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FIP (Feline Infektiöse Peritonitis)

Diagnosestellung

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Es gibt vermutlich keine andere ansteckende Erkrankung, bei der die Diagnosestellung so viele Probleme und Unklarheiten bereitet wie bei der FIP. Noch bildlicher geäussert: Bedauerlicherweise wurden vermutlich mehr Katzen wegen einer positiven Serologie (haben Antikörper gegen das FCoV), als wegen einer tatsächlich vorhandenen FIP eingeschläfert. Es macht also überhaupt keinen Sinn, eine Katze bloss wegen eines positiven FIP-Tests einzuschläfern.
Nichtsdestotrotz muss gesagt werden, dass es -- zurzeit -- keinen einzelnen anwendbaren Test gibt, um FIP eindeutig zu diagnostizieren. Die Diagnosestellung basiert auf einem Mosaik verschiedener Befunde, die zusammen mit der klinischen Erfahrung des Tierarztes ein passendes Bild ergeben. Insbesondere die Vorgeschichte, die klinischen Symptome, die Laborveränderungen, das Vorhandensein des Bauch- oder Brusthöhlenergusses erlauben häufig, einen FIP-Verdacht zu äussern. Dennoch ist man sich fast nie ganz sicher -- eine Gewebeuntersuchungdes Bauchfells oder der jeweiligen betroffenen Organe, entnommen am lebenden wie auch verstorbenen Tier, ist die einzige definitive diagnostische Möglichkeit.

Im erwähnten Mosaik lassen sich dennoch einige wichtige Parameter hervorheben.

  1. Laboruntersuchung: Die Routinelaboruntersuchung kann zwar die Diagnose nicht bestätigen, jedoch einige wichtige Hinweise geben. Im Blutbild ist es häufig eine Blutarmut oder der Abfallbestimmter weisser Blutkörperchen. In der Serumchemie (Untersuchung des Stoffwechsels) sind es der erhöhte Bilirubinwert (Gelbsucht) und die teilweise massivst erhöhte Bluteiweissmenge. Diese widerspiegeln die extrem angeregte Abwehrantwort des Körpers durch die Infektion; es handelt sich hier hauptsächlich um vermehrte Antikörperbildung.
  2. Untersuchung der Körperhöhlenflüssigkeit: Aus klinischer Sicht ist dies eine der wichtigsten Untersuchungen. Die Flüssigkeit lässt sich in der Regel aus Bauch- oder Brusthöhle einfach entnehmen und ist häufig bereits mit blossem Auge FIP-verdächtig. Als typisch kann eine gelbliche, sehr fadenziehende, vielleicht leicht trübe Flüssigkeit bezeichnet werden. Bei genauerer Untersuchung fallen die deutlich erhöhten Eiweisswerte und die wenigen entzündlichen Zellen auf. Diese lassen sich unter dem Mikroskop schnell und sicher identifizieren.
  3. Augenhintergrunduntersuchung: Wie bereits diskutiert, können Veränderungen an Regenbogenhaut oder dem Augenhintergrund den Verdacht durchaus untermauern.
  4. Hirnflüssigkeitsuntersuchung: Insbesondere bei der im Gehirn lokalisierten, trockenen FIP-Form ist dies eine wichtige Untersuchung. Allerdings kann die Hirnflüssigkeit nur unter Narkose entnommen werden, die Untersuchung muss rasch durchgeführt werden und ist nur mit spezieller Ausrüstung möglich. An dieser Stelle bleibt anzumerken, dass die Diagnose einer solchen FIP eine grosse Herausforderung darstellt -- es muss teilweise zu ausserordentlichen Mitteln wie einem Computertomogram (wobei dünne Röntgenschnitte durch das Gehirn des schlafenden Tieres gemacht werden) gegriffen werden.

 

Serologische Untersuchung

Mittels einer serologischen Untersuchung können wir im Allgemeinen das Vorhandensein der Erreger-spezifischen Antikörper nachweisen. In diesem Satz steckt der Zauber und der Fluch dieser Methode. Denn diese Methode beweist lediglich den Kontakt des Tieres mit dem Erreger, in unserem Fall dem -- und jetzt aufgepasst! -- felinen enteralen Coronavirus (FECV)! Das heisst, es gibt eigentlich keinen FIP-Titer (wie dieser Test häufig bezeichnet wird), da der FIP-Virus aus dem FECV im Körper des betroffenen Tieres entsteht und sich von diesem mit den üblichen Methoden nicht unterscheiden lässt.
Das Testergebnis muss deshalb immer im Zusammenhang mit den anderen Parametern beurteilt werden (siehe oben, Mosaik)!

