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Tollwutimpfung freiwillig?

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Im Jahre 1967 wurde die Schweiz vom Fuchstollwut-Seuchenzug erfasst, welcher 1939 in Polen seinen Ursprung nahm. Die Tollwut breitete sich in unserem Land bis 1977 stark aus und führte in jenem Jahr beim Menschen zu drei Todesfällen. Die drei Personen wurden nicht direkt durch tollwütige Füchse angesteckt, Überträger der Krankheit waren vielmehr eine Katze, ein Rind und ein Hund. In der Folge wurde die Tollwutimpfung für die Hunde obligatorisch.
Im Jahre 1978 wurde in der Schweiz der weltweit erste Feldversuch zur Impfung der Füchse mittels Schluckimpfstoff unternommen. Der Impfstoff wurde in Hühnerköpfe gebracht, welche anschliessend als Köder ausgesetzt wurden. Nachdem der Feldversuch erfolgreich verlief, wurde eine grossräumige Impfkampagne, bei welcher im Ganzen 2.8 Millionen Impfköder ausgesetzt wurden, durchgeführt. Ab Anfang der Achtziger Jahre gingen die Tollwutfälle nach und nach zurück. Im Jahre 1996 wurde in der Schweiz schliesslich der letzte endemische (nicht durch Import verursachte) Tollwutfall diagnostiziert. Seit 1999 gilt die Schweiz offiziell als "frei von Tollwut". Das Impfobligatorium für Hunde, die die Schweiz nie verlassen, wurde in der Folge aufgehoben.
Trotzdem kann es sinnvoll sein, seinen Hund weiterhin gegen Tollwut impfen zu lassen, auch wenn er die Schweiz nicht verlässt. Die Tierseuchenverordnung verfügt nämlich über sehr strenge Vorschriften bezüglich Tollwut. Diese können einem ungeimpften Hund zum Verhängnis werden. So schreibt der Artikel 145 das Folgende vor: "Bei Kontakt mit einem tollwütigen oder tollwutverdächtigen Tier, müssen Haustiere, die nicht innerhalb der letzten zwei Jahre gegen Tollwut geimpft worden sind, getötet oder 100 Tage abgesondert werden".
Die Tatsache, dass die Schweiz nun tollwutfrei ist, ist nicht eine Garantie dafür, dass es in der Schweiz keine tollwütigen oder tollwutverdächtigen Tiere mehr geben wird. Mit der erhöhten Mobilität der Bevölkerung nimmt auch die Zahl der importierten Tiere zu. Der Anteil der Importe unter Umgehung der Importbestimmungen dürfte damit auch zunehmen (illegaler Hundehandel aus dem Osten, Hundeadoption anlässlich eines Ferienaufenthaltes im Süden).
Doch selbst unter Einhaltung der Importbestimmungen kann es passieren, dass ein tollwutinfiziertes Tier in die Schweiz eingeführt wird. Vorschrift ist nämlich lediglich die Verabreichung einer Tollwutimpfung mindestens 30 Tage vor dem Import. Es ist heute bekannt, dass bei einer einmaligen Impfung nur drei Viertel der Hunde wirkungsvoll gegen Tollwut geschützt sind, ein Viertel kann von der Seuche nach wie vor angesteckt werden! Zu bedenken ist auch, dass die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Krankheitssymptome) bei der Tollwut bis zu 100 Tagen betragen kann. Das bedeutet, dass man einem Hund unter Umständen drei Monate lang nicht ansieht, dass er mit Tollwut infiziert ist!
Wenn man einen Hund hat, der regelmässig im Kontakt zu anderen Hunden steht, kann man nicht ausschliessen, dass dieser eines Tages mit einem tollwutverdächtigen Importtier in Kontakt kommen könnte. Wenn der Hund dann nicht gegen Tollwut geimpft ist, hat dies gravierende Konsequenzen. Der Artikel 145 der Tierseuchenverordnung kommt zur Anwendung und der Kantonstierarzt entscheidet, ob der Hund 3 Monate und 10 Tage von der Umwelt abgesondert oder ob er getötet werden muss. Zusätzlich müssen sich sowohl der Hundebesitzer als auch sämtliche Personen, die mit dem Hund in Kontakt waren, mehrfach impfen lassen.
Dass dies nicht nur Theorie ist, musste man im Herbst 1997 in Zürich erfahren. Damals wurde über den Flughafen Zürich ein Hund aus Marokko importiert, der sich 10 Tage später als tollwütig erwies. Sämtliche Hunde, die zu dem Tier Kontakt hatten, waren gegen Tollwut geimpft, da sich der Fall noch vor Abschaffung des Impfobligatoriums ereignete. Eine Auffrischungsimpfung gegen Tollwut und eine dreissigtägige Absonderung genügten daher glücklicherweise. Eine Katze, die zu dem Hund Kontakt gehabt hatte, musste eingeschläfert werden, da sie nicht gegen Tollwut geimpft war. Sechzehn Personen waren in der kurzen Zeit mit dem Hund in Kontakt gekommen. Diese konnten durch die Verabreichung von mehreren Impfungen erfolgreich vor der Tollwut geschützt werden. Unbekannte Personen, die am Flughafen Kontakt zum Hund gehabt hatten, konnten erst behandelt werden, nachdem sie im Radio ausgerufen wurden.

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Dieser Artikel ist erschienen in den Hundemagazinen 3/2001 und 4/2001
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autorin:
Dr. med. vet. ECVIM D. Gonin Jmaa
Centre Vétérinaire/Tierärztezentrum Agy
Route des Grives 8, 1763 Granges-Paccot