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Krebserkrankungen bei Hund und Katze

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Beurteilung und Therapiemöglichkeiten

1. Therapieentscheid

Abhängig von Ursprungsgewebe, Bösartigkeit und Ausdehnung des Tumors wird im Gespräch mit dem Besitzer ein Entscheid für eine Therapie gefällt. Dabei ist neben Diagnose immer auch der allgemeine Gesundheitszustand des Tieres wichtig. Weitere Rahmenbedingungen wie familiäre Situationen, persönliche Überzeugungen aber auch finanzielle Überlegungen werden in einen Therapieentscheid einfliessen. Meist ist es notwendig und richtig, sich als Tierbesitzer dafür etwas Zeit zu lassen.

In Fällen, bei denen eine kurative (= heilende) Therapie angegangen werden kann, wird oft eine Kombination von Therapiemodalitäten eingesetzt und ein genauer Zeitplan festgelegt. Bei Patienten, bei denen eine Heilung ihres Krebsleidens leider nicht möglich ist, wird man einen palliativen Therapieplan aufstellen, der darauf abzielt, dem Patienten eine möglich schmerz- und symptomfreie Zeit zu gewähren. Hier geht es vor allem darum, eine gute Lebensqualität zu bieten oder zu erhalten. Oft ist es bei Entscheidungen zu einer palliativen Therapie notwendig, sich die Vorgehensweise bei Verschlechterung des Allgemeinzustandes zu überlegen und mit dem behandelnden Tierarzt zu besprechen. Vielen Tierbesitzern ist es bereits bei der Diagnosestellung ein Bedürfnis, Vorgehen, Zeitpunkt und Ablauf einer Euthanasie zu besprechen. Diese Gespräche sind ausserordentlich wichtig und helfen, sich gut informiert entscheiden zu können.

2. Therapiemodalitäten

Chirurgie: Bei Tumoren in frühen Stadien und geringem metastatischen Potenzial ist die chirurgische (= operative) Entfernung meist die Therapie der Wahl. In der onkologischen Chirurgie gilt das ungeschriebene Gesetz, dass die erste Operation die beste Chance einer Heilung bietet, deshalb ist es wichtig, dass diese gut geplant und nach onkologischen Prinzipien durchgeführt wird. Bei einer operativen Entfernung eines Tumors ist das biologische Verhalten desselben von hoher Wichtigkeit. Bei einigen Tumoren ist eine relativ knappe Entfernung möglich, bei anderen muss das veränderte Gewebe mit grossem Sicherheitsrand (2 - 3cm) in alle Richtungen entfernt werden, was je nach Lokalisation einer Neoplasie die Funktionalität oder das Aussehen des Tieres beeinträchtigen kann. Funktionelle aber auch kosmetische Folgeerscheinungen können oft durch eine Kombinationstherapie (meist mit Strahlentherapie) verbessert bzw. vermieden werden, eine solche Kombination muss aber vor dem geplanten Eingriff abgesprochen sein. (Abb. 3)

  Bild Weichteiltumor nach operativer und anschliessend strahlentherapeutischer Behandlung Abbildung 3:
Weichteiltumor nach operativer und anschliessend strahlentherapeutischer Behandlung. Die Kombinationstherapie ermöglichte eine funktionelle Erhaltung der Zehen, eine ausschliesslich chirurgische Lösung hätte aufgrund der benötigten 2 - 3 cm Sicherheitsränder die Amputation zweier Zehen bedeutet.

Strahlentherapie: Die Strahlentherapie ist nach der Chirurgie die zweitwichtigste Therapiemodalität bei der Behandlung bösartiger Tumoren. Für einige Tumorarten (z. B. den meisten Gehirntumoren, Nasenhöhlentumoren, etc.) bietet die Strahlentherapie die beste Therapieoption (Abb. 4),

  Bild Plattenepithelkarzinom der Maulhöhle Abbildung 4:
Plattenepithelkarzinom der Maulhöhle. Dieser lokal aggressive, knochenzerstörende Tumor kann mit Strahlentherapie geheilt werden.

