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Ohrenentzündungen bei Hunden Synonym: Otitis externa

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Einige ausgewählte Beispiele von Ohrerkrankungen

Allergische Otitis

Die allergische Otitis ist mit Sicherheit die häufigste primäre Ursache für Ohrentzündungen beim Hund. Es handelt sich um eine akute bis chronische beidseitige Ohrentzündung, die mit Rötung der Pinna und Juckreiz einhergeht. Sie wird entweder durch Futtermittelallergie oder durch atopische Dermatitis verursacht. Nebst den Ohren sind bei Futtermittelallergikern in über 80 % der Fälle noch andere Hautstellen entzündlich verändert, bei Atopikern gar in über 95 % der Fälle. Typischerweise sind dies die Zwischenzehenhäute der Pfoten, die Achselhöhlen, die Innenschenkel und das Gesicht. Wenn die allergische Ohrentzündung nicht kontrolliert wird, kommt es zur übermässigen Vermehrung von Keimen der körpereigenen Flora wie z. B. Hefen (Malassezien) und/oder gewissen Bakterien, da durch die Entzündung vermehrt Wärme und Feuchtigkeit im Ohrkanal produziert wird. Diese Veränderung der Umgebungsbedingungen ist ideal für die Überwucherung mit Malassezien oder Bakterien. Falls die Otitis nicht oder nur unzulänglich behandelt wird, kommt es zur chronischen Entzündung mit Vermehrung und Vergrösserung der Ceruminaldrüsen, zur Kanalstenose (Verengung) und zur Überwucherung mit aggressiveren Keimen. In der Regel werden bei akuten Otitiden zuerst Malassezien gefunden, später dann Kokken und im Endstadium auch sehr aggressive bakterielle Erreger wie z. B. der gefürchtete Pseudomonas aeruginosa, welcher sehr schnell gegen die meisten Antibiotika resistent wird.

Erste Abklärungen enthalten die Diagnose und Behebung der perpetuierenden Faktoren, also der Infektion. Mittels Ohrreiniger und Ohrentropfen können Bakterien und Hefen relativ einfach eliminiert werden. Die Behandlung muss jedoch mindestens über zwei bis drei Wochen hinweg erfolgen. Das Ende der Behandlung sollte bei jeder Ohrbehandlung durch den Tierarzt mittels otoskopischer und eventuell auch zytologischer Untersuchung bestimmt werden ansonsten kommt es innerhalb von Tagen zum Rückfall.
Ob eine allergische Otitis bedingt ist durch eine Futtermittelallergie oder eine atopische Dermatitis, kann klinisch nicht unterschieden werden. Eine mehrere Wochen dauernde sogenannte Eliminationsdiät mittels neuer Eiweiss- und Kohlehydratquellen wird verschrieben, um Futtermittelallergie, als Ursache zu diagnostizieren. Dabei darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass unbedingt gleichzeitig auch die perpetuierenden Faktoren gründlich behandelt werden. Kommt es nach Abheilen der Otitis unter strikter Diät zu einem Rezidiv, handelt es sich nicht um Futtermittelallergie sondern um atopische Dermatitis. Die verursachenden Allergene (z. B. Hausstaubmilben, Vorratsmilben, Pollen, Federn, Schuppen, Haare etc.) können mittels eines Allergietests (vorzugsweise Intrakutantest, eventuell kombiniert mit einem Blut-Allergietest) eruiert werden. Die Behandlung der atopischen Dermatitis besteht einerseits in der symptomatischen Kontrolle von Juckreiz und Hautrötungen bzw. Otitis mittels geeigneter systemischer oder lokaler Medikamente (Kortisonpräparate, Cyclosporin, Antihistaminika etc.) oder der spezifischen Immunotherapie (Desensibilisierung), einer regelmässigen Spritzenimpfung, welche mit den im Allergietest eruierten Allergenen als lebenslange Therapie erfolgen muss.
Nur durch die Kontrolle der zu Grunde liegenden Allergie kann ein Wiederaufflammen der Otitis langfristig verhindert werden.

Fremdkörper

Fremdkörper sind häufig bei jungen aktiven Hunden aufzufinden, die gerne im Gras herumtollen. Die Erkrankung, welche typischerweise nur ein Ohr betrifft, beginnt sehr akut mit heftigem Kopfschütteln, Kopfschiefhaltung nach der betroffenen Seite und Schmerzhaftigkeit. Die häufigsten Fremdkörper sind Grasgrannen (Samen von Gräsern), die sich mit ihren nadelähnlichen Fortsätzen in das Trommelfell oder die Gehörkanalwand einhaken. Seltener findet man Haare, Dreck, Sand, Zecken oder Grashalme im Ohrkanal.
Bei frischen Fällen können die Grasgrannen meist einfach entfernt werden, bei chronischen Fällen ist es oft nötig, zuerst die Sekundärinfektion zu behandeln, den Gehörkanal mit abschwellenden Medikamenten zu versorgen und anschliessend in einer Narkose den Fremdkörper mittels Videootoskop zu entfernen. Eine nachfolgende Behandlung ist meist nicht mehr nötig.
Fremdkörper im weitesten Sinn sind auch Polypen, gutartige epitheliale (von der Haut ausgehende) Wucherungen, die aus dem Mittelohr durch das Trommelfell in den äusseren Gehörkanal oder in die Eustachische Röhre Richtung Nasenrachenraum eindringen. Polypen sind bei Hunden relativ selten, häufiger werden sie bei Katzen beobachtet. Typischerweise handelt es sich um eine einseitige Ohrentzündung, welche ebenfalls mit Sekundärinfektionen verkompliziert ist. Die Entfernung der Polypen erfolgt entweder mittels Extraktion (Herausziehen) über den äusseren Gehörkanal oder mittels einer Bullaosteotomie (d. h. chirurgische Entfernung durch Eröffnen der Bulla und anschliessendem Herausschälen des Polypen). Vor allem kleine Polypen lassen sich zumeist mit einer Extraktion entfernen, grössere sollten besser chirurgisch angegangen werden, da es nicht selten zu starken Blutungen aus dem Mittelohr kommt.

Ohrmilben – Otodectes

Die Infektion mit Ohrmilben (Otodectes cynotis) als Primärursache für eine Otitis ist eine Jungtiererkrankung. Bei Hunden ist sie mit ca. 10 % eher selten. Viel häufiger parasitieren diese Milben in Katzenohren, wo sie bei bis zu 50 % der Otitis-Fälle die Primärursache sind. Es handelt sich um eine stark juckende, sehr ansteckende Erkrankung. Sehr typisch ist bei Katzen das in grossen Mengen produzierte schwarz krümelige, kaffeesatzähnliche Exsudat. Die von blossem Auge knapp sichtbaren Parasiten leben im äusseren Ohrkanal. Nicht selten kommt es bei chronischer Infektion zu einer allergischen Reaktion auf den Parasiten, was den Juckreiz massiv verstärkt. Bei starkem Befall können diese Milben mittels Handotoskop als kleine weisse, sich bewegende Punkte einfach diagnostiziert werden. Bei chronischen Fällen ist dies schwieriger, einerseits wegen den perpetuierenden Faktoren wie Drüsenhyperplasie, Kanalstenose und Sekundärinfektionen, andererseits weil es nur noch wenige Milben braucht, um die Entzündung aufrechtzuerhalten. Mittels parasitologischer Untersuchung von Ohrschmalz kann die Milbe oder deren Eier unter dem Mikroskop identifiziert werden. Ansonsten ist bei Verdacht auch die Versuchstherapie mit Milben abtötenden Mitteln eine gängige Behandlung.

