Home

Allgemeines

Auswahlseite Hunde

Neospora caninum

Einleitung

Lebenszyklus

Die Krankheit

Diagnose

Therapie

Verantwortung Züchter

Was ist beim Kauf eines Hundes zu beachten

Der Hund und das Rindvieh

Auswahlseite Katzen

Kontakt

Suche

Neospora caninum - ein Schreckgespenst?

vorherige Seite

Der Hund und das Rindvieh

Im Rahmen dieses Artikels wurde viel über die Erkrankung des Hundes und über züchterische Massnahmen diskutiert. Viele Hundehalter sehen sich jedoch mit einer ganz anderen Problematik konfrontiert: Die Landwirte werfen ihnen vor, die Hunde seien schuld daran, dass ihre Kühe erkranken und ihre ungeborenen Kälber verlieren. Was ist davon zu halten? Es ist tatsächlich so, dass der Hund als Ausscheider von N. caninum in Frage kommt, und dass sich Kühe beim Verzehr von Hundekot-verschmutztem Futter mit diesem Erreger anstecken können. Nicht auszuschliessen ist, dass dadurch Aborte ausgelöst werden, was für den Bauern nicht nur zum Verlust des Kalbes, sondern in vielen Fällen auch der Mutterkuh führt. Da ist es verständlich, dass ein Schuldiger gefunden werden muss.
Es ist auch völlig klar, dass Hundekot nicht auf die Weide gehört. Der Kotbeutel an der Hundeleine sollte daher so selbstverständlich sein wie gutes Schuhwerk für eine Wanderung. Dennoch kann die Schuldzuweisung an die Hundehalter nicht unkommentiert bleiben. Studien in der Schweiz und Deutschland haben gezeigt, dass die Ausscheidungsrate von N. caninum-Oozysten mit dem Hundekot deutlich unter 1 ‰ (also weniger als eine positive Probe auf 1000 Untersuchungen) liegen dürfte. Blickt man über den europäischen Raum hinaus, stellt man fest, dass es bisher weltweit nur in vereinzelten Fällen gelungen ist, bei Hunden eine natürliche Ausscheidung nachzuweisen. Das mag auch damit zusammenhängen, dass sich die Oozysten nur in geringen Mengen im Kot finden und nur während kurzer Zeit ausgeschieden werden. Eine andere Studie hat im Gegenzug festgestellt, dass es eine sehr hohe Zahl infektiöser Stadien im Hundekot braucht, damit sich Kühe über das Futter überhaupt anstecken können und es zum Abort kommt. Das wird auch bestätigt durch die Tatsache, dass in der Schweiz nur in äusserst seltenen Fällen die N. caninum-bedingten Rinderaborte auf eine Ansteckung über das Futter zurückgeführt werden können. Weitaus häufiger erfolgt die Ansteckung während der Trächtigkeit von der Mutter auf das Kalb, das dann seinerseits den Parasiten weitergeben kann, wenn es später als Zuchttier eingesetzt wird.
Ein letzter Punkt soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hund sich mit N. caninum ansteckt und später Oozysten mit dem Kot ausscheidet, hängt stark davon ab, ob er Zugang zu infektiösem Material hat. In erster Linie handelt es sich dabei um Abortmaterial oder Nachgeburten, die häufig von Bauern auf dem Miststock entsorgt werden. Ebenfalls denkbar ist eine Ansteckung mit rohem Rindfleisch. In mehreren Studien konnte klar gezeigt werden, dass Hunde in ländlichen Regionen häufiger serologisch positiv sind, als solche in städtischen Gebieten. Das höchste Ansteckungsrisiko für Kühe dürfte entsprechend vom eigenen Hofhund oder von herumstreunenden Hunden ausgehen, während Hunde, die ausschliesslich mit Fertigfutter oder gekochtem Fleisch ernährt werden, kaum eine Ansteckungsquelle für das Rind darstellen. Somit muss die generelle Anschuldigung, dass alle Hunde und damit die Hundehalter für Rinderaborte verantwortlich seien doch ein wenig relativiert werden.

Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. Heinz Sager FVH / Ph.D.
Institut für Parasitologie
Universität Bern
Postfach
CH-3001 Bern
Tel: +41 31 631 24 75
Fax: +41 31 631 26 22