Home

Allgemeines

Auswahlseite Hunde

Kleine Parasiten, grosse Wirkung

Einleitung

Neospora caninum

Sarkosporidien

Giardien

Hundekot - ein Problem?

Auswahlseite Katzen

Kontakt

Suche

Neospora caninum: Der "neue" Parasit

vorherige Seite

Ende der achtziger Jahre wurde in den Vereinigten Staaten im Gehirn eines Hundes ein neuer Parasit beschrieben, welcher sinngemäss Neospora caninum genannt wurde. Nur wenige Jahre später wurde derselbe Parasit auch beim Rind nachgewiesen, und sehr schnell wurde ein Zusammenhang zwischen Fehlgeburten beim Rind und der Anwesenheit dieses Parasiten erkannt. Vieles blieb jedoch unklar, u.a. auch der Lebenszyklus von Neospora. Erst im Jahr 1998 konnte erstmals bei Hunden dieser Parasit im Darm nachgewiesen werden. Es handelte sich dabei um Hunde, welchen bewusst Neospora-haltiges Gewebe verfüttert wurde. Somit war nun ein Wirt vorhanden, welcher für die Verbreitung dieses Parasiten verantwortlich sein könnte. Das war natürlich für die Bauern ein wichtiges Argument im Kampf gegen Hundekot auf Weideflächen.

Bild abortierter Foet eines Rindes Abbildung 1:
Neospora caninum kann bei Kühen zum Verlust der Kälber führen. Der abgebildete Foet war nur ca. 2 Monate alt als er aus dem Mutterleib abgestossen wurde. Wie wichtig der Hund in der Schweiz für die Verbreitung dieses Parasiten ist, wird immer noch untersucht.

 

Der Lebenszyklus

Bei Neospora handelt es sich um einen einzelligen Parasiten, d.h. er besteht , wie ein Bakterium, nur aus einer einzelnen Zelle, ist aber wesentlich komplizierter aufgebaut und meist ein bisschen grösser als letztere. Für seine Entwicklung und Verbreitung benötigt er zwei Wirte, nämlich den End- und den Zwischenwirt. Im Endwirt findet die Vermehrung des Parasiten im Darm statt und mit dem Kot werden Dauerstadien ausgeschieden, welche darauf warten, von einem Zwischenwirt gefressen zu werden. Im Zwischenwirt wiederum findet eine Einlagerung des Parasiten ins Gewebe statt. Dabei handelt es sich häufig um Muskulatur (auch Herzmuskel), Gehirn oder andere Organe. Wird nun solches befallenes Gewebe von einem Endwirt verspeist, so entwickelt sich in dessen Darm wiederum die Vermehrungsform und der Kreis schliesst sich. Zumindest theoretisch. Es hat sich gezeigt, dass bei Neospora alles ein bisschen komplizierter ist. So kann beim Hund, welcher ja als Endwirt die Darmform beherbergen sollte, ebenfalls die Gewebeform auftreten. Der Hund kann also auch Zwischenwirt sein! Andererseits ist es nicht so, dass sich die Zwischenwirte, d.h. im vorliegenden Fall hauptsächlich die Kühe, nur durch die Aufnahme von mit Kot verschmutztem Futter anstecken. In vielen Fällen wird ein Rind, welches den Parasiten bereits in sich trägt, diesen während der Trächtigkeit auf das Kalb übertragen. Man nennt dies auch "vertikalen Übertragungsweg", und nach dem heutigen Erkenntnisstand ist dieser Weg weit wichtiger und häufiger als die Ansteckung über das Futter. Da der Hund ebenfalls als Zwischenwirt in Frage kommt, kann bei ihm dieser Übertragungsweg auch auftreten. Es gibt also sowohl Kälber wie Welpen, die bereits bei ihrer Geburt Neospora in der Muskulatur, im Gehirn oder anderen Organen beherbergen.

 

Macht Neospora krank?

Es klingt recht dramatisch, wenn sich Parasiten in Muskulatur oder sogar ins Gehirn einnisten, in vielen Fällen bleiben die Schäden aber gering, so dass das Tier und der Tierbesitzer überhaupt nichts davon merken. Problematisch wird es, wenn es zu einer starken Parasitenvermehrung und zu Entzündungsreaktionen im Gehirn kommt. In solchen Situationen treten Ausfallerscheinungen auf. Die Tiere können nicht mehr Aufstehen (meist sind nur die Hinterbeine betroffen) oder sie stolpern häufig und Zittern, weil ganz einfach die Kraft in den Extremitäten fehlt. In schwerwiegenden Fällen treten auch Fieber und Atembeschwerden auf und es kann sogar zum Tod der erkrankten Tiere kommen.
Ausfallerscheinungen des Gehirns treten selten auf. In der Regel sind Jungtiere, also Welpen davon betroffen und meist handelt es sich nur um ein einzelnes Tier aus einem Wurf. Das Problem ist die sichere Diagnose.

 

Die Diagnose und ihre Folgen

Gerade wegen der geringen Anzahl Fälle denken die Tierärzte zuerst meist nicht an Neospora, und oftmals sind mehrere Untersuchungen an Welpe und Mutter nötig, bis die tatsächliche Ursache gefunden werden kann. Wird die Diagnose Neosporose (also die Erkrankung an Neospora) gestellt, so sollte mit der betreffenden Hündin nicht mehr weitergezüchtet werden, auch wenn sie gesund erscheint, denn sie kann den Parasiten bei jeder Trächtigkeit erneut auf die Jungtiere übertragen.
Eine Therapie von erkrankten (Jung-) Tieren ist recht schwierig und, wenn die Symptome schon stark fortgeschritten sind, meist aussichtslos. In diesen schwerwiegenden Fällen müssen die Hunde in der Regel eingeschläfert werden.
In der Schweiz wurden bisher keine umfassenden Untersuchungen zur Verbreitung von Neospora bei Hunden gemacht. Es dürften jedoch grössenordnungsmässig einer von zehn Hunden mit dem Parasiten in Kontakt gekommen sein, denn es lassen sich regelmässig Abwehrkörper gegen Neospora nachweisen. Diese Hunde sind jedoch meistens gesund und stellen höchstens ein Problem dar, wenn sie zur Zucht verwendet werden. Wie häufig Hunde den Parasiten mit dem Kot ausscheiden liegt völlig im Dunkeln. Bisher wurde Neospora weltweit erst bei einem einzigen Hund im Kot nachgewiesen.
Damit es zur Darmform von Neospora kommt, muss ein Hund parasitenbefallenes Gewebe (Muskulatur oder Organe, aber auch Nachgeburten von Kühen) fressen. Wer seinem Hund ausschliesslich Büchsenfutter oder gekochte Mahlzeiten serviert, kann eine Ansteckung praktisch ausschliessen. Hunde, welche viel draussen sind und nicht immer unter Kontrolle ihres Besitzers stehen, unterstehen sicher einem grösseren Risiko sich mit Neospora anzustecken.

nächste Seite

Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 7/2001
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. Heinz Sager
Institut für Parasitologie
Universität Bern