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Aelurostrongylus abstrusus

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Aelurostrongylus abstrusus ist der eigentliche "Katzenlungenwurm". Die adulten Männchen (5-6 mm) und Weibchen (9-14 mm) befinden sich tief verankert im Lungenparenchym von Katzen und anderen Feliden, z.T. in Knäuel und oft paarweise angeordnet. Von blossem Auge sind sie kaum sichtbar, da sie recht schlank sind. Diese Stadien befinden sich somit in den tiefen Atemwegen (Bronchiolen) und den Alveolen. Die Frage ist nur, wie kommen sie dahin? Die Antwort darauf findet sich im Entwicklungszyklus, den diese Parasiten durchlaufen: Die in der Lunge lokalisierten Weibchen produzieren Eier, aus denen nach kurzer Zeit mikroskopisch kleine Larven (Erstlarvalstadium) schlüpfen. Diese Larven wandern über die Atemwege bis in den Rachenraum. Dort werden sie sogleich von der Katze abgeschluckt und gelangen über den Magen-Darm-Trakt mit dem Kot ins Freie. Zur weiteren Entwicklung müssen die Erstlarvalstadien in Landschnecken gelangen. Es handelt sich dabei um normale Nackt- und Gehäuseschnecken, wie z.B. die bei Gartenfreunden als Salatfresser unbeliebte Wegschnecke.

Fressen Katzen solche Schnecken, stecken sie sich mit den infektiösen Drittlarvalstadien an. Allerdings sind Katzen meist ein bisschen wählerischer und verschmähen die schleimigen Tierchen. Die Parasiten haben jedoch eine Strategie ausgeheckt, um dennoch in die Katzenlunge zu gelangen: Diverse Tiere, z. B. Frösche, Reptilien, Vögel oder auch Nagetiere, die Schnecken verzehren, dienen als so genannte Transportwirte. In diesem Fall werden die Drittlarvalstdien von Aelurostrongylus abstrusus nicht verdaut, sondern wandern aus dem Darm ins Gewebe dieser Tiere und bleiben dort, ohne sich weiterzuentwickeln. Sie warten darauf, dass sie nun doch noch von einer Katze verspeist werden, sind doch die genannten Wirte bevorzugte (wenn auch von den Katzenhaltern nicht unbedingt geschätzte) Beutetiere unserer Stubentiger. Die Aelurostrongylus-Larven gelangen also in den Verdauungstrakt der Katzen und wandern von dort über Lymph- und Blutgefässe zur Lunge, wo sie ihre Entwicklung zum erwachsenen, fortpflanzungsfähigen Stadium innerhalb von ca. 6 Wochen abschliessen. Nach einer anfänglichen Zunahme nimmt die Intensität der Larvenausscheidung (wiederum Erstlarvalstadien) kontinuierlich ab, wobei die Ausscheidungsdauer bis zu > 1 Jahr andauern kann.

Adulte Würmer und angesammelte Eier bilden 1-10 mm gelblich-graue granulomatöse Knötchen, die sich subpleural über die Lungenoberfläche vorwölben.
Klinisch führen sie zu Bronchopneumonie, Hypertrophie der Media von Lungenarterien und somit zu Husten, Niesen, Dyspnoe, Fieber, Nasenausfluss, Anorexie und Abmagerung. Vergrösserte Lymphknoten und ein beeinträchtigtes Allgemeinbefinden können zumindest zeitweise beobachtet werden. Die Infektion kann, insbesondere bei Jungtieren, tödlich verlaufen. Hingegen verläuft die Infektion bei tiefen Wurmbürden und in adulten Tieren häufig symptomlos und selbstlimitierend.
Die Diagnose erfolgt mittels Nachweis von Larven im Kot (am besten Sammelkotprobe über 3 Tage, da unregelmässige Larvenausscheidung) oder im Trachealschleim. Das charakteristische Hinterende der ca. 400 µm langen Larven weist sowohl eine dorsale als auch eine ventrale Einkerbung auf. Mittels bildgebenden Verfahren (Radiologie, CT) werden die z.T. massiven Veränderungen in den Lungen dargestellt.
Therapeutisch kann Moxidectin (1mg/kg KG, spot on) oder Emodepsid (mind. 3 mg/kg KG, spot on) oder Selamectin (45 mg/kg KG, spot-on) empfohlen werden. Nach 1 Monat Behandlung wiederholen. Alternativ: Fenbendazol mind. 20 mg/kg KG/Tag p.o. an 5 Tagen oder 50 mg/kg KG/Tag p.o. an 3 Tagen.

Die Verbreitung von A. abstrusus ist weltweit, mit Prävalenzen bis zu 37%. Über das Vorkommen in der Schweiz gibt es nicht viele verlässliche Angaben. Eigene Untersuchungen am Institut für Parasitologie der Universität Zürich zeigten, dass bei 160 untersuchten Katzen in 2 Katzen (1.25%) der Nachweis von Aelurostrongylus abstrusus - Larven möglich war. In asymptomatischen Katzen in Deutschland wurde eine Prävalenz von 0.5%, in symptomatischen Katzen von 6.8% erhoben.

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Autor:
Dr. Heinz Sager
Institut für Parasitologie, Universität Bern
2014