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Welche unerwünschten Arzneimittelwirkungen können Tierarzneimittel haben?

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Wie beim Menschen kommen auch beim Hund je nach Medikament eine Vielzahl möglicher unerwünschter Arzneimittelwirkungen vor. Erbrechen, Durchfall, Zittern, Blutbildveränderungen, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Hecheln, Speicheln, Krampfanfälle, oder erhöhte Pulsfrequenz sind nur einige Beispiele. Die Liste ist schier endlos und kann nie komplett sein. Manchmal sind in der Packungsbeilage gar so viele oder drastische unerwünschte Arzneimittelwirkungen aufgelistet, dass man sich ernsthaft überlegt, ob es überhaupt angebracht ist, das verordnete Medikament zu verabreichen. Falls Sie besorgt sind, sollte Ihnen ein Gespräch mit Ihrem Tierarzt weiterhelfen. Folgende Fragen gilt es beispielsweise zu klären: Warum ist dieses Medikament wichtig für Ihren Hund? Sind die beschriebenen unerwünschten Arzneimittelwirkungen häufig oder äusserst selten? Verschwinden diese wieder, wenn man das Medikament absetzt?

 

Beispiele von häufigen unerwünschten Arzneimittelwirkungen von Medikamenten beim Hund

Eines der Medikamente mit dem schlechtesten Ruf in Bezug auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen ist wohl Kortison (Präparate mit den Wirkstoffen Dexamethason, Prednisolon, Hydrokortison, etc.). Leider schrecken Tierbesitzer manchmal zu sehr vor dem Einsatz von Kortison bei Hunden zurück, denn in gewissen Fällen ist es ein sehr wirksames Medikament und ist durchaus nicht in jedem Fall schlecht verträglich. Der Hund (und auch der Mensch und andere Säugetiere) produziert im eigenen Körper Kortison, und zwar in den Nebennieren. Diese Organe sind etwa nussgrosse, unscheinbare Gebilde, die den Nieren benachbart sind. Kortison ist ein sehr wichtiges Hormon des Körpers, ohne das wir nicht leben könnten. In verschiedenen Formen steht es uns zur Therapie zur Verfügung: als Haut- oder Augensalben, als Tabletten oder zum Spritzen. Bei verschiedenen Erkrankungen kann es eingesetzt werden: Bei Entzündungen der Haut, der Gelenke oder der Augen, bei schweren Allergien, bei Krankheiten des Immunsystems (Autoimmunerkrankungen), bei Krebs oder im seltenen Fall, dass der Körper selber zu wenig davon bildet (Unterfunktion der Nebennierenrinde). Unerwünschte Arzneimittelwirkungen treten eher bei hohen Dosen auf oder wenn das Medikament über längere Zeit gegeben wird. Dazu gehören Gewichtszunahme, Zunahme der Trinkmenge und des Harnabsatzes, Hecheln, Haarausfall, Muskelabbau, Begünstigung von Infektionen und Auslösen eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Solche Erscheinungen können minimiert werden, wenn die Anwendung äusserlich erfolgt oder das Präparat am Morgen, allenfalls nur jeden zweiten Tag verabreicht wird. Übrigens: Setzen Sie Kortison keinesfalls unvermittelt ab, ohne Ihren Tierarzt zu konsultieren. Der Körper muss sich nämlich allmählich wieder daran gewöhnen können, die lebensnotwendige Menge Kortison selber herzustellen.

Vielen bekannt ist auch die Verursachung von Magengeschwüren durch Acetylsalicylsäure. Dieser Wirkstoff gehört zu einer Gruppe von Schmerzmitteln, die unter dem Begriff Nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR) zusammengefasst werden, um sie von den Kortisonen abzugrenzen. Dazu gehören zum Beispiel auch die Wirkstoffe Diclofenac Mefenaminsäure, Ibuprofen, Carprofen, Meloxicam und andere mehr. Medikamente mit diesen Wirkstoffen teilen die Eigenschaft, dass sie den Aufbau des Säureschutzmantels des Magens stören können. Dabei haben manche Präparate eine diesbezüglich hundertfach stärkere Wirkung als andere, und das ist beim Hund (und speziell bei der Katze) nicht gleich wie beim Menschen, denn Hunde reagieren auf diese Substanzen oft empfindlicher als Menschen. Daher sollten dem Hund Präparate verabreicht werden, von denen man weiss, dass die Gefahr der Bildung von Magengeschwüren beim Hund minimal ist. Da Kortison diese unerwünschte Arzneimittelwirkung verstärkt, wird eine Kombination nur in ganz seltenen Fällen nach sorgfältiger Abwägung aller Vor- und Nachteile verordnet. Für den Menschen entwickelte Schmerzmittel werden nur in Ausnahmefällen eingesetzt.

