Home

Allgemeines

Auswahlseite Hunde

Kreuzbandriss beim grossen Hund

Einleitung

Entstehung

Rassen

Symptome

Diagnose

Operation

Nachbehandlung / Prognose

Auswahlseite Katzen

Kontakt

Suche

Kreuzbandriss beim grossen Hund

vorherige Seite

Die Kreuzbandoperation

Wie bereits erwähnt gibt es ca. 200 verschiedene Operationstechniken für die Reparatur des vorderen Kreuzbandes beim Hund. Kleine und mittelschwere Hunde bis zu einem Körpergewicht von 25 kg haben nach einem chirurgischen Bandersatz, welcher entweder durchs oder ausserhalb des Kniegelenkes geführt wird, eine gute Erfolgsrate. Konventionelle Operationstechniken haben jedoch bei schweren Hunden (>25 kg) deutlich höhere Komplikationsraten. Durch Überbelastung kommt es zum Zerreissen oder einer Lockerung der eingesetzten Bandprothese mit erneuter Instabilität des Kniegelenkes. Die Aussicht auf eine volle funktionelle Erholung bei dieser Gewichtsklasse ist deshalb nicht immer garantiert. Hunde, die gleichzeitig einen beidseitigen Kreuzbandriss haben, verfügen mit einem konventionellen Bandersatz kaum über eine Chance je wieder schmerzfrei laufen zu können.

Operationstechnik der Korrekturosteomie des Unterschenkelplateaus nach Dr. Slocum

Eine völlig neuartige Methode, welche in den USA bereits seit den 80er-Jahren angewendet wird und von dem Kleintierchirurgen Dr. Barclay Slocum erfunden wurde, ändert die Biomechanik des Kniegelenkes und erzielt vor allem bei schweren Hunde wesentlich bessere Resultate als die "alten" Techniken. Die nach hinten geneigte Unterschenkel-Gelenkfläche – Ursache für die Entstehung des vorderen Kreuzbandrisses – wird bei dieser Technik horizontal   gedreht bzw. korrigiert. Dadurch wird das vordere Kreuzband nicht mehr als Stabilisator des Knies benötigt.
Im Gegensatz zur konventionellen Techniken, wird das Gelenk bei der " Slocum-Technik" - ähnlich wie bei einer arthroskopischen Untersuchung -, nur über einen ca. 1 cm langen Schnitt auf der Innenseite eröffnet. Von diesem Zugang aus wird der Innenmeniskus auf Verletzung inspiziert und bei Bedarf verletzte Teile entfernt. Anschliessend wird unterhalb des Gelenkes der Unterschenkelknochen kreisförmig zerschnitten. Basierend auf dem individuellen Neigungswinkel der Unterschenkel-Gelenkfläche wird diese so weit gedreht bis die Funktion des vorderen Kreuzbandes nicht mehr benötigt wird. Das gedrehte Knochenfragment wird anschliessend mit einer Platte und Schrauben wieder stabilisiert.
Da die Operationstechnik und das Instrumentarium von seinem Erfinder patentiert wurden, wird diese Operation bis jetzt nur von einigen Spezialisten für Kleintierchirurgie durchgeführt. Diese mussten bei Dr. Slocum einen Kurs besuchen und haben dadurch das Recht zur Ausübung dieser Operation erlangt. Bedingt durch den vermehrten Aufwand, den Kosten für Ausbildung und Instrumentarium, ist die "Slocum-Technik" ca. 50% teurer als ein konventionell operiertes Kreuzband.

Nachbehandlung und Prognose

Verglichen mit anderen Techniken belasten die Hunde zwar schneller, brauchen aber bis zur kompletten Erholung etwas länger, da der zersägte Knochen des Unterschenkels erst wieder verheilen muss. Das bedeutet für den Hund zwei Monate an der kurzen und zwei Monate an der langen Leine zu laufen. Wenn der Knochen nach ca. 8 Wochen geheilt ist, beginnt der Wiederaufbau der Muskulatur. Hierbei muss der Besitzer nach Anleitung des Tierarztes mithelfen. Diese Rekonvaleszenszeit ist vergleichsweise lange. In Hinsicht auf die wesentlich bessere Prognose, vor allem der Aussicht auf volle funktionelle Erholung und auf keine weitere Arthroseentwicklung im Knie, scheint mir der Aufwand jedoch gerechtfertigt.

Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. C. von Werthern
Fachtierarzt für Chirurgie, Fachtierarzt für Kleintiere
Dipl. ECVS (europ. dipl. Spezialist für Kleintierchirurgie)
6210 Sursee LU