Lungenwürmer
Aelurostrongylus abstrusus
Aelurostrongylus abstrusus ist der eigentliche "Katzenlungenwