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Die häufigste Ursache für Rückenschmerzen beim Hund sind Diskushernien

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Dies gilt besonders für die sogenannten "hypochondroplastischen" Rassen wie Dackel (die volkstümliche Bezeichnung "Dackellähme" weist bereits auf das häufige Vorkommen dieser Erkrankung bei der Rasse hin), Pekingese, Cocker Spaniel und generell viele Zwerg- und Kleinhunderassen. Die Veranlagung für Diskushernien bei diesen Rassen ist ein unerwünschter Nebeneffekt ihres Kleinwuchses: die Bandscheiben altern viel rascher als dies beim normalwüchsigen Hund der Fall ist. Bereits im Alter von einem Jahr können Degenerationserscheinungen im Röntgenbild ersichtlich sein. Die Degeneration der Bandscheibe hat in erster Linie Auswirkungen auf ihre Funktion als elastischer Stossdämpfer zwischen zwei Wirbelkörpern: Die veränderten Zwischenwirbelscheiben können der Bewegung der Wirbelsäule nicht mehr standhalten und es kommt zu Rissen im Bandscheibenring, zu Vorwölbungen und Vorfällen des Bandscheibenkerns. Diese Vorwölbungen und Vorfälle sind isoliert betrachtet bereits eine mögliche Ursache für Rückenschmerzen. Das Problem wird zusätzlich noch kompliziert durch die enge anatomische Nachbarschaft der Bandscheiben mit Rückenmark und Spinalnerven. Werden auch diese Gewebe durch den Vorfall komprimiert - dies ist in 80% der Fälle zu erwarten - resultiert auch daraus zu Beginn Rückenschmerz und im weiteren Verlauf kann es zu neurologischen Ausfällen bis zu vollständigen Lähmungen kommen.
Im Gegensatz zu der Situation beim Menschen, hat die chirurgische Behandlung beim Hund meist auch langfristig eine gute Prognose. In der Humanmedizin wird eine operative Entfernung der Diskushernie oft nur zurückhaltend vorgenommen, weil mit konservativen Mitteln wie speziellem Rückentraining auf lange Sicht ähnliche Resultate erzielt werden. In der veterinärmedizinischen Literatur werden Erfolgsraten von 80 bis 90% nach chirurgischer Intervention erwähnt. Voraussetzungen für eine Heilung sind eine rasche und exakte Diagnose, ein sauber durchgeführter operativer Eingriff und richtige postoperative Behandlung des Patienten. Die Indikation für einen operativen Eingriff ist grundsätzlich dann gegeben, wenn bei der neurologischen Untersuchung Ausfälle der Nerven- und Rückenmarksfunktion festgestellt werden. Zwar weiss man, dass sich Hunde mit schweren Lähmungen auch ohne Operation wieder erholen können - allerdings gibt es keine Möglichkeit dies im Einzelfall vorauszusehen. Ein abwartendes Verhalten kann zudem im Zeitverlauf zu irreversiblen Schäden am Nervengewebe führen, so dass auch eine Operation nicht mehr zu einer Erholung führt. Der Verlust der Motorik und der Schmerzempfindung an den Gliedmassen sind in jedem Fall als fortschreitende Rückenmarksschädigung zu interpretieren, die unverzügliches Eingreifen erfordern. Ist die Schmerzempfindung an den gelähmten Gliedmassen länger als 48 Stunden erloschen, besteht nur noch eine geringe Aussicht auf eine Heilung des gelähmten Tieres.
Anhand einer neurologischen Untersuchung wird zuerst das Niveau des Problems bestimmt.
Die genaue Diagnose gelingt heute mit den zur Verfügung stehenden bildgebenden Verfahren wie röntgenologischen Kontrastmittelstudien, Computer- und Kernspintomographie-Techniken recht einfach. Beim Tier ist für diese Untersuchungen eine Allgemeinnarkose nötig.

Kontrastmittelröntgen (Myelographie) der Brust- und Lendenwirbelsäule Abbildung 2:
Kontrastmittelröntgen (Myelographie) der Brust- und Lendenwirbelsäule. Das Kontrastmittel - erkennbar als zwei parallele, dunkle Linien im Wirbelkanal - umfliesst dabei das Rückenmark zwischen zwei seiner Hüllen.
Zwischen dem zweiten und dritten Lendenwirbel sind im Wirbelkanal eine dunkle Verschattung (Pfeil) und unterbrochene Kontrastmittellinien sichtbar. Diese Befunde sind vereinbar mit einer Diskushernie und Rückenmarkskompression.

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Bild Längsschnitt durch die Wirbelsäule eines Dackels mit einer Diskushernie Abbildung 3:
Längsschnitt durch die Wirbelsäule eines Dackels mit einer Diskushernie. Eindrücklich ist hier die Kompression des Rückemarks (weiss) durch den Vorfall dargestellt.

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Kernspintomographische Aufnahme (MRI) auf Höhe des 6. Lendenwirbels Abbildung 4:
Kernspintomographische Aufnahme (MRI) auf Höhe des 6. Lendenwirbels eines Deutschen Schäferhundes. Die Diskushernie (Stern) ist als dunkle Masse rechts neben dem weiss erscheinenden Nervengewebe dargestellt.

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Der operative Eingriff selber besteht vereinfachend gesagt aus zwei Schritten. Zum einen muss die Wirbelsäule exakt an der mit bildgebenden Methoden lokalisierten Läsionsstelle eröffnet werden. Zum anderen muss die Diskushernie via diesen geschaffenen Zugang zum Wirbelkanal entfernt werden, was zu einer Entlastung des komprimierten Nervengewebes führt. Die Wirbelsäule erleidet bei den heute möglichen Zugangstechniken nur eine geringfügige Destabilisierung, so dass für die spätere Beweglichkeit kaum Einschränkungen zu befürchten sind.

Je nach Schweregrad und Dauer der Lähmung (d.h. Verletzungsgrad des Rückenmarks) erholen sich die operierten Patienten mehr oder weniger rasch - oft können gehfähige Hunde schon nach kurzer Zeit nach Hause entlassen werden. Sind die Patienten hingegen gelähmt und ist eine längere Erholungszeit zu erwarten, wenden wir regelmässig ein "Rehabilitationsprogramm" an, das aus physiotherapeutischen Übungen, Schwimmtraining und Massage besteht. Gelähmte Patienten erholen sich mit Hilfe dieser Massnahmen rascher und das Wohlbefinden der Tiere wird dadurch ebenfalls gefördert. Meist beziehen wir so früh wie möglich motivierte Tierbesitzer in die Rehabilitation ein. Die Hundebesitzer lösen diese ""Hausaufgabe"" meistens mit grossem Engagement und leisten damit einen aktiven Beitrag zur Heilung.

Kontrastmittelröntgen (Myelographie) der Brust- und Lendenwirbelsäule. Das Kontrastmittel - erkennbar als zwei parallele, dunkle Linien im Wirbelkanal - umfliesst dabei das Rückenmark zwischen zwei seiner Hüllen. Zwischen dem zweiten und dritten Lendenwirbel sind im Wirbelkanal eine dunkle Verschattung (Pfeil) und unterbrochene Kontrastmittellinien sichtbar. Diese Befunde sind vereinbar mit einer Diskushernie und Rückenmarkskompression.

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 8/2001
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr.med.vet. Frank Steffen
Diplomate ECVN
Veterinärchirurgische Klink der Universität Zürich
Tierklinik Obergrund, Luzern