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Nierenerkrankungen, Harnblasenentzündungen

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Nierenerkrankungen

Die Nierenerkrankungen gehören vor allem beim älteren Hund zu den wichtigsten Ursachen, die zu vermehrter Wasseraufnahme (und vermehrtem Harnabsatz) führen.
Warum trinken nierenkranke Hunde viel Wasser ? Die wichtigste Aufgabe der Nieren besteht darin, den Körper von giftigen Stoffen zu befreien. Dies erreichen sie durch Filtrieren der Blutflüssigkeit und Ausscheidung der giftigen Stoffe via Urin. Nun filtrieren jedoch die Nieren viel mehr Blutflüssigkeit, als sie in Form von Urin ausscheiden. Der grösste Teil der filtrierten Blutflüssigkeit wird nämlich in einem speziellen Gangsystem der Niere wieder resorbiert und dem Blutkreislauf wieder zugeführt. Dieser Prozess führt zu einer Konzentration der Giftstoffe und der Urin erscheint dunkel. Bei nierenkranken Hunden kann die Niere den Urin nicht mehr so gut konzentrieren, und betroffene Patienten scheiden einen sehr hellen, unkonzentrierten Harn aus. Um die grossen Wasserverluste zu kompensieren, müssen diese Hunde entsprechend mehr trinken. Oft beschränken die Besitzer kurzerhand die angebotene Wassermenge, damit die Hunde nicht mehr so viel Harn "machen". Diese Massnahme ist nicht nur aus tierschützerischen Gründen strikte abzulehnen, weil solche Hunde unter einem ständigen Durstgefühl leiden. Die Einschränkung des Wasserangebotes führt auch zur "Austrocknung" des Hundes, weil er über die Nieren mehr Wasser ausscheidet, als er zu trinken kriegt, und die Austrocknung schädigt die Nieren zusätzlich.
Welches sind die wichtigsten Nierenerkrankungen beim Hund? Bei jüngeren Hunden stehen vererbte Nierenerkrankungen im Vordergrund. Die normale Entwicklung und Ausreifung der Nieren ist bei diesen Hunden gestört und die Symptome treten schon in den ersten Lebensjahren auf. Die Liste der Hunderassen, bei denen vererbte Nierenerkrankungen festgestellt wurden, wird von Jahr zu Jahr länger. Ich habe diese sogenannte Nierendysplasie vor allem beim Golden Retriever, Sheltie, Dobermann Pinscher und Berger de Brie feststellen können. Eine gesicherte Diagnose kann nur durch mikroskopische Untersuchung einer Nierenbiopsie (Entnahme von Nierengewebe in Narkose) gestellt werden. Die Therapie verspricht höchstens vorübergehenden Erfolg und züchterische Massnahmen stehen daher im Vordergrund.
Bakterielle Nierenerkrankungen kommen bei Hunden aller Alterskategorien vor. Leptospiren sind Bakterien, die von Hunden über die Schleimhäute aufgenommen werden und sich vor allem in der Leber und Niere des Hundes vermehren. Leptospiren werden meistens von Mäusen und Ratten über den Urin ausgeschieden und können an feuchten Orten (Wasserpfützen) monatelang überleben. Diese Bakterien werden dann beim Trinken aus der Pfütze oder beim Verzehren einer infizierten Maus vom Hund aufgenommen. Nur bei einem sehr geringen Prozentsatz der Hunde führt die Aufnahme von Leptospiren überhaupt zu einer Nierenerkrankung, was unter anderem auf die gute Impfdisziplin der meisten Hundehalter zurückzuführen ist (mit der jährlichen Impfung wird meistens gegen Staupe, ansteckende Leberentzündung und Leptospirose geimpft). Leptospirose tritt vor allem im Spätsommer auf, weil die Erreger in einer feuchten Umgebung am besten überleben. Als erstes Symptom tritt oft Erbrechen auf. Es ist ausserordentlich wichtig, dass erkrankte Hunde sehr schnell dem Tierarzt vorgestellt werden, damit unverzüglich eine spezielle Therapie gegen Leptospirose eingeleitet werden kann.
Andere bakterielle Nierenentzündungen können auch durch Emporsteigen von Bakterien aus der Harnblase in die Nieren entstehen. Dies kommt bei unbehandelten oder nicht erkannten Harnblasenentzündungen vor. Als klassische Symptome bei Harnblasenentzündung gelten blutiger Urin, Harndrang oder unwillkürlicher Harnverlust. Leider verlaufen aber Entzündungen der Harnblase oft auch symptomlos und werden nur zufällig bei einer Untersuchung des Urins auf Bakterien festgestellt.
Die dritte Gruppe der Nierenerkrankungen kommt beim alten Hund vor und ist zahlenmässig die weitaus häufigste Form. Die Nieren dieser Patienten sind abnormal klein und werden daher oft auch Schrumpfnieren genannt. Das normale Nierengewebe ist zerstört und durch Bindegewebe ersetzt und die Funktionstüchtigkeit solcher Nieren ist stark eingeschränkt. Neben erhöhtem Wasserkonsum und vermehrtem Harnabsatz weisen betroffene Patienten auch blasse Schleimhäute (Blutarmut) und einen typisch übelriechenden Atem auf. In fortgeschrittenen Fällen kommen Erbrechen, Appetitlosigkeit und Abmagerung hinzu. Auch bei diesen Patienten ist eine frühzeitige Diagnose äusserst wichtig, damit der Hund bald auf ein schonendes "Nierenfutter" umgestellt werden kann. Bei älteren Hunden können durch tierärztliche Routinekontrollen (1-bis 2-mal im Jahr) viele "Alterskrankheiten" frühzeitig diagnostiziert und entsprechend auch erfolgreicher behandelt werden.

 

Harnblasenentzündungen

Harnblasenentzündungen (ohne gleichzeitige Niereninfektion) können ebenfalls zu vermehrtem Durst führen. Es wird spekuliert, dass der Erreger in der Harnblase einen giftigen Stoff (Toxin) freisetzt, der dazu führt, dass die Nieren den Harn nicht mehr konzentrieren können. Nach Behandlung der Blasenentzündung verschwinden die Symptome meistens innerhalb einer Woche.

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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 9/1999
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. P. Arnold
Altfeldweg 23
5103 Möriken