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Lebendimpfstoffe gegen die Parvovirose

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Hundewelpen wurden bisher oft nicht mit einer einzigen "Kombi-Impfung" gegen die fünf oben beschriebenen Krankheiten auf einmal geimpft. Je nach Alter und Umgebung des Welpen wurde die Parvovirose getrennt von den anderen vier Krankheiten geimpft. In jedem Fall wurde aber bis im Frühjahr 1999 mit einem Tot-Impfstoff gegen die Parvovirose geimpft. Wenn man einen Tot-Impfstoff verwendet, dann bedeutet dies, dass dem Hund abgetötete Parvoviren eingeimpft werden. Sein Abwehrsystem bildet dann Antikörper gegen diese toten Viren, welche den Hund vor einer Infektion mit dem "richtigen" Virus schützen.
Während in der Schweiz stets nur Totparvo-Impfstoffe erlaubt waren, wurden weltweit Lebendparvo-Impfstoffe entwickelt und zunehmend auch eingesetzt. Ein Lebend-Impfstoff enthält, wie der Name sagt, lebende Viren. Der Vorteil eines Lebend-Impfstoffes liegt darin, dass sich die Impfviren nach der Impfung im Körper des Hundes vermehren können. Dadurch reagiert dessen Abwehrsystem sehr heftig und es werden mehr Antikörper als bei der Impfung mit einem Tot-Impfstoff gebildet. Natürlich muss sich das lebende Impfvirus, das den Hund vor einer Parvoviroseinfektion schützen soll, stark genug vom "richtigen" Virus, das die Parvovirose verursacht, unterscheiden, sonst würde das Impfvirus den Hund ja krank machen.
Die Herstellung und Verwendung von lebenden Impfviren gegen die Parvovirose wurde über viele Jahre hinweg von den Schweizer Behörden als zu riskant eingeschätzt, weswegen sie verboten waren. Anfang der achtziger Jahre wurde in England das lebende Impfvirus Parvo C entwickelt und registriert. Seither wurde in zahlreichen Studien seine Sicherheit belegt. Im März 1999 wurde schliesslich ein Lebend-Impfstoff, welcher Parvo C enthält, in der Schweiz zugelassen. Kurz darauf folgte die Zulassung von anderen Lebend-Impfstoffen gegen die Parvovirose in der Schweiz.
Was aber bringt die Impfung mit Lebend-Impfstoffen gegen die Parvovirose dem Hund konkret für Vorteile? Gleich nach der Geburt nimmt der Hundewelpe über die Muttermilch eine grosse Menge von maternalen (von der Mutter herstammenden) Antikörpern gegen die Parvovirose auf. Diese befinden sich in der Folge während einer gewissen Zeit im Blut des Welpen und schützen ihn vor einer Infektion mit dem Parvovirus. Versucht nämlich ein Parvovirus in den Körper des Welpen einzudringen, dann binden sich die maternalen Antikörper daran und machen es dadurch unschädlich. Versucht man in dieser Zeit den Welpen gegen die Parvovirose zu impfen, dann geschieht dies erfolglos. Denn auch das Impfvirus wird von den maternalen Antikörpern sofort vernichtet, so dass es keine Zeit hat, das Abwehrsystem des Welpen zur Bildung von Antikörpern anzuregen.
Im Verlauf der ersten drei bis vier Lebensmonate verliert der Welpe allmählich seine maternalen Antikörper. Von einem gewissen Zeitpunkt an hat er schliesslich zu wenig Antikörper im Blut, um vor einer Infektion mit dem Parvovirus geschützt zu sein. Paradoxerweise hat er aber dann eine Zeit lang doch noch zu viele maternale Antikörper im Blut, um auf eine Impfung erfolgreich reagieren und selbst Antikörper bilden zu können. Die Zeit, in welcher ein Welpe zu wenig maternale Antikörper besitzt, um vor einer Parvoviroseinfektion geschützt zu sein, und in der er aber auf eine Impfung noch nicht erfolgreich (durch die Bildung von eigenen Antikörpern) reagieren kann, nennt man die "immunologische Lücke". Sie ist dafür verantwortlich, dass selbst bei gut geimpften Welpen immer wieder Parvovirosefälle auftreten konnten.
Der grosse Vorteil der Lebend-Impfstoffe gegen die Parvovirose liegt darin, dass sich die Zeit der "immunologischen Lücke" wesentlich verkürzt. Je nach Impfstatus der Mutter ist ein Hundewelpe ab der 4. bis 10. Lebenswoche empfänglich für eine Parvovirusinfektion. Während mit einem Totimpfstoff in den meisten Fällen erst ab der 16. bis 20. Woche ein guter Impfschutz erzielt werden kann, ist dies bei Impfung mit dem Lebend-Virus Parvo C bereits ab der 10. bis 12. Lebenswoche möglich. Für Hundezuchten lässt sich dadurch das Risiko von Parvoviroseausbrüchen wesentlich verringern. Für den Hundewelpen selber bedeutet es auch, dass die Grundimmunisierung mit der kombinierten Impfung früher abgeschlossen werden kann und er mit einem guten Impfschutz in die Welpenschule gehen kann.

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Dieser Artikel ist erschienen in den Hundemagazinen 3/2001 und 4/2001
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autorin:
Dr. med. vet. ECVIM D. Gonin Jmaa
Centre Vétérinaire/Tierärztezentrum Agy
Route des Grives 8, 1763 Granges-Paccot