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Krebs beim Tier

1. Symptome

Die Symptome einer Krebserkrankung bei unseren Haustieren weisen eine grosse Bandbreite auf und können vielen Krankheitsbildern ähnlich sehen, sie sind also oft unspezifisch. Es kann sein, dass der Tierbesitzer einen Knoten feststellt, aber auch eine Lahmheit, Inappetenz mit Gewichtsverlust, Verhaltensveränderungen, etc. können auf einen Tumor hinweisen. Falls solche Veränderungen bei einem Tier über mehrere Tage anhalten, ein Knoten schnell grösser wird oder sich ein Tier offensichtlich nicht wohl fühlt, sollte es einem Tierarzt vorgestellt werden. In der Regel kann ein Krebsleiden bereits beim Tierarzt durch diverse Untersuchungen bestätigt oder ausgeschlossen werden. Manchmal wird der Patient für spezielle Untersuchungen an ein Spezialistenzentrum überwiesen, die Behandlung einiger Krebsarten erfordert die Mithilfe und das Fachwissen eines Spezialisten (Onkologen). (Abb.1.)

  Bild Mastzelltumor Bild Mastzelltumor
 

Abbildung 1:
Das äussere Erscheinungsbild einer Veränderung reicht nicht, um derer Gut- oder Bösartigkeit einzuschätzen. Beide Veränderungen sind Mastzelltumoren und müssen als bösartig eingestuft werden.
Fotos: S. Rüfenacht

 

2. Untersuchungen zur Diagnosestellung

Die Untersuchungen beginnen in der Regel mit einer Anamnese (= Vorgeschichte) und einer allgemeinen klinischen Untersuchung. Dabei geht es darum, das Tier vollständig zu untersuchen und sich nicht nur auf die vermutete Problemstelle zu konzentrieren. Die Systematik einer solchen Untersuchung variiert oft von Tierarzt zu Tierarzt, aber es werden alle zugänglichen Organsysteme abgetastet oder abgehört, Körperöffnungen werden kontrolliert und das allgemeine Verhalten des Tieres beurteilt.

In einem zweiten Schritt wird oft eine Blutuntersuchung gemacht, um die Organfunktion (z. B. Leber, Nieren) zu beurteilen. Auch hilft eine Blutuntersuchung das Narkoserisiko festzulegen. Nachdem sich der untersuchende Tierarzt ein allgemeines Bild über den Patienten verschafft hat, geht es darum, die verdächtigen Veränderungen genauer zu evaluieren und Proben zu entnehmen. Falls die Probenentnahme (Gewebsentnahme = Biopsie) eine Narkose erfordert, empfiehlt es sich in der Regel vorgängig Röntgenaufnahmen der Lungen anzufertigen. Diese dienen einerseits zur Beurteilung der Lunge und des Herzens, aber auch zum Ausschliessen von Metastasen.

Weitere diagnostische Untersuchungen helfen, sich über das Ausmass und die Grösse einer Veränderung ein Bild zu machen. Je nach Lokalisation und Veränderung werden weitere bildgebende Untersuchungen wie Röntgen, Ultraschall, CT (Computertomografie) oder MRI (Magnetresonanztomografie) durchgeführt. Manchmal ist zu diesem Zeitpunkt eine Gewebsdiagnose bereits vorhanden, oft sind aber diese Untersuchungen auch wichtig, um Proben zu entnehmen. In seltenen Ausnahmen ist es nicht möglich Gewebeproben zu nehmen (z. B. bei gewissen Gehirntumoren), in solchen Situationen bleibt es in der Regel bei einer Verdachtsdiagnose, die aber durch andere Tests so genau wie möglich eingeschränkt wird.
Ebenfalls können weitere Bluttests angezeigt sein, spezielle Werte wie zum Beispiel Hormone oder verschiedene Elektrolyte können je nach Verdacht weitere Informationen liefern.

Für die Probenentnahme einer veränderten Stelle gibt es folgende Möglichkeiten:

  1. zytologische Untersuchung: der Knoten oder die Läsion wird mit einer Kanüle punktiert. Um ein gleichmässiges Zellbild zu erhalten, wird die Kanüle in der Läsion mehrmals hin- und herbewegt, die Zellen, die sich dann in der Kanüle festsetzen werden auf einen Objektträger ausgestrichen und können angefärbt und unter dem Mikroskop beurteilt werden. Meist werden diese Objektträger zur Beurteilung zu einem Spezialisten (Pathologen) geschickt. Diese Technik kann sehr schnell und ohne Narkose durchgeführt werden, es kann aber sein, dass sich nur wenige Zellen gewinnen lassen und eine grössere Gewebeprobe im Anschluss notwendig ist. Oft erhält man aber einen ersten Verdacht ob es sich um einen Tumor oder eine Entzündung handelt. Diese Technik wird auch zur Abklärung von Lymphknoten verwendet. (Abb. 2)
  Bild Zytologische Probenentnahme Bild mikroskopische Untersuchung der gewonnenen Zellen
  Abbildung 2a:
Zytologische Probenentnahme. Diese ist auch an empfindlichen Stellen meist am wachen Tier durchführbar.

