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Gesundheitliche Risiken infolge Übergewicht
(Zuckerkrankheit und "Leberverfettung")

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Neigung zu Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)

Die starke Zunahme von Fettgewebe verursacht, dass die Körpergewebe nicht mehr genügend auf das Hormon der Bauchspeicheldrüse, das Insulin, ansprechen. Insulin bewirkt, dass die Körpergewebe Zucker und damit Energie aufnehmen können. Dieser Vorgang wird erschwert. Immer mehr Insulin wird benötigt und auch produziert, bis die Bauchspeicheldrüse den Bedarf nicht mehr decken kann. Die Folge ist ein inneres Verhungern der Körpergewebe und gleichzeitig ein unkontrollierter Anstieg des Zuckers im Blut: Wir sprechen von Zuckerkrankheit oder Diabetes und beobachten vermehrten Durst, gesteigerten Appetit, Gewichtszunahme und Anstieg der Harnmenge. Anfänglich zeigen diese Katzen einen so genannten Typ I Diabetes: Diät, Gewichtsreduktion und Insulin freisetzende Medikamente führen zu erheblicher Verbesserung, und nicht selten verschwindet die Krankheit bei Erreichen des Normalgewichtes. Dauert der Zustand aber an und die Bauchspeicheldrüse wird weiter strapaziert, ist sie eines Tages erschöpft und produziert immer weniger Insulin. Für die Katze bedeutet das höchste Alarmstufe! Es kommt zu einer Verschlimmerung und möglicher Entgleisung der Zuckerkrankheit sowie zu weiteren Folgekrankheiten. Aus dem Typ I Diabetes wird ein Typ II Diabetes: Der Katze muss Insulin von aussen zugeführt werden. Der Typ II Diabetes erfordert neben strikter Diät eine meist lebenslängliche Therapie mit regelmässigen Insulininjektionen und ist bei Katzen manchmal schwierig stabil zu halten.

 

Die "Leberverfettung" (Fettspeicherkrankheit der Leber, Hepatische Lipidose)

Die Gefahr, an einer Fettspeicherkrankheit der Leber zu erkranken, ist bei übergewichtigen Katzen, insbesondere bei weiblichen, erhöht. Es handelt sich hier um eine ernsthafte, erworbene Lebererkrankung, die durch massive Einlagerung von Fetten in die Leberzellen gekennzeichnet ist. Diese entsteht entweder unabhängig von anderen Krankheiten oder als Folge, im Verlauf etlicher anderer Organkranerkrankungen wie Zuckerkrankheit, Darmerkrankungen und Entzündung der Bauchspeicheldrüse, sowie infolge von Übergewicht. Das normale Gleichgewicht im Fettstoffwechsel der Leber zwischen Aufnahme von Fetten zur Speicherung und deren Abgabe für die Energieproduktion im Körper geht verloren.

Was löst die Krankheit aus? Meist ist es die Tatsache, dass die Katze aus irgendeinem Grund nicht mehr frisst oder auch nur über längere Zeit verminderten Appetit hat. Viele verschiedene Faktoren, unter anderem Abbau von Körpereiweiss (zu geringe Eiweisszufuhr mit der Nahrung und dafür gesteigerter Abbau körpereigener Proteine), Mangel an so genannten essenziellen Aminosäuren, werden als Ursachen angesehen. Es entsteht ein Mangel an Transporteiweissen, die Leber kann die Fette nicht mehr ausscheiden.

Das genannte Ausbleiben der Nahrungsaufnahme löst einen Teufelskreis aus, indem die entstehende Leberverfettung zu weiterer Appetitlosigkeit führt, was wiederum eine stetige Verschlimmerung der Lebererkrankung bewirkt. Anzeichen dafür sind zunehmende Apathie, vermehrtes Speicheln, Erbrechen, Durchfall sowie das Auftreten einer Gelbsucht. In fortgeschrittenen Fällen kommt es zum Versagen von Funktionen der Leber, unter anderem zum Verlust der Fähigkeit zur Entgiftung und Umwandlung toxischer Substanzen, die von der Verdauung her aus dem Darm aufgenommen worden sind. Solche im Blutkreislauf verbliebene Stoffwechselprodukte können im Gehirn neurologische Störungen bis hin zu epileptischen Krampfanfällen auslösen.

Um die Fettspeicherkrankheit der Leber von anderen Lebererkrankungen mit ähnlichen klinischen Anzeichen unterscheiden zu können, sind neben Blutuntersuchungen auch eine Ultraschall-Untersuchung sowie im Zweifelsfall eine Untersuchung von Gewebeproben angezeigt. Diese Abklärungen sind von Bedeutung, weil die Behandlung der verschiedenen in Frage kommenden Lebererkrankungen unterschiedlich ist. Die Behandlung der Fettspeicherkrankheit besteht vorerst in einer Korrektur des Flüssigkeitshaushaltes mit Dauertropfinfusionen und anschliessender Verabreichung von Nährlösungen, entweder via Tropfinfusionen oder über eine Nasensonde in die Speiseröhre. Da die Nahrungsaufnahme eine Voraussetzung für die Abheilung der Krankheit darstellt, die betroffenen Katzen jedoch von sich aus nichts mehr fressen, kann nach Stabilisierung des Allgemeinzustandes unter Narkose eine Ernährungssonde durch die Speiseröhre in den Magen oder durch die Bauchwand in den Magen gelegt werden, was die Verabreichung von püriertem normalem Diätfutter erlaubt. Diese Zwangsernährung kann anschliessend auch zuhause durch die Besitzer/innen weitergeführt werden, bis die Katze von selbst wieder genügend Futter zu sich nimmt. Sobald dies der Fall ist, wird die Sonde entfernt und die Katze wird mit einer für ihre speziellen Bedürfnisse angepassten Diät weitergefüttert. Die Heilungschancen liegen mit diesen Massnahmen bei 60-80 %. Falls Übergewicht die Hauptursache der Lebererkrankung ist, ist die wichtigste Voraussetzung zum Vermeiden eines Rückfalles, dass die Diät sowie das Normalgewicht künftig beibehalten werden.

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Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" Ausgaben 2 / 2000 und 3 / 2000
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autorin:
Dr. med. vet. Verena Schärer
Oberärztin, Klinik für kleine Haustiere, Universität Bern