Meine Katze hustet
Welche Krankheiten können sich durch Husten bemerkbar machen?
Die Liste der Erkrankungen, die Husten als klinisches Symptom haben, ist lang. Hier nur einige wichtige Beispiele, geordnet nach Alterskategorien. Natürlich können einzelne Krankheiten auch bei verschiedenen Altersgruppen auftreten.
1. Erkrankungen von Jungtieren
- Katzenschnupfen: eine hochansteckende virale Erkrankung, die oft mehrere Tiere gleichzeitig betrifft. Die Symptome brechen in der Regel akut aus und bestehen typischerweise aus Niesen, Augenausfluss, Schluckbeschwerden und Husten. Der Allgemeinzustand ist häufig stark gestört, die Katze zeigt Apathie, Fieber, Appetitlosigkeit. Der Husten ist meistens feucht und mit wiederholten Schluckversuchen verbunden. Am gefährlichsten ist der Katzenschnupfen bei ganz jungen, geschwächten oder gestressten, frei lebenden Tieren. Seltener sind auch gut geimpfte Hauskatzen betroffen. Eine Impfung gegen Katzenschnupfen gehört zur Routine, ist aber nicht 100 %ig erfolgreich.
- Lungenwurmbefall: Neben gewissen Rundwurmarten, die während ihrer Entwicklung im Körper der Katze durch die Lunge wandern, um sich später im Dünndarm anzusiedeln, gibt es auch spezielle Rundwürmer, die direkt in den Bronchien leben. Diese Lungenwürmer lösen dort eine intensive Entzündung aus. Der Husten kann sehr unterschiedlich sein, am häufigsten ist es jedoch ebenfalls ein lauter, trockener Husten, jedoch mit wenig Auswurf (die Entwicklungsstadien der Würmer gelangen somit in die Umgebung). Der Nachweis ist nicht immer einfach. Eine spezielle Kotuntersuchung oder eine Endoskopie sind am erfolgreichsten.
- Fremdkörper: Typischerweise handelt es sich hierbei um eine Erkrankungsursache bei Katzen aller Alterskategorien. Am häufigsten bleiben Grashalme während des Grasfressens im Rachen stecken und lösen dort einen heftigen Reiz aus. Die Symptome umfassen meistens Würgen, Speichelfluss, Röcheln, Kopfschütteln, leeres Schlucken und Husten. Eine Endoskopie ermöglicht die Entfernung des Fremdkörpers. Bei gewissen Patienten kann der Grashalm auch spontan verschluckt werden oder durch die Nasenlöcher herausgeniest werden. Viel seltener als beim Hund kommt es zur Wanderung des Fremdkörpers durch die Lunge und dort zur vollständigen Vereiterung (Abszessbildung) eines ganzen Lungenflügels oder des Brustfells (siehe unten).
2. Erkrankungen von älteren Tieren
- Chronische allergische Bronchitis (felines Asthma): die häufigste Ursache für chronischen Husten bei Katzen, deren Ursache nicht eindeutig geklärt ist. Es gibt wichtige Ähnlichkeiten mit dem menschlichen Asthma. Der Husten kommt aus der Tiefe und ist trocken. Sehr häufig treten Hustenanfälle auf, die teilweise durch körperliche Leistung ausgelöst oder verstärkt werden. Es kann auch Atemnot oder Hecheln beobachtet werden. Die Diagnose erfolgt durch Ausschluss anderer Ursachen, durch ein Röntgenbild und evtl. auch ein endoskopisches Bild inkl. Lavage. Die Behandlung kann sehr schwierig sein; teilweise helfen nur starke entzündungshemmende Medikamente, die lebenslang gegeben werden müssen. Neuerdings können wie beim Hund oder Menschen auch Inhalationssprays eingesetzt werden. Dadurch werden die Nebenwirkungen der entzündungshemmenden Medikamente deutlich reduziert. Die Methode ist jedoch gewöhnungsbedürftig und verlangt eine freundliche Kooperation der Katze.
- Eitrige Brustfellentzündung (Pyothorax): Bei dieser Erkrankung kommt es zur Vereiterung des gesamten Brustraumes, meistens beidseitig. Die Ursache sind verschiedene Bakterien. Die Eintrittspforte ist meistens nicht bekannt. Es wird über Bisswunden, wandernde Fremdkörper oder Streuung der Bakterien mit dem Blutfluss spekuliert. Die Folgen sind einerseits eine heftige entzündliche Reaktion mit Fieber und Blutvergiftung, andererseits eine Einschränkung des Lungenvolumens, die zu massiver Atemnot führt. Der Husten wird häufig erstmals kurz vor dem Ausbruch der Erkrankung beobachtet. Die Therapie besteht aus einer so genannten Thoraxdrainage – einer Sonde, die in den Brustraum eingeführt wird und durch die der Brustraum regelmässig gespült werden kann. Natürlich müssen lange Zeit auch Antibiotika verabreicht werden.
- Interstitielle Pneumonie (idiopathische Lungenentzündung): eine tückische Erkrankung unklaren Ursprungs. Eine ähnliche Erkrankung ist auch beim Menschen gut bekannt. Dabei kommt es in der Lunge – meistens ohne ersichtlichen Grund – zu einer Entzündung des Lungengewebes. Die Entzündung kann grosse Teile der Lungen befallen und diese komplett ausser Betrieb setzen. Das führt zu Atemnot, Hecheln, Leistungsunfähigkeit und trockenem Husten. Obwohl der klinische Verlauf und die Röntgenbilder bereits einen starken Verdacht erlauben, ist die definitive Diagnose nur mittels einer histologischen Untersuchung des Lungengewebes möglich. Die Therapie ist meistens erfolglos.
- Neoplasie (Krebs): Die Atemwege sind relativ häufig von Krebs (Tumoren) betroffen – entweder in Form von Ablagerungen (Metastasen) oder als Entstehungsort des Tumors. Deshalb gehört bei älteren Patienten ein Röntgenbild des Brustkorbes zur routinemässigen Voruntersuchung, z. B. vor einer grösseren Operation. Krebserkrankungen sind sehr tückisch und können lange ohne jegliche Symptome verlaufen. Häufig sind Gewichtsverlust und Leistungseinbusse die ersten Anzeichen, die auf einen Tumor hindeuten. Husten ist eher selten.
Zusammenfassung
Der Husten ist ein wichtiger Abwehrmechanismus des Körpers gegen äussere Einflüsse und wird hauptsächlich in den Atemwegen ausgelöst. Die Katze mit einem Herzversagen hustet, im Unterschied zum Hund, fast nie. Trotzdem verdienen chronischer Husten, Husten mit abnormalem Auswurf oder Husten mit gestörtem Allgemeinbefinden eine sorgfältige tierärztliche Abklärung. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Erkrankung.
Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 1 / 2006
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Autor:
Dr. med. vet. Kamil Tomsa
Diplomate European College of Veterinary Internal Medicine
Kleintierklinik Rigiplatz, Hünenbergerstrasse 4/6, 6330 Cham