bei anderen Erkrankungen wird sie in Kombination mit Chirurgie eingesetzt (z. B. Weichteilsarkomen, Mastzelltumoren, etc.). Eine Kombinationstherapie ermöglicht es, Tumoren operativ knapp zu entfernen und mittels Strahlentherapie die allfällig verbleibenden Tumorzellen, den „Sicherheitsrand“ adäquat zu behandeln. Wie in der Humanmedizin wird auch in der Veterinärmedizin oft zur Palliation (= Linderung) bei schmerzhaften, unheilbaren Tumoren eingesetzt (z. B. Kochentumoren, Knochenmetastasen, grossen Nasenhöhlentumoren).
Wie nach einer Operation ist auch nach strahlentherapeutischer Behandlung mit Nebenwirkungen zu rechnen. Bei der Strahlentherapie beschränken sich diese auf das behandelte Feld. Sie zeigen sich in einer akuten Phase (Mitte der Therapie bis etwa drei Wochen nach Behandlung) als Rötung bis feuchter Entzündung und in einer späten Phase (Monate bis Jahre) in Veränderung der Fellfarbe im behandelten Gebiet.

Chemotherapie: Eine chemotherapeutische Behandlung ist bei Fällen indiziert, bei denen

  1. der Tumor als ausserordentlich Chemotherapie-empfindlich bekannt ist und/oder systemisch auftritt (malignes Lymphom, etc.) (Abb. 5)
  Bild Hautform eines malignen Lymphoms Bild Hautform eines malignen Lymphoms
  Abbildung 5a und 5b:
Hautform eines malignen Lymphoms (Mycosis fungoides). Aufnahmen vor und nach der Behandlung (Kombination Chemotherapie und Strahlentherapie). Obwohl diese Form des Tumors nicht heilbar ist, konnten die Symptome gelindert und eine gewisse Tumorkontrolle erreicht werden.
  1. als Zusatztherapie bei vermuteten Mikrometastasen (z. B. Osteosarkom (= Knochentumor)
  2. um einen Tumor vor der definitiven Therapie zu verkleinern.

Da die Medikamente, die als Chemotherapeutika bezeichnet werden, Zellen abtöten, die sich rasch teilen - wie das bei bösartigen Tumoren der Fall ist - kann es in wenigen Fällen auch zu den oft sehr gefürchteten Nebenwirkungen kommen. Gerade die Zellen des normalen Magen-Darm-Traktes erneuern sich sehr rasch und deshalb werden diese durch eine Chemotherapie auch bis zu einem gewissen Grad in Mitleidenschaft gezogen. Obwohl bei Tieren dieselben Medikamente eingesetzt werden wie bei Menschen, ist die Nebenwirkungsrate bedeutend geringer und beschränkt sich auf wenige Patienten. Leichte oder mittelgradige Nebenwirkungen wie vorübergehende Fressunlust oder leichtes Erbrechen und Durchfall kann oft durch diätetische Massnahmen oder mit Medikamenten wie Antiemetika (gegen Übelkeit und Erbrechen) oder Antibiotika (gegen Knochenmarksunterdrückung) überbrückt werden, bzw. sind vorübergehend. Schwere Nebenwirkungen mit Fieber (< 5 % der Patienten) müssen mit Infusion und intravenösen Medikamenten behandelt werden, diese erfordern eine stationäre Aufnahme des Patienten, meist etwa für 24 Stunden.
In der Regel vertragen Tiere die chemotherapeutischen Behandlungen gut und sind zwischen den Behandlungen normal einsatzfähig. Bei Rassen mit kontinuierlichem Haarwuchs (z. B. Terrier) kann es zu einer Ausdünnung des Fellkleides kommen, bei anderen Rassen allenfalls zu leichten Fellveränderungen.

Weitere Therapiemöglichkeiten wie Immunotherapie aber auch Erkenntnisse aus alternativen Heilmethoden werden bei der Behandlung von Krebs beim Tier eingesetzt. Hier ist eine offene Kommunikation zwischen den behandelnden Tierärzten wichtig, um gemeinsam das gesteckte Ziel nach Heilung oder Linderung zu erreichen und voneinander zu lernen.

Krebs beim Tier ist nicht nur für den Patienten selber sondern auch für den Tierbesitzer oft eine schwerwiegende Diagnose, die eine intensive Auseinandersetzung braucht. Sorgfältige medizinische Aufarbeitung und Beratung durch den behandelnden Tierarzt und/oder Spezialisten helfen bei der Wahl und der Durchführung einer Therapie.

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 4/2007 und 5/2007
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Carla Rohrer Bley, Dr. med. vet.
Dipl. ACVR (Radiation Oncology)
Bildgebende Diagnostik und Radio-Onkologie
Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich
Winterthurerstrasse 260
CH-8057 Zürich