrenkatheters im Harnblasenhals. 

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Auf Grund der Grösse des Steines wurde beschlossen, operativ vorzugehen, um sofortige Abhilfe zu schaffen. Die Hündin wurde in Vollnarkose operiert und der Stein durch Eröffnung der Bauchhöhle und der Harnblase entnommen. Die gleichzeitige Inspektion der Harnblase zeigte erstaunlich wenig Reizung der auskleidenden Schleimhaut und keine weiteren Schädigungen.
Der entfernte Stein war regelmässig oval geformt mit einem längsten Durchmesser von ca. 6 cm und glatter Oberfläche (Abbildung 4). Im Inneren war eine zwiebelschalenartige Schichtung erkennbar. Die chemische Untersuchung der Zusammensetzung ergab Struvit, eine Verbindung aus Magnesium und Phosphor. Steine dieser Zusammensetzung sind beim Hund häufig, kommen meist auf Grund einer chronischen Harnblaseninfektion und damit einhergehendem geringem Säuregehalt des Harnes zustande. Die vergleichsweise geringen Symptome dürften der glatten Oberfläche des Steines zu verdanken sein, die wenig mechanische Schädigung der Harnblasenschleimhaut verursachte.

  Bild Harnstein Abbildung 4:
Operativ aus der Harnblase entfernter Harnstein.

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Die Hündin erholte sich ohne Probleme von der Operation. Die eingeleitete Behandlung zur Verhinderung eines Rückfalls war erfolgreich. Diese Behandlung und Vorbeugung besteht einerseits aus der Bekämpfung der chronischen Harnblaseninfektion durch ein geeignetes Antibiotikum. Es empfiehlt sich dabei, anhand eines
Testes an den aus der Harnblase isolierten Bakterien, d. h. mittels eines sog. Antibiogrammes, die Wirksamkeit der zur Verfügung stehenden Antibiotika zu prüfen. Andererseits sollte mit einem speziellen Diätfutter für eine Ansäuerung des Harnes gesorgt werden und gleichzeitig die Aufnahme von Magnesium und Phosphor eingeschränkt werden. Im vorliegenden Fall wurde der Hündin während einem halben Jahr dieses Diätfutter verabreicht. Die Hündin ist heute, ein Jahr nach der Operation, gesund.

Kleintierpraxis Dr. Martin Seewer, 6110 Wolhusen

Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 2/2000
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autorin:
med. vet. Nicole Stöcklin-Gautschi
Kantonales Tierspital Zürich
Kleintierfortpflanzung
Winterthurerstr. 260
8057 Zürich