Hautkrankheiten, Teil 1: Pilzerkrankungen
Die Behandlung der Hautpilzerkrankung
Glücklicherweise heilen Hautpilzerkrankungen von gesunden kurzhaarigen Katzen innerhalb von 3 Monaten meist spontan ab, ohne behandelt werden zu müssen. Da die Pilzinfektion aber eine Gefahr für andere Tiere und den Menschen darstellt, empfehlen wir dennoch eine Behandlung. Katzen mit grossflächigen Hautläsionen, Langhaarkatzen und solche in einem Mehrkatzenhaushalt brauchen eine Therapie. Allgemein kann man sagen: Je mehr Katzen zusammenleben und je mehr langhaarige Katzen dabei sind, desto aggressiver und länger muss therapiert werden, wenn man die Infektion sowie alle Pilzelemente in der Umgebung und damit die Wiederansteckungsmöglichkeit eliminieren will. Je häuslicher die Umgebung dieser Katzen ist, das heisst, je mehr Teppiche, Stühle, Sofas mit Textilien, Holzgegenstände und andere schlecht desinfizierbare Gegenstände vorhanden sind, desto schwieriger oder sogar unmöglich ist es, die Infektion ganz in den Griff zu bekommen. Wenn man sich für eine Therapie entscheidet, ist es ratsam, rigoros vorzugehen und die Ratschläge der Tierärztin oder des Tierarztes strikt zu befolgen. Sonst können sich sowohl die Behandlungsdauer als auch die Behandlungskosten vervielfachen.
Bei der Behandlung müssen mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt werden:
Einerseits müssen die körpereigenen Abwehrkräfte der Katze optimiert werden, indem andere bestehende Krankheiten behandelt oder Medikamente reduziert werden, die das Immunsystem schwächen (wie z. B. Kortison). Manchmal spielen für eine sensible Katze auch der Stress durch zu viele Artgenossen im Haushalt oder schlechte Haltungsbedingungen eine Rolle.
Andererseits gilt es, den Hautpilz zu behandeln. Alle befallenen Katzen sollten sowohl systemisch, d. h. von „innen her“, mit Tabletten oder Tropfen behandelt werden als auch äusserlich mit Shampoos oder Waschungen. Nicht befallene Katzen dürfen während der ganzen Behandlungszeit keinen Kontakt mit den Pilzträgern haben und sich nicht in denselben Räumen aufhalten.
- Die systemische Therapie erfolgt durch Griseofulvin, welches das am häufigsten eingesetzte Medikament gegen Hautpilzinfektionen ist. Zur besseren Aufnahme im Darmtrakt soll es zusammen mit einer kleinen fettreichen Mahlzeit verabreicht werden. Während der Trächtigkeit darf es nicht eingesetzt werden. Vorsicht ist ausserdem bei Katzen mit zusätzlichen Krankheiten (z. B. der Infektion mit dem Felinen Immunschwäche-Virus (FIV)) geboten.
Es gibt noch andere neuere Medikamente, die eingesetzt werden können. Sie kommen aber alle aus der Humanmedizin und sind deutlich teurer. - Die Behandlung des Fells ist eine sehr wichtige Massnahme, um die Pilzsporen in der Umgebung zu reduzieren. Eine nur lokale Behandlung der betroffenen Stellen mit Crème oder Flüssigkeit empfehlen wir nicht, denn meist ist der Pilz auch noch an mehreren anderen unsichtbaren Stellen im Fell versteckt. Alle langhaarigen Katzen werden am besten vorsichtig kurz geschoren. Damit wird schon ein beträchtlicher Teil der Reinfektionsquelle eliminiert. Danach werden spezielle Shampoos oder Waschungen über den ganzen Körper angewendet, je nach Präparat meist 2 x pro Woche.
- Die Umgebungsbehandlung ist selbstverständlich ebenfalls von grosser Bedeutung. Empfehlenswert ist es, auf die Liegeplätze der Katzen heiss waschbare Tücher wie Frottierwäsche oder Leintücher zu legen, die oft ausgewechselt und gewaschen werden sollen. Halsbänder, Bürsten, Kämme und andere Putzutensilien, Katzenkörbe, Katzenbaum und Ähnliches sollte womöglich vernichtet werden. Normale Desinfektionsmittel wirken oft nicht gegen die resistenten Pilzsporen. Starke Desinfektionsmittel sind zuerst an einer kleinen Fläche auszuprobieren, da sie die Heimtextilien (wie Teppiche oder Sofas) angreifen und bleichend wirken können.
- Die teure Impfung gegen Hautpilzerkrankungen kann in einigen Fällen mithelfen, die Hautveränderungen schneller abheilen zu lassen. Leider bleiben aber die Pilzsporen im Fell und in der Umgebung dennoch infektiös. So kann sich die Katze wieder anstecken, und auch andere Tiere oder der Mensch können befallen werden. Wir empfehlen die Impfung in einem betroffenen Katzenbestand deshalb nicht als alleinige Therapie.
- Die Behandlung mit Program® (Lufenuron) kann helfen, die Hautveränderungen schneller zum Abheilen zu bringen. Dies ist ein eigentlich als Flohmittel registriertes Medikament, das neuerdings auch als Pilzmittel eingesetzt wird. Die anfängliche Euphorie über die gute Wirksamkeit gegen Hautpilzinfektionen ist langsam wieder abgeflacht, weil die infektiösen Sporen leider bestehen bleiben. Deshalb empfehlen wir dieses Medikament nicht als alleinige Therapie.
Je nach Bestandesgrösse und speziellen Gegebenheiten - z. B. in Katzenzuchten oder Tierheimen mit einem regen Kommen und Gehen von Katzen und Menschen - müssen der Therapieplan angepasst und spezielle Hygienenassnahmen getroffen werden. In einer Katzenzucht sind ausserdem weitere wichtige Massnahmen zu treffen, bis der Pilz unter Kontrolle ist: Während dieser Zeit soll nicht gezüchtet und auf die Teilnahme an Ausstellungen verzichtet werden. Zusätzlich sollen selbstverständlich keine neuen Katzen in den Bestand aufgenommen werden.
Dieser Behandlungsaufwand scheint auf den ersten Blick enorm. Wie gesagt, gibt es zum Glück auch Katzen, bei denen die Hautpilzerkrankung spontan oder mit weniger Therapieaufwand abheilt. Leider gibt es aber immer wieder Katzenheime, Katzenzuchten oder Mehrkatzenhaushalte, welche die Pilzinfektion im Bestand ohne diese strengen Therapiemassnahmen nicht eliminieren können.
Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 1 / 2003
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Autorin:
Dr. med. vet. Silvia Rüfenacht