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Harnkatheter

Ist die Katze "blockiert", d. h. ist ihre Harnröhre verstopft, muss diese Verstopfung umgehend behoben werden: Die Katze muss katheterisiert werden. Bei einem Kater in gutem Allgemeinzustand ist dies meist nur mit einer leichten Beruhigung möglich. Dabei werden tiefe Dosierungen gewählt, um die Niere durch die Ausscheidung dieser zusätzlichen Medikamente nicht noch mehr zu belasten. Ist die Katze bereits in einer schlechten körperlichen Verfassung, geht man möglichst ohne Sedation vor. Wenn trotzdem beruhigende und schmerzstillende Massnahmen ergriffen werden müssen, ist eine äusserst schonende Beruhigung zu wählen.

Harnröhre und Blase werden durch den Katheter mehrmals mit steriler physiologischer Kochsalzlösung gespült, um Kristalle und Zellbestandteile zu entfernen. Dadurch soll ein sofortiges erneutes Verstopfen der Harnröhre verhindert werden. Der Harnkatheter muss gegebenenfalls über einige Tage belassen werden. Dies ist vor allem in folgenden Fällen zu erwägen: 1. Der Harn kann in Narkose/Sedation nicht in einem normal grossen Strahl aus der Blase ausgedrückt werden, 2. Es ist so viel Harngriess in der Harnblase vorhanden, dass dieser durch die Spülung der Blase nicht in genügendem Masse entfernt werden kann, und 3. bei Katzen in einem lebensgefährlichen Zustand, deren Harnabsatz kontrolliert werden muss.

Der Harnkatheter wird angenäht und eventuell an ein so genanntes geschlossenes System zum Auffangen des Harnes angeschlossen. Dies dient zur Kontrolle der ausgeschiedenen Harnmenge, was auch einen Rückschluss auf die Nierenfunktion zulässt. Meist kommt es nach der Behebung der Obstruktion zu einer vermehrten Harnproduktion (so genannte postobstruktive Diurese). Da die Katzen in dieser Zeit oft zu wenig trinken und um einer Austrocknung vorzubeugen, ist eine intravenöse Infusion angezeigt. Für diese Behandlung muss die Katze meist einige Tage beim Tierarzt bleiben, damit die produzierte Harnmenge überwacht und bei Komplikationen auch frühzeitig eingegriffen werden kann.
Die Prognose bei Katern mit wiederholter Verstopfung der Harnröhre ist vorsichtig. Eine Operation sollte in diesen Fällen in Erwägung gezogen werden, vor allem wenn der Rückfall noch während der unmittelbaren Behandlung auftritt. Eine Infektion des Nierenbeckens, Nierensteine und ein chronisches Nierenversagen sind mögliche Folgen von wiederholten Harnröhrenverstopfungen.

 

Diät

Die Struvitkristalle lösen sich in einem sauren Harnmilieu auf. Sie können - sofern sich nicht schon zu grosse Steine gebildet haben - deshalb gezielt über eine Ansäuerung des Harnes aufgelöst werden. Dies wird über eine strikte Diät erreicht. In vielen Fällen muss diese Diät lebenslang weitergeführt werden. Wird das entsprechende Futter trotzdem abgesetzt, kommt es in ca. 70 % der Fälle zu einem Wiederauftreten von Struvitkristallen. Alle anderen Kristalle lassen sich nicht oder nur bedingt über die Ernährung beeinflussen.

 

Infusion

Ist der Rückstau in die Niere schon über längere Zeit vorhanden, kommt   es zu einem akuten Nierenversagen. Dies ist eine lebensbedrohliche Situation. Die Nierenfunktion muss mit sofortiger Infusionstherapie und gegebenenfalls mit harntreibenden Medikamenten angeregt werden! Der Patient benötigt eine entsprechend intensive Überwachung.
Da die Niere - wie im ersten Teil dieses Artikels bereits erwähnt - nur teilweise erholungsfähig ist, kann die Nierenfunktion danach für immer eingeschränkt bleiben (chronische Niereninsuffizienz). Dies lässt sich jedoch am Anfang einer Behandlung nicht abschätzen, weshalb eine wiederholte Kontrolle der Nierenwerte sehr wichtig ist.

 

Penisamputation

Eine operative Lösung der Harnröhrenverstopfung, eine so genannte perineale Urethrostomie oder auch Penisamputation, ist unumgänglich: 1. bei Katern mit wiederholter Verstopfung der Harnröhre, 2. bei einer Verstopfung der Harnröhre, die sich durch Katheterisieren und Spülen nicht oder nur ungenügend lösen lässt, und 3. bei einer Striktur der Harnröhre (d. h. Verengung durch chronische Entzündung der Harnröhre oder wiederholtes Katheterisieren). Die Operation erfolgt unter Vollnarkose. Da meist junge bis mittelalte (ca. 5-7 Jahre alte) Katzen betroffen sind, ist das Narkoserisiko bei gutem Allgemeinzustand als klein einzustufen. Ist die Katze schon sehr alt oder ist ihr Zustand lebensbedrohlich und eine Operation unumgänglich, muss manchmal zum Wohle des Tieres auch ans Einschläfern gedacht werden.

Bei diesem chirurgischen Eingriff wird im Prinzip der kurze Teil der Harnröhre im Bereich des Penis entfernt. Die Harnröhre im Bereich des Beckens ist von diesem Eingriff nicht betroffen, da sie im Durchmesser ca. viermal grösser ist. Deshalb wird nur der Penis mit Vorhaut und Harnröhre entfernt. Nach der Operation mündet die Harnröhre als kleine Öffnung unterhalb des Afters. Ein normales, kontrolliertes Harnabsetzen ist durch den Schliessmuskel der Blase auch nach der Operation gewährleistet.
Vom Eingriff erholen sich die Katzen in der Regel rasch. In den ersten 1-2 Tagen bleiben sie meist stationär in der Praxis, damit der Harnabsatz und die Naht kontrolliert werden können. Bis zum Ziehen der Fäden müssen die Katzen einen Halskragen tragen, um die empfindliche Naht zu schützen.
Komplikationen sind selten. Am ehesten kommt es wegen des fehlenden Penis, der als "Keim-Barriere" dient, durch aufsteigende Keime zu einer Blaseninfektion. Mögliche, aber äusserst selten auftretende Komplikationen sind lokale Reizung der Haut, Harninkontinenz und durch Narbenbildung bedingte Harnröhrenverengungen. In den meisten Fällen können die Katzen nach einer Penisamputation ein normales Leben führen.

Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 5 / 2004
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autorin:
Dr. med. vet. Barbara Hauser