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Schwerhörigkeit und Taubheit beim Hund

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Untersuchung des Hörvermögens

An erster Stelle aller „Hörtests“ steht selbstverständlich die simple Methode des „Händeklatschens“ oder „Rufens“: Man beobachtet die Reaktion des Tieres und schliesst so auf sein Hörvermögen. Im Falle von normal hörenden Tieren gelingt dies in der Regel problemlos. Schwieriger wird die Sache, wenn man sich unsicher ist, ob der Hund nun hört oder nicht. Wie vorgängig erwähnt, stehen taube Tiere über ihre noch funktionierenden Sinne mit der Umwelt in Kontakt und reagieren vielleicht auf andere Reize als auditorische (Reize über das Ohr), z. B. auf Bewegungen der rufenden Person oder Vibrationen des Untergrunds. Darauf gründet vermutlich die oft gehörte Schilderung von Besitzern, dass der Hund manchmal höre manchmal und nicht. In diesen Fällen besteht ein klares Bedürfnis nach einer objektiven Messmethode des Hörvermögens.

Mit der so genannten Hirnstamm-Audiometrie (brain-stem auditory evoked potentials, BAEP) kann das Gehör verlässlich und rasch auf seine Funktion geprüft werden. Audiometrien werden an den Tierspitälern Bern und Zürich, sowie an der Kleintierklinik Obergrund (Luzern) durchgeführt. Das Prinzip der Methode beruht auf einer Stimulation des Innenohrs mittels Klick-Tönen in variierbarer Lautstärke. Die so ausgelösten Nervenpotenziale in der Hörbahn laufen nun über bestimmte anatomische Stationen bis an ihren Zielort im Gehirn, wo das „bewusste“ Hören stattfindet. Über Hautelektroden können diese Potenziale auf der Oberfläche des Kopfes aufgezeichnet werden. Es resultiert ein typischer Kurvenverlauf, mit dem sich nachweisen lässt, ob der Hund hören kann oder nicht. Für den Test werden die Hunde oberflächlich sediert. Anschliessend werden feine Nadelelektroden unter die Haut an der Schädeloberfläche geschoben und mittels Kopfhörern oder Ohrenstöpseln werden zirka 500 Laute in der gewünschten Lautstärke „verabreicht“. Ein Computer filtert die entstehenden Potentiale, mittelt sie und zeigt zum Schluss die „Hör-Kurve“ oder das „Audiogramm“ auf. Der Test ist nach 2–3 Minuten abgeschlossen und die Tiere werden geweckt.
Hundewelpen können ab der 5. Lebenswoche problemlos untersucht werden und viele Züchter von gefährdeten Rassen lassen den ganzen Wurf vor dem Verkauf audiometrisch abklären. In der Regel werden bilaterale (beidseitig) taube Welpen anlässlich der audiometrischen Untersuchung von ihren Züchtern eingeschläfert, da sich kaum ein Abnehmer für Hunde mit einem solchen Handicap findet.
Fragliche Resultate (d. h. unvollständiges Hörvermögen) sind bei diesen audiometrischen Untersuchungen sehr selten. Wenn sie auftreten, kann die Untersuchung zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden. In einzelnen Fällen kann der Einsatz eines bildgebenden Verfahrens wie CT oder MRI sinnvoll sein, um eine konduktive Taubheitsursache, also eine Behinderung der Schallleitung wie z. B. einen Erguss ins Mittelohr oder eine Innenohrentzündung (Otitis interna) hinter dem Trommelfell auszuschliessen.

Oft wird die Frage gestellt, ob das „taube“ Tier denn noch Töne in bestimmten Höhenlagen wahrnehmen kann, analog der menschlichen Hochton- oder Tieftonschwerhörigkeit. Diese Frage lässt sich mit der Hirnstamm-Audiometrie nicht beantworten, da nicht alle Frequenzen getestet werden können. Grundsätzlich gilt, dass ein Hund mit angeborener, sensorineuraler Taubheit vollständig und durch alle Tonlagen hindurch nichts hört. Anders liegt die Sache bei erworbenen Taubheiten, insbesondere der Alterstaubheit, bei der tatsächlich noch Töne in unterschiedlichen Frequenzbereichen wahrgenommen werden können. Die Prüfung dieser verbliebenen Hörfähigkeit ist schwierig und wird nicht routinemässig durchgeführt, da sie auf einer Verhaltensbeobachtung der getesteten Hunde beruhen muss und dadurch mit Interpretationsproblemen verbunden ist.

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor
Dr. med. vet. Frank Steffen, Dipl. ECVN
Neurologie/Neurochirurgie, Departement für Kleintiere, Universität Zürich, Winterthurerstr. 260, CH-8057 Zürich
Tierklinik Obergrund, Schlossstr. 11, CH-6005 Luzern