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Osteochondrose (OCD) in der Schulter

Die häufigste Ursache für eine Schultergelenkserkrankung beim jungen Hund ist die OCD.
Obwohl in der Literatur schnellwachsende, grosse Hunde über 20 Kilogramm beschrieben sind, sehen wir auch mittelgrosse Hunde wie der Border Collie. Die Border Collies passen nicht in das typische Bild der Hunde mit OCD, da sie weder gross, schwer, noch schnellwachsend sind. Hier scheint das Problem vielmehr mit der Aktivität der Hunde zusammenzuhängen.
Erste Anzeichen zeigen die betroffenen Hunde bereits mit 5 bis 11 Monaten. Häufiger sind männliche Tiere betroffen und bei einem Fünftel der Hunde kommt es beidseitig vor.

Unter Osteochondrose beim Hund versteht man eine Störung der Verknöcherung gerade unter dem Gelenksknorpel im Sinne einer Entwicklungsstörung. Meistens bilden sich dann Knorpelschuppen, die sich mit der Zeit loslösen können und dann als die sogenannten freien Gelenksmäuse im Gelenk herumwandern.

Im Schultergelenk kommt die Osteochondrosis dissecans (OCD) meistens am inneren, hinteren Anteil des Humeruskopfes vor, weil die Gelenksfläche dort am stärksten mechanisch beansprucht wird. Die OCD kann in einer oder in beiden Schultergelenken gleichzeitig auftreten. Die Lahmheit beginnt beim jungen Hund spontan oder nach einer Verletzung. Die betroffenen Hunde zeigen eine typische Stützbeinlahmheit mit verkürzter Vorführphase. Sobald die Hunde sitzen oder stehen bleiben, entlasten sie das betroffene Bein. Besteht das Problem über längere Zeit, kommt es zum Schwund der Schultermuskulatur und das Schulterblatt wird deutlich spürbar beim Abtasten und in fortgeschrittenen Fällen sogar sichtbar.
Sind beide Seiten betroffen, oder ist zusätzlich das Ellbogengelenk auch noch schmerzhaft, kann die klinische Diagnose schwierig sein. Häufig helfen Röntgenbilder in der Diagnosesicherung. Der Gelenkknorpel selbst ist röntgendurchlässig und somit auf dem Röntgenbild nicht sichtbar. Meistens sieht man aber, durch die gestörte Knochenentwicklung, eine Abflachung oder kraterförmige Vertiefung des Knochen am Humeruskopf, was eine OCD bestätigt. Die Knorpelschuppe kann zum Teil mineralisieren und wird somit im Röntgen sichtbar. Diese erscheinen dann als freie Gelenksmäuse im hintern Bereich der Schultergelenkes, oder manchmal sitzen diese Schuppen auch in der Sehnenscheide der Bizepssehne.
Anzeichen von beginnender Arthrose wird auch häufig radiologisch festgestellt.
Manchmal ist es nicht ganz klar und es braucht weitere diagnostische Schritte wie Kontraststudien oder, dass man direkt ins Gelenk schaut mit dem Arthroskop.
Wird eine OCD diagnostiziert, kann man versuchen, mittels Ruhigstellung der Schulteraktivität, eine Verbesserung der klinischen Symptome zu erreichen. Kommt es nach vier bis sechs Wochen zu keiner Verbesserung, wird ein chirurgischer Eingriff empfohlen. Das Ziel ist das Entfernen der Knorpelschuppe, und das Abtragen von losem Knorpel am Humeruskopfdefekt, damit Faserknorpel die Läsion auffüllt. Die chirurgische Intervention führt sehr rasch zu klinischer Besserung der Lahmheit und verhindert die Folgen der chronischen OCD, nämlich das Entstehen der Arthrose.
Der chirurgische Eingriff wird in der Regel arthroskopisch durchgeführt. Mittels der Schlüssellochchirurgie, kann das ganze Gelenk mit der Videokamera untersucht werden und die chirurgische Behandlung gleichzeitig durch einen kleinen Instrumentenkanal durchgeführt werden.
Die Prognose ist in der Regel günstig, ist aber abhängig von der Grösse der Läsion und der bereits bestehenden Arthrose.