Bei bakteriellen Infektionen werden oft die sehr gut verträglichen Antibiotika der Penizillinreihe, so genannte Betalaktame, eingesetzt. Manchmal kommt es zu Durchfall, da Antibiotika leider neben den krank machenden Infektionskeimen auch eine Reihe nützlicher Bakterien in der Darmflora zerstören. Das ist zwar unangenehm für Hund und Besitzer, aber harmlos und pendelt sich nach Absetzen des Medikaments wieder ein. Seltener kann ein Tier allergisch auf Penizilline reagieren, was jedoch meist erst nach wiederholtem Kontakt mit diesem Medikament auftritt. Am häufigsten treten Nesselfieber (an verschiedenen Stellen richten sich die Haare borstenartig auf, begleitet von Juckreiz) oder ein Anschwellen des Gesichts („Nilpferdkopf“) auf. Auch Asthma oder Erbrechen sind möglich, in ganz seltenen Fällen kommt es zu Geschwüren der Haut oder gar zu einem lebensgefährlichen Schock.

Manchmal ist das Auftreten unerwünschter Arzneimittelwirkungen gar von Rasse zu Rasse verschieden. So ist beispielsweise bei der Wahl und Dosierung von Narkosemitteln bei Greyhounds spezielle Vorsicht geboten. Als weiteres Beispiel sei hier die Problematik von Ivermectin-Präparaten erwähnt. Während es bei vielen Rassen zur Behandlung von parasitären Erkrankungen ohne Komplikationen angewendet werden kann, dringt dieser Wirkstoff aufgrund eines Gendefekts, der bei Collies, Australian Shepherds, Old English Sheepdogs u. a. auftritt, bis ins Gehirn und kann schwere neurologische Symptome wie Zittern, Gangstörungen, Erbrechen bis zu Koma und Tod auslösen. Neuerdings steht ein Test zur Verfügung, um diese Unverträglichkeit festzustellen oder auszuschliessen (siehe SHM 1/05: „Der MDR1-Defekt: ein Gendefekt mit weit reichenden Folgen“).

Bei Hunden mit bösartigen Tumoren können neben Operation und Bestrahlung verschiedene Medikamente zur Chemotherapie eingesetzt werden. Wichtig ist, vorher genau abzuklären, welche Art von Tumor vorliegt und wie fortgeschritten die Erkrankung schon ist. Nur so lässt sich abschätzen, ob der Hund von einer solchen Therapie überhaupt profitieren kann. Es handelt sich oft um eine Kombination verschiedener Medikamente, welche über Wochen oder Monate in bestimmten Abständen verabreicht werden, mit dem Ziel, einerseits das Leben des Hundes zu verlängern, andererseits das Wohlbefinden des Hundes zu verbessern. Deshalb werden Medikamente in Dosierungen eingesetzt, bei welchen wenige unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu erwarten sind. Viele dieser Medikamente hemmen die Blut bildenden Zellen im Knochenmark, so dass regelmässig diverse Blutwerte kontrolliert werden müssen. Ein ausführliches Gespräch mit Ihrem Tierarzt ist ausserordentlich wichtig. Sind die Erwartungen an die Therapie realistisch? Mit welchen unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist zu rechnen? Wie hoch sind die Kosten?

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 1/2006
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autoren:
Dr. med. vet. Rebecca Wachter-Stäheli
Dr. med. vet. Kaspar Rohner-Cotti, FVH Pharmakologie und Kleintiere, Seeblerstrasse 5, CH-8172 Niederglatt