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Nach Abschluss des Wachstums kann das Hüftgelenk durch jedwelche Massnahme nicht mehr im positiven Sinne verändert oder beeinflusst werden. Durch die Instabilität im Hüftgelenk entwickelt sich aus der HD die Hüftgelenkarthrose (Coxarthrose). Durch Entzündungsvorgänge und Knorpel- und Knochenzubildungen verändert sich das Hüftgelenk dramatisch. Die Bewegungsspanne des Hüftgelenkes ist eingeschränkt, Schmerz und ausgeprägte Lahmheit prägen das klinische Bild. Die Behandlungsformen konzentrieren sich auf Schmerzbekämpfung und Verschleissreduktion.
Eine gesicherte Wirkung auf das Wohlbefinden eines jeden Coxarthrose-geplagten Hundes haben auch im fortgeschrittenen Alter das Gewicht und das Bewegungsmuster. Ein mager gehaltener Vierbeiner dankt Ihnen jedes Kilogramm, das er weniger mit sich herumtragen muss. Dabei muss vor allem der Besitzer konsequent allen Bettelversuchen des hungrigen Hundes widerstehen. Mässige und regelmässige Bewegung ist die Losung für ein akzeptables Hundeleben ohne allzu starke Belastung der Gelenke. Gezieltes, kurzes Muskeltraining durch Schwimmen oder Joggen stärkt den Halteapparat um das Hüftgelenk und führt zu einer weniger ausgeprägten Lahmheit oder gar dem jahrelangen Hinauszögern von teuren Operationen.

  Bild 7 jähriger Bernhardiner mit Coxarthrose Abbildung 1:
Ein 7 jähriger Bernhardiner mit Coxarthrose. Er entlastet deutlich die rechte Hintergliedmasse. Die Muskulatur ist auf dieser Seite schwächer entwickelt. Die Röntgenbilder bestätigten die schwere Arthrose des rechten, aber auch des linken Hüftgelenkes.

Wirksame Schmerztherapien sind oral zu verabreichenden Schmerztabletten. Vor allem die Gruppe der sogenannten Nicht-steroidalen Entzündungshemmer (NSAID) geniesst zurecht grosse Popularität, weil sie schmerz- und entzündungshemmend in den Gelenken wirkt und wenige Nebeneffekte auftreten. Cortison, welches in der Vergangenheit oft angewendet wurde, wirkt auch hervorragend, baut aber Gewebe aller Art rasch ab führt zu erhöhter Wasseraufnahme und Urindrang. Vom Einsatz von Cortison ist deswegen dringendst abzuraten. Eine Schmerzlinderung haben auch die GAG und vor allem das darin enthaltene Chondroitinsulfat. Sie stärken den Gelenkknorpel durch Flüssigkeitseinlagerung und verhindern so, dass zu früh der unter dem Knorpel liegende Knochen freigesetzt wird. Der Einsatz von Medikamenten muss vom Kleintierspezialisten zusammen mit dem Besitzer kritisch abgewogen werden. Bei vielen hochgradigen Coxarthrosefällen reichen aber die oben erwähnten konservativen Massnahmen nicht mehr und es muss operiert werden.
Je nach klinischem und radiologischen Schweregrad der Hüftgelenkdysplasie, dem Gewicht und Alter des Hundes kann eine massgeschneiderte operative Therapieform angeboten werden. Sie wird in den meisten Fällen ergänzt durch diätetische und haltungsbedingte Massnahmen.
Bei der modifizierten Pektineusmyektomie (PIN) werden dem Hund durch gezielte Schnitte in Muskeln und Sehnen sowie einer Entfernung der Nervenendigungen auf der Hüftgelenkkapsel die Schmerzen gezielt reduziert. Diese Muskeln verkrampfen sich nämlich im verzweifelten Versuch, das lockere Hüftgelenk zu stabilisieren und sind schlussendlich für einen grossen Teil der Schmerzen verantwortlich. Diese Operation kann bequem gleichzeitig an beiden Hintergliedmassen vorgenommen werden. Der Erfolg der PIN-Operation ist bei Hunden mit mässiger Arthrose, aber eingeschränkter Beweglichkeit der Hüftgelenke am grössten und hält zwischen einem halben und mehreren Jahren an. Die PIN-Operation kann sogar bei Junghunden angwendet werden.
In den seltenen Fällen, bei denen Coxarthrose bei Hunden unter 18 kg Körpergewicht auftritt, kann der Oberschenkelkopf einfach entfernt werden. An seiner Stelle bildet sich unter physiotherapeutischer Unterstützung rasch eine Bindegewebsbrücke, welche die Kraftübertragung von Hinterbein zu Becken übernimmt. Der Eingriff ist relativ einfach und verhilft dem Hund zu Schmerzfreiheit, meistens ohne bleibende Gangabweichung. Die Oberschenkelkopfentfernung kann mit zunehmendem Gewicht nur für eine Seite empfohlen werden.
Der absolute "Rolls-Royce" unter den Behandlungen zur Hüftgelenksdysplasie oder Coxarthrose ist die totale Hüftgelenkprothese. Dabei wird der knöcherne Anteil des Gelenkes durch Metall und Kunststoff ersetzt. Es wird eigentlich nur durch die Hüftprothese eine dauerhafte und zufriedenstellende Therapie des von Coxarthrose geplagten Hundes erreicht. Verschiedene Typen von der zementierten über die Press-fit bis zur zementlosen Prothese sind auf dem Markt erhältlich. An der Abteilung für Kleintierchirurgie des Tierspitals Zürich wird seit rund sechs Jahren die zementfreie verschraubte Prothese "Zurich cementless" verwendet.

  Bild Modell der totalen Hüftgelenkprothese "Zurich cementless" Abbildung 2:
Modell der totalen Hüftgelenkprothese "Zurich cementless". Pfannen- und Schaftteil werden eingepasst und verschraubt. Der Kopf wird aufgeschlagen und das Gelenk wird reduziert. Die Hüftprothese führt zu einem schmerzfreien Hüftgelenk.

Nach Entfernung des dysplastischen und arthrotischen Oberschenkelkopfes werden der Oberschenkelschaft und die Gelenkpfanne im Becken zur Aufnahme der Prothese vorbereitet. Die künstliche Pfanne besteht aus Titan und Polymethylmetacrylat und wird nach massgenauer Einpassung und Ausrichtung mit einer Schraube fixiert. Das Gegenstück, der Titan-Stamm, wird mittels drei bis fünf Schrauben auf der Innenseite des Oberschenkels korrekt verschraubt. Die Verbindung stellt das aufgeschlagene Halsstück dar. Bei Bedarf können, im Gegensatz zu den zementierten Prothesen, Richtung und Grösse der Anteile während der Operation oder noch Wochen danach verändert werden. Um Hunden aller Grössen helfen zu können, stehen von Pfanne, Hals und Stamm verschiedenen Durchmesser, Stärken und Längen zur Verfügung. Praktisch alle Hunden zeigen schon Tage nach der Operation eine verbesserte Fortbewegung. Die Lahmheit verschwindet normalerweise innert 4 bis 6 Wochen nach dem Eingriff. Viele Hunde sind beidseitig dysplastisch. Da sie schon bald nach dem Einsetzen einer totalen Hüftgelenkprothese diese schmerzfreie Seite mehr belasten, ist nicht in allen Fällen ein zweite Operation notwendig.

  Bild Röntgenbild des linkes Hüftgelenkes Abbildung 3:
Röntgenbild des linkes Hüftgelenkes eines 11 Monate alten Berner Sennenhundes vor  dem Einsetzen der Hüftgelenkprothese.
     
  Bild Röntgenbild des linkes Hüftgelenkes Abbildung 4:
Röntgenbild des linkes Hüftgelenkes eines 11 Monate alten Berner Sennenhundes nach dem Einsetzen der Hüftgelenkprothese. Gut sichtbar ist die Fixierung des Schaftteiles mit fünf Schrauben. Es wird kein Zement verwendet. Der Patient war 4 Wochen nach der Operation lahmheitsfrei.

 

Der Therapieplan

Zur Behandlung der Hüftgelenkdysplasie oder der Coxarthrose stehen also viele Methoden zur Auswahl. Nach einer gründlichen Diagnosestellung und dem Gespräch mit dem Besitzer kann der Kleintierspezialist den massgeschneiderten Therapieplan entwerfen. Jedem geplagten Hund kann heute geholfen werden und auf jeden Fall können seine Schmerzen reduziert werden. Ihr Kleintierspezialist berät Sie sicher gerne und hilft Ihnen und Ihrem Vierbeiner auf dem Weg zu einem lahmheits- und schmerzfreien Hundeleben.

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Dieser Artikel ist erschienen in HUNDE 8/2000

Autor:
Dr. med. vet. ECVS Daniel Koch
Kleintierchirurgie Universität Zürich