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Erkrankungen der endokrinen Organe

Unterfunktion der Schilddrüse

Die Schilddrüsenunterfunktion (= Hypothyreose) tritt v. a. bei grossen Rassen wie Golden Retriever und Dobermann im Alter von 1 bis 6 Jahren auf. Der Mangel an Schilddrüsenhormonen bewirkt in allen Organen einen reduzierten Stoffwechsel. Ausser bei der angeborenen Form, die sich v. a. in Zwergwüchsigkeit manifestiert, kommen die Krankheitssymptome schleichend. Man beobachtet einen immer träger werdenden Hund, der bei gutem Appetit auch an Gewicht zulegt. Sein Haarkleid wird trocken und stumpf. Bei fortschreitender Symptomatik entstehen immer mehr kahle Stellen im Fell, deren Haut sich schwarz verfärbt. Bei Erkennung einer Schilddrüsenunterfunktion hat die lebenslängliche Applikation von Schilddrüsenhormonen eine gute Prognose.

 

Die Schilddrüsenüberfunktion

Im Vergleich zur Unterfunktion handelt es sich bei der Hyperthyreose um eine eher seltene Hormonstörung beim Hund. Es sind meistens ältere Hunde wie Boxer betroffen. Basierend auf einer Entartung der Schilddrüse kommt es zu vermehrten Hormonsekretion. Aber nur 10 % der tumorös entarteten Schilddrüsen produzieren auch wirklich zu viel Hormone. Im Gegensatz zur Unterfunktion kommt es zu einer Steigerung des Stoffwechsels abgesehen vom möglichen Druck des Tumors auf umliegende Strukturen am Hals, was sich in Atem- und Schluckbeschwerden äussern kann. Hunde mit einer Schilddrüsenüberfunktion sind nervös, zittern, verlieren an Gewicht, trinken und fressen vermehrt. Auch sie können ein stumpfes Haarkleid aufweisen. Erlaubt es die Grösse des Tumors, diesen chirurgisch zu entfernen, ist dies nebst der medikamentellen, chemotherapeutischen Medikation (ev. auch in Kombination) die Therapie der Wahl. Die Prognose hängt von der Bösartigkeit des Tumors ab.

 

Die Nebennierenüberfunktion

Diese Erkrankung, auch Cushing-Syndrom/Erkrankung oder Hyperadrenokortizismus genannt, zählt zu den häufigeren Hormonstörungen beim Hund. Der chronische zu hohe Kortisonspiegel im Blut greift in den Stoffwechsel der meisten Gewebe am Körper ein. Zu den bevorzugten Rassen gehören sicherlich der Pudel und der Dackel. Es sind eher ältere Hunde, die mehr trinken und mehr urinieren, oftmals auch mehr hecheln. Ihr Haarkleid verändert sich ebenfalls, die Haut wird dünner und partiell auch haarlos mit Dunkelverfärbung, v. a in der Flankengegend. Das äussere Erscheinungsbild ist durch eine Stammfettsucht mit Hängebauch gekennzeichnet. Bei der Therapie kommen Medikamente zur Anwendung, die spezifisch durch Zerstörung der betroffenen Areale in der Nebenniere die Hormonproduktion hemmen. Handelt es sich um Tumore der Nebenniere muss ev. auch eine chirurgische Lösung in Betracht gezogen werden. Liegt das Grundproblem bereits im übergeordneten Hirnareal, der Hypophyse, kann diese auch einer Strahlentherapie unterzogen werden. Auch bei dieser hormonellen Überproduktion ist die Bösartigkeit der entarteten Organe für die Prognose mitverantwortlich. Grundsätzlich kann die Therapie aber als gut betrachtet werden.

 

Nebennierenunterfunktion

Der Hypoadrenokortizismus (= Addison-Krankheit) wie die Nebennierenunterfunktion auch bezeichnet wird, ist nicht so häufig und betroffen sind eher grössere Hunderassen. Das Krankheitsbild ist sehr unterschiedlich; vom fast assympomatisch, leicht apathischen, lustlosen Patienten bis hin zum lebensbedrohlich kollabierenden. Zu den Kardinalsymptomen gehören vermehrtes Trinken und Urinieren, Apathie, Schwäche und Magendarmbeschwerden und letztlich auch Austrocknung und Schocksymptome. Offensichtlich ist meist die Stressintoleranz. Durch das fehlende Stresshormon Kortison ist es den Organen nicht möglich die erforderliche Mehrleistung zu bringen. Dem Mangel an Aldosteron, dem zweiten Nebennierenhormon, folgt ein erhöhter Wasserverlust über die Nieren. Wie bei der Schilddrüsenunterfunktion werden bei der Nebennierenunterfunktion die fehlenden Hormone medikamentell lebenslänglich ergänzt. Einmal richtig eingestellt führen die Patienten ein ganz normales Hundeleben.

 

Zuckerkrankheit (= Diabetes mellitus)

Diabetes mellitus gehört zu den häufigeren Hormonerkrankungen. Betroffen sind Tiere jeder Altersklasse, aber deutlich mehr Hündinnen als Rüden. Es gibt verschiedene Typen resp. Formen des Diabetes. Alle gemeinsam ist eine Störung im Insulinstoffwechsel, dem Hormon aus der Bauchspeicheldrüse, verantwortlich für einen normalen Zuckerhaushalt. Klassisch beim betroffenen Hund sind die grossen Harnmengen und die gesteigerte Wasseraufnahme. Dies resultiert aus dem primär erhöhten Blutzucker und dem folgenden Zucker im Urin. Durch die vermehrte Zuckerausscheidung im Harn wird auch viel mehr Wasser mitgezogen (= osmotische Diurese). Die Zuckerkrankheit kann zu einer Linsentrübung und einer damit verbundenen Blindheit führen. Unbehandelte oder nicht erkannte Diabetespatienten leiden oft an einem sich stark verschlechternden Allgemeinbefinden, das im Koma enden kann. Beim Diabetespatienten gilt es andere Grunderkrankungen wie Nebennierenüberfunktion oder Medikamentengaben, die eine Erkrankung induzieren können, auszuschliessen resp. zu erkennen. Erkrankte Hunde erfreuen sich bei disziplinierter Insulintherapie guter Lebensqualität über Jahre.

Erkrankungen der Nebenschilddrüse, sowohl Über- wie Unterfunktionen, sind sehr selten. Beeinflusst wird dabei der Kalzium-Haushalt. Was unter anderem Auswirkungen auf die Knochverkalkung, auf neuromuskuläre Abläufe und auf das Herz hat.

Eingangs wurden die übergeordneten Zentren (Hypothalamus und Hypophyse) erwähnt. Diese tragen natürlich bei einer Störung ihrerseits bereits zu hormonellen Imbalancen bei, auch wenn das eigentliche endokrine Zielorgan normal funktionieren würde, nimmt es die „falschen“ Befehle zur Kenntnis und verarbeitet sie dementsprechend. Diese Form der Erkrankungen werden als sekundäre Hormonstörungen definiert (s. o.).

Die Erkenntnisse über hormonelle Störungen sind ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit unserer Vierbeiner. Einmal diagnostiziert erlaubt eine adäquate Therapie häufig das Weiterleben unter guter Lebensqualität.

 

Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. Martin Keiser
Tierklinik Obergrund
Schlossstr. 11, 6005 Luzern
www.tierklinik-obergrund.ch