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"Es ist halt das Alter" - Ist Alter eine Krankheit?

Chronische Niereninsuffizienz

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Dabei handelt es sich um eine langsam entstehende Unterfunktion der Nieren. Die auslösenden Ursachen sind meistens nicht mehr ausfindig zu machen, da es sich oft um Monate oder Jahre zurückliegende Prozesse handelt. Als Auslöser in Frage kommen zum Beispiel Infektionen irgendwelcher Art, bei denen sich im Blut zirkulierende Erreger in den Nieren festsetzen und das Nierengewebe dadurch geschädigt wird. Eine weitere Möglichkeit ist die Aufnahme von Stoffen, welche für die Nierenzellen giftig sind. Die polyzystische Nierenerkrankung ist eine angeborene Erkrankung, bei welcher flüssigkeitsgefüllte Zysten durch Verdrängung des funktionellen Nierengewebes ebenfalls zur chronischen Niereninsuffizienz führen. Bei Abessinierkatzen kommt zudem eine familiäre Nierenerkrankung vor (Nierenamyloidose). Unabhängig von der Ursache nimmt die Erkrankung denselben Verlauf: Die direkt betroffenen Anteile der Niere sterben ab und werden durch Narbengewebe ersetzt, welches keine Nierenfunktion mehr erbringt. Die verbleibenden intakten Anteile kompensieren die ausgefallenen Bereiche, werden dadurch mehr belastet und fallen nach und nach ebenfalls aus. Dieser einmal in Gang gesetzte Teufelskreis führt über mehrere Jahre hinweg dann zu den klinischen Symptomen einer chronischen Niereninsuffizienz. Da die Nieren eine grosse Reservekapazität besitzen, sind beim Auftreten von klinischen Symptomen in der Regel 75 - 80% der Nierenfunktion bereits ausgefallen. Diese Krankheitsanzeichen sind zu Beginn unspezifisch wie zum Beispiel reduzierter Appetit, Abmagerung oder ein ungepflegtes Haarkleid. Katzen scheinen recht lange in der Lage zu sein, ihren Urin zu konzentrieren. Sie beginnen deshalb erst spät im Verlauf der Krankheit, auffällig viel zu trinken. Dies im Gegensatz zum Hund, bei dem eine gesteigerte Trinkmenge und vermehrter Harnabsatz meist die ersten Anzeichen einer Niereninsuffizienz sind. Mit weiterem Fortschreiten der Krankheit reduziert sich der Appetit immer weiter, und viele betroffene Katzen erbrechen auch häufig. Dies wird dadurch ausgelöst, dass gewisse nicht mehr genügend ausgeschiedene Stoffe zu einer Reizung der Magenschleimhaut führen. Im weit fortgeschrittenen Stadium fällt zudem der ammoniakalische Maulgeruch auf.
Zur Diagnose einer chronischen Niereninsuffizienz sind eine Blut- und eine Urinuntersuchung nötig. Zur Gewinnung der Urinprobe hat sich dabei die direkte Punktion der Harnblase als Routinemethode bewährt, da sich Katzen bekanntlich nur selten dazu bewegen lassen, ihren Urin direkt ins Probengefäss abzusetzen. Wegen der bereits erwähnten Reservekapazität der Nieren sind bei einer normalen Blutuntersuchung ebenfalls erst Veränderungen feststellbar, wenn 75 % der Nierenfunktion bereits ausgefallen sind. Für eine frühere Erkennung einer Niereninsuffizienz sind spezielle Untersuchungen nötig. Dabei werden, vereinfacht gesagt, Substanzen verabreicht, welche nur über die Nieren ausgeschieden werden. Aus dem Verschwinden dieser Substanzen aus dem Blut kann die Nierenfunktion berechnet werden. Die meisten dieser Untersuchungen wurden wegen ihrer Komplexität nur zu Studienzwecken angewandt. Vereinfachte Tests und verbesserte Analysemethoden führen dazu, dass diese Tests zur Früherkennung von Nierenfunktionsstörungen bald routinemässig eingesetzt werden können.
Auch in bezug auf die Therapie der chronischen Niereninsuffizienz konnten in den letzten Jahren Fortschritte erzielt werden. Bis vor kurzem bestand die Behandlung in der Gabe von Diätfutter, um die bleibenden Nierenanteile möglichst wenig zu belasten. Beim Auftreten von Symptomen wie Erbrechen oder Austrocknung wurden diese mit Medikamenten oder Infusionen behandelt. Diese Behandlungsgrundsätze gelten weiterhin, aber zusätzlich scheint der frühzeitige Einsatz von sogenannten ACE-Hemmern einen positiven Effekt bei nierenkranken Katzen zu haben. Diese Medikamente wurden ursprünglich für die Behandlung von Herzpatienten eingesetzt. Es konnte gezeigt werden, dass ACE-Hemmer in der Lage sind, den Druck in bestimmten Nierenabschnitten zu senken. Dadurch kann der oben erwähnte Teufelskreis von Überbelastung der gesunden Nierenanteile und weiterer Nierenschädigung deutlich verlangsamt werden. Dies ermöglicht ein längeres Überleben bei deutlich besserer Lebensqualität.

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Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" Oktober / 2001
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. Markus Haller
Europäisch diplomierter Spezialist für innere Erkrankungen der Kleintiere (Dipl ECVIM-CA)
Kleintierpraxis HallMa, Oberdorfstrasse 4, 5706 Boniswil