Inkomplette Verknöcherung des kaudalen Glenoids

Eine weitere Wachstumsstörung im Schultergelenk ist das nicht Zusammenwachsen der hinteren Schultergelenkspfanne mit dem Rest des Schulterblattes. Diese Erkrankung wurde erst kürzlich beschrieben und ist sehr selten.
Auch diese Erkrankung kann arthroskopisch behandelt werden, indem der freie, instabile Anteil des Glenoids entfernt wird.

Bizepssehnenentzündung

Eine häufige Muskelerkrankung ist die Entzündung der Ursprungssehne des Bizepsmuskels.
Die Sehne hat ihren Ursprung am vorderen Anteil der Schultergelenkspfanne und zieht vorne durch das Schultergelenk über den Oberarmkopf Richtung Ellbogen.
Eine Entzündung der Sehnen geht somit sehr oft mit einer Schultergelenksentzündung einher.
Bei der klinisch-orthopädischen Untersuchung wird die Sehne abgetastet und gleichzeitig wird der Muskel angespannt, um einen Schmerz bei einer Sehnenentzündung zu provozieren.
Die Ursprungssehne kann durch Überbeanspruchung oder durch abgesprengte Knorpelmäuse einer Osteochondrose entzündet sein. Weiter kann die Muskelsehne am Ursprung teilweise oder komplett reissen.
Eine Bizepssehnenentzündung kann mittels Ultraschall oder Arthroskopie dargestellt werden. Besteht die Entzündung trotz Schonen und Entzündungshemmern wird eine Arthroskopie empfohlen, um die Sehne genau zu untersuchen und eine allfällige Therapie zu beginnen.

Mineralisation der Ansatzsehne des Supraspinatusmuskels

Häufig werden auf den Röntgenbildern der Schulter Mineralisationen im Bereich der Supraspinatusmuskulatur diagnostiziert. Meistens sind diese jedoch ohne klinische Bedeutung. Mitunter aber können diese so stark Anwachsen, dass sie die Gelenkskapsel oder die Bizepssehne reizen und ein chirurgisches Entfernen der Verkalkung nötig macht.

Verkürzung des Infraspinatusmuskels

Durch eine Überlastung dieses Muskels, kommt es zu einer Entzündung, Narbenbildung und Verkürzung der Ansatzsehne des Infraspinatusmuskels. Gleichzeitig reizt die vernarbte Ansatzsehne das Schultergelenkskapsel. Dieses Krankheitsbild wird häufig bei Jagdhunden gesehen. Die Hunde zeigen ein ganz typisches klinisches Bild indem sie das Vorderbein nach aussen drehen. Die Schulterbeweglichkeit ist stark eingeschränkt. Der Hund wird therapiert, indem der Muskelansatz chirurgisch durchtrennt wird. Nach dem Eingriff kann sich der Hund wieder normal bewegen.

Instabilität der Schulter

Die Schulter wird instabil, wenn die stabilisierenden Strukturen wegfallen. Die Gelenkskapsel kann reissen, die Seitenbänder können sich dehnen oder die Schultergürtelmuskulatur nimmt ab. Dies kann zu einer unvollständigen Verrenkung (Subluxationen) des Schultergelenkes führen. Im Extremfall führt dies sogar zu einer kompletten Verrenkung (Luxation) des Schultergelenkes.
Bei Miniaturrassen kann eine Schulterluxation angeboren sein. Durch eine starke Gewalteinwirkung können aber die stabilisierenden Strukturen wie die Kapsel, Seitenband oder umschliessenden Muskeln verletzt werden und dies kann zu Subluxationen der Schulter führen. Je nach Grösse des Hundes wird entschieden, ob ein chirurgische Eingriff nötig ist.

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 3/2008
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Daniel Damur, Dr. med. vet., FVH, Dipl. ECVS
Fachtierarzt für Kleintiere und Chirurgie
Tierklinik Masans
Masanserstrasse 143
CH-7000 Chur