Abbildung 2a:
Die mikroskopische Untersuchung der gewonnenen Zellen führt in gewissen Fällen bereits zu einer Diagnose oder Verdachtsdiagnose. Im Bild sichtbar: Zellen eines Mastzelltumors, erkennbar an den vielen stark angefärbten violetten Granula.

Foto: J. Hovard

  1. Biopsie mit anschliessender histologischen Untersuchung: bei dieser Technik wird ein Gewebestück aus der veränderten Stelle entnommen. Eine solche Entnahme erfordert je nach Lokalisation eine lokale Anästhesie oder eine kurze Vollnarkose. Das Gewebestück wird in einem Fixationsmittel an den Pathologen geschickt, der nach Verarbeitung der Probe und einer mikroskopischer Beurteilung eine Diagnose stellen kann.
  2. Entfernung der Veränderung mit anschliessender histologischer Untersuchung: diese, auch exzisionale Biopsie genannte Technik, wird oft bei oberflächlichen Hautknoten durchgeführt. Es ist jedoch wichtig, dass das gesamte entfernte Gewebe an den Pathologen gesandt wird, denn neben der Diagnose ist auch die Beurteilung der Randregion (d. h. wurde der Tumor vollständig entfernt) von grosser Wichtigkeit. In vielen Situationen ist anschliessend eine erneute Operation angezeigt, um genügend grosse Sicherheitsränder zu erhalten.

Die weiter angeordneten Untersuchungen richten sich meist nach Art des Primärtumors. Bei einem bösartigen Tumor wird vor der Prognosestellung und dem Therapievorschlag ein „Staging“ (Abklären des Tumorstadiums) vervollständigt. Hier geht es um die Beurteilung der weiteren Ausbreitung des Krebses, um die Kontrolle nach Fernmetastasen. Man unterscheidet lokale, regionäre und Fernmetastasen. Lokale Metastasen entstehen in unmittelbarer Nähe des Primärtumors durch Verschleppung von bösartigen Tumorzellen in das umgebende Gewebe, auch über Organgrenzen hinweg. Diese Verschleppung kann auch über Stichkanäle oder Schnitte in Tumorgewebe begünstigt werden. Deshalb ist bei einer Probenentnahme bereits bei Tumorverdacht sorgfältig vorzugehen.
Regionäre Metastasen entstehen in der Regel, wenn Tumorzellverbände in die Lymphgefässe abschilfern und sich in den organ- und lagespezifischen Lymphknoten festsetzen. Bei regionären Lymphknotenmetastasen spricht man auch von lymphogenen Metastasen.
Fernmetastasen entstehen analog dazu, wenn Tumorzellverbände in Venen abschilfern und in entfernten Organen absiedeln, oder durch Abklatschung von Tumorzellen in Körperhöhlen. Fernmetastasen über den Blutweg werden hämatogene Metastasen genannt. Je nach Lokalisation und histologischem Typ metastasieren maligne (bösartige) Tumoren in unterschiedlichem Masse lymphogen und hämatogen. Auch die Lokalisation von Fernmetastasen ist in grossem Masse abhängig von Histologie und Lokalisation des Primärtumors.
Klinisch werden Tumoren oft nach dem TNM-System eingestuft. Dieses basiert auf statistischen Untersuchungen, die zum Beispiel nachweisen, dass sich ab einer bestimmten Grösse eines Tumors die Prognose der Erkrankung verschlechtert. Die Einstufung einer Tumorerkrankung in die einzelnen Kategorien des TNM-Systems erlaubt daher prognostische Aussagen und bestimmt häufig auch die weitere Therapie.

TNM ist eine Abkürzung für

Diese Staging-Untersuchungen beinhalten in der Regel Röntgenbilder Brustraumes und oft eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens (= Bauchraumes) zur Beurteilung weiterer Organe wie Leber, Milz, Nieren, etc. Bei verdächtigen Veränderungen werden auch hier Proben entnommen (meist zytologisch) und untersucht.

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 4/2007 und 5/2007
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Carla Rohrer Bley, Dr. med. vet.
Dipl. ACVR (Radiation Oncology)
Bildgebende Diagnostik und Radio-Onkologie
Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich
Winterthurerstrasse 260
CH-8057 Zürich