Zur Veranschaulichung hier einige Beispiele:
Beispiel A: Es besteht auf Grund der oben diskutierten Anzeichen ein starker klinischer Verdacht auf FIP; ist der Test in diesem Fall positiv -- insbesondere stark positiv -- wird der klinische Verdacht zwar weiter erhärtet, aber keine Diagnose gestellt!

Beispiel B: Es handelt sich um eine klinisch gesunde, muntere Katze. Diese Katze weist einen positiven Coronavirustiter auf. Das bedeutet, dass diese Katze dem Virus begegnet ist, die Infektion durchgemacht und auf diese mit einer adäquaten Antikörperbildung reagiert hat. Diese Katze hat keine FIP! Dagegen kann diese Katze ein Ausscheider des Virus sein oder zu einem späteren Zeitpunkt eine FIP entwickeln.

Beispiel C: Es werden zwei gesunde Katzen aus einem Mehrkatzenhaushalt vorgestellt. Die eine weist einen tiefen Coronavirustiter auf, die andere dagegen einen sehr hohen. Es ist wahrscheinlicher, dass die Katze mit dem höheren Coronavirustiter ein Ausscheider ist. Trotzdem haben beide Katzen keine FIP, beide können diese aber zu einem späteren Zeitpunkt entwickeln.  

Beispiel D: Es wird eine junge, reinrassige, eben gekaufte Katze vorgestellt. Sie ist zwar aktiv, zeigt aber nur eine mässige Fresslust, wirkt mager, und das Fell ist matt und fettig. Bei der Untersuchung fällt auf, dass sie eine erhöhte Körpertemperatur hat. Der Coronavirustiter ist leicht positiv. Diese Katze könnte gerade eine FIP entwickeln! Bei der Nachkontrolle nach zwei Wochen ist das Tier noch magerer, die Temperatur war auch zu Hause ständig erhöht. Das rechte Auge zeigt deutliche Anzeichen einer Regenbogenhautentzündung, der Bauchumfang ist gross -- es lässt sich Flüssigkeit drin nachweisen. Der Coronavirustiter ist stark positiv. Diese Katze hat mit grosser Wahrscheinlichkeit FIP.

Beispiel E: Eine Katze in einem Zweikatzenhaushalt muss wegen feuchter FIP eingeschläfert werden. Die Besitzerin will bei der zweiten Katze den Coronavirustiter bestimmen lassen. In dieser Situation ist der Test nicht sinnvoll, denn es ist beinahe sicher, dass die zweite Katze einen positiver Coronavirustiter haben wird. Dies bedeutet aber keineswegs, dass sie auch FIP entwickeln wird!!!

Beispiel F: Eine Katze in einem Zweikatzenhaushalt muss wegen feuchter FIP eingeschläfert werden. Der Besitzer will wieder eine neue Katze dazunehmen und lässt bei ihr den Coronavirustiter bestimmen. Dieser ist negativ. Es ist in diesem Fall nicht ratsam, diese Katze zu übernehmen, da sie sich evtl. infizieren und somit auch einem potenziellen Risiko ausgesetzt wird, eine FIP zu entwickeln. Eine neue Katze mit einem positiven Coronavirustiter lässt sich problemlos adoptieren; es muss aber betont werden, dass diese (wie auch die bereits ansässige Katze) später trotzdem eine FIP entwickeln kann.

Beispiel G: Es sollte eine neue reinrassige Katze für die Zucht eingekauft werden. Diese Zucht gilt als Coronavirus-negativ. In dieser Situation ist eine Bestimmung des Coronavirustiters sehr sinnvoll -- das neue Tier muss negativ sein. Es sollte unter keinen Umständen ein positives, wenn auch gesundes Tier angenommen werden. Es ist -- aus Sicherheitsgründen -- sinnvoll davon auszugehen, dass dieses Tier den FECV ausscheidet und somit eine potenzielle Gefahr für die ganze Zucht darstellt.

Beispiel H: Es sollten zwei Zuchttiere verpaart werden. In dieser Situation ist eine Bestimmung des Coronavirustiters sehr sinnvoll. Grundsätzlich sollten jeweils zwei Tiere mit negativem Coronavirustiters oder zwei Tiere mit positivem Coronavirustiter gepaart werden. Weitere züchterische Massnahmen können notwendig sein, um das Risiko einer Infektion der Welpen zu senken (siehe unten).

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Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 2 / 2007
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. Kamil Tomsa
Diplomate European College of Veterinary Internal Medicine
Kleintierklinik Rigiplatz, Hünenbergerstrasse 4/6, 6330 Cham