Sarkoptesräude

Die Sarkoptesräude ist eine parasitäre Erkrankung der Haut des Hundes. Der Parasit (Sarcoptes scabiei), eine mikroskopisch kleine Milbe, wird über direkten Kontakt (andere Hunde, Füchse) oder über kontaminierte Gegenstände (Bürsten) übertragen. Die weibliche Milbe gräbt Tunnels in die oberste Hautschicht, an deren Ende sie Eier ablegt. Wenn die jungen Milben schlüpfen, wandern sie an die Hautoberfläche. Dort kommt es zur Paarung zwischen weiblichen und männlichen Milben. Die Milben leben von Hautschüppchen und Zellflüssigkeit. Die Sarkoptesräude ist eine sehr ansteckende Zoonose, das heisst, eine Übertragung auf den Menschen ist möglich und nicht selten. Beim Hund äussert sich die Erkrankung durch akuten extrem starken Juckreiz, der v. a. an Ohren, Kopf, Beinen und Bauch lokalisiert ist. Beim Menschen sind v. a. Oberarme und Oberkörper betroffen. Nebst dem Juckreiz werden rote „Bibeli“ (Papeln) beobachtet.
Befallene Hunde zeigen nebst dem ausgeprägten Juckreiz ebenfalls Papeln und bei chronischem Befall eine starke Hautrötung, massiven Haarausfall sowie gelbliche bis borkenartige Krusten. Die Diagnose ist nicht immer einfach, da es zur allergischen Reaktion auf die Sarkoptesmilbe kommt, wodurch nur noch sehr wenige Milben nötig sind, um die Krankheit zu unterhalten. Nebst dem direkten Milbennachweis mittels Hautgeschabsel, welches vorzugsweise vom Ohrrand, der Ellenbogenaussenseite oder der Ferse entnommen wird – dort können die Milben vom Hund nicht gut weggekratzt werden und die Chance, sie im Geschabsel zu finden, ist bedeutend höher –, können im Blut Antikörper gegen die Milben nachgewiesen werden. Die Antikörperproduktion ist aber erst ca. 4 Wochen nach Infektion zuverlässig nachweisbar und wird in Gegenwart von Kortikosteroiden unterdrückt. Oft werden Sarkoptespatienten fälschlicherweise als Allergiker eingestuft und entsprechend falsch behandelt. Bei gestellter Diagnose ist die Therapie einfach und schnell wirksam. Auf dem Markt sind diverse Mittel erhältich, die effizient diese Milben abtöten. Da die Diagnose nicht immer einfach ist, wird oft eine Versuchstherapie gegen diese Milben vorgeschlagen.

Sebadenitis

Die Sebadenitis ist eine immunvermittelte Entzündung, bei der die Talgdrüsen von Haut und Ohren angegriffen und zerstört werden. Einige Rassen sind besonders häufig betroffen und teilweise konnte eine Erbkrankheit nachgewiesen werden (Königspudel, Akita Inu, Magyar Viszla, Hovawarth). Es handelt sich um eine schleichende Erkrankung, die erst im Erwachsenenalter klinisch sichtbar wird. Meistens erkrankt zuerst die Haut des Nasenstopps, die Mittellinie des vorderen Rückens sowie die Ohrmuscheln. Es kommt zur vermehrten Schuppenproduktion und zum Haarausfall. Die Schuppen sind entlang der Haare ausgerichtet (sogenannte Haarfollikelausgüsse), da sie aus den Haarbälgen stammen, wo es zur Verhornungsstörung kommt. Durch die Zerstörung der Talgdrüsen werden Haut und Haare nicht mehr mit Talg versorgt. Die Haut wird trocken (seborrhoeisch) und die Haare fallen aus. Die Diagnose wird über die Entnahme und Untersuchung von Gewebestücken gestellt. Die Therapie basiert einerseits auf der lokalen Behandlung mittels rückfettender und befeuchtender Shampoos, Ölwickel und Sprays sowie der Kontrolle der immunvermittelten Entzündung mittels Cyclosporin. Die Krankheit kann in den meisten Fällen gut kontrolliert, aber nicht geheilt werden. Mit betroffenen Hunden sollte nicht gezüchtet werden.

Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 8/2008
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autorin:
vetderm.ch
Claudia S. Nett-Mettler
Dr. med. vet., Diplomate ACVD (Dermatology)
c/o Tierärztliche Spezialistenklinik TSK
Rothusstrasse 2
CH-6331 Hünenberg
www.vetderm.ch