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Häufigkeit von Hirntumoren

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Hirntumore kommen nicht häufig vor. Statistisch gesehen finden sich unter 100'000 Autopsien gerade 14.5 Hunde mit einem Hirntumor. Diese Zahlen beruhen auf Autopsien, die in einer zufällig ausgewählten Population durchgeführt wurden. Damit repräsentieren sie die durchschnittliche Hundepopulation recht genau. Betrachtet man die Häufigkeit anhand von Patienten, die an neurologischen Symptomen leiden, liegt die Zahl der Hirntumore natürlich höher. Unter den 600 Hunden die der Autor dieses Artikels jährlich untersucht, kann die Diagnose Hirntumor bei etwa 20 definitiv gesichert werden. Der Hund ist im Vergleich mit anderen Haustierarten am häufigsten von der Erkrankung betroffen. Einige Rassen scheinen häufiger an Hirntumoren zu erkranken als andere. Dazu gehören Boxer, Golden Retriever, Dobermann und Bobtail.

 

Symptome, die einen Hirntumor vermuten lassen

Landläufig wird angenommen, dass Wesensveränderungen – allen voran Aggressivität – als erste Zeichen eines Hirntumors auftreten. Diese Meinung ist auch in Fachkreisen verbreitet und die Zahl der "bissigen" Hunde die ohne genauere Abklärungen und oft auch etwas übereilig eingeschläfert werden, dürfte verhältnismässig hoch sein. Vor allem, wenn die Aggressivität als einziges Symptom auftritt, wird die Ursache dafür wohl eher in einem Verhaltens- oder Erziehungsfehler liegen (siehe dazu den Link zur Arbeitsgruppe für gefährliche Hunde unter http://www.kleintiermedizin.ch/aggh/index.html).
Bisweilen reagieren auch Hunde mit starken Schmerzen aggressiv auf Berührungen. Aggressivität im Sinne einer gezielten Attacke auf Menschen oder andere Hunde wird kaum durch einen Hirntumor ausgelöst.
Das Problem "Aggressivität" ist in einer Untersuchung bei einer grösseren Anzahl von Hirntumor-Patienten denn auch nur bei 5% der Tiere als Problem angegeben worden. Eine durch einen Tumor ausgelöste Aggression kann dann auftreten, wenn dieser im Bereich der Hirnareale liegt, die für die Verhaltenssteuerung zuständig sind. Der Autor hat Hunde untersucht, die in fortgeschrittenen Stadien der Hirntumorerkrankung bei Berührung – auch durch den eignen Meister – geknurrt haben. Dies war jedoch nicht als Aggressivität im Sinne einer Beisswut, sondern vielmehr als Ausdruck einer Orientierungslosigkeit und Verlust der kognitiven Fähigkeiten zu deuten.
Unauffälligere – und auch häufigere – Wesensveränderungen im Gefolge eines Hirntumors sind reduziertes Temperament, erhöhtes Schlafbedürfnis und Lethargie. Diese Apathie kann sich in einer späteren Phase der Tumorerkrankung umkehren in Unruhe und Rastlosigkeit.
In den meisten Fällen sind Krampfanfälle das erste Symptom eines Hirntumors. Aber auch diese sind natürlich nicht beweisend für das Vorliegen eines Tumors, denn die mit Abstand häufigste Ursache von Krampfanfällen ist die vererbte Epilepsie (siehe dazu den Artikel im Schweizer Hunde Magazin 1/2000 von Dr. T. Bley). Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko, dass ein Tumor die Anfälle auslöst, rapide an: 90 % der Hunde, die an einem Hirntumor erkranken, haben das 5. Lebensjahr überschritten.
Kopfschmerzen – oft das erste Anzeichen bei Hirntumoren des Menschen – sind beim Hund schwierig festzustellen. Es ist aber anzunehmen, dass auch Hunde mit Hirntumoren daran leiden. Kopfschmerzen zeigen sich etwa durch Berührungsempfindlichkeit am Kopf und Hals oder in schwereren Fällen in einer Steifhaltung des Nackens. Unter Umständen sind Hunde mit Kopfschmerzen auch apathisch, lichtscheu und ziehen sich in Verstecke zurück.
Verhältnismässig häufig sind auch Bewegungs- oder Sehstörungen bei Hirntumoren festzustellen. Da diese meist nur auf einer Körperseite oder auf einem Auge auftreten, werden sie im Frühstadium vom Besitzer oft übersehen und deshalb erst bei einer eingehenden neurologischen Untersuchung entdeckt. Eine einseitige Blindheit beispielsweise wird vom Hund so gut kompensiert, dass sie oft erst auffällt, wenn das gesunde Auge abgedeckt wird. Das Auge selbst ist dabei nicht direkt betroffen, aber die dazugehörigen Sehzentren und die Sehbahnen im Gehirn werden von den Tumoren in Mitleidenschaft gezogen.
Mit zunehmendem Wachstum des Hirntumors treten im Verlauf der Erkrankung dramatischere Zeichen auf. Dazu gehört das so genannte Drangwandern, bei dem das Tier ruhelos und mechanisch vorwärtsdrängt. Stösst es dabei an ein Hindernis, stemmt es mit dem Kopf dagegen und verharrt unter Umständen lange Zeit in dieser Haltung. Das Drangwandern ist zusätzlich charakterisiert durch einen ausgeprägten Bewegungszwang nach einer Seite; dies kann sich nur als leichtes Driften zeigen oder – auf der anderen Seite der Extreme – in engen, raschen Kreisbewegungen um die eigene Körperachse. In diesem Stadium der Tumorerkrankung ist denn auch meist eine Desorientierung des Hundes vorhanden. Diese kann sich darin äussern, dass der Hund auf Geräusche und Rufe nicht mehr in gewohnter Weise reagiert, Berührungen nur noch auf einer Seite des Körpers wahrnimmt und sich nur nach einer Seite hin orientieren kann. Im Endstadium der Erkrankungen werden die Hunde in Bewusstlosigkeit fallen.
Je mehr der oben erwähnten Risikofaktoren (Alter, Rasse) und Symptome vorhanden sind, desto schwerer wiegt der Verdacht eines Hirntumors. Eine sichere Diagnose darf jedoch nur nach weiter gehenden Untersuchungen gestellt – immerhin gibt es verschiedene Gehirnerkrankungen, die gleichartige Symptome verursachen können.

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr.med.vet . Frank Steffen
Diplomate ECVN Neurologie/Neurochirurgie
Departement für Kleintiere
Universität Zürich
Tierklinik Obergrund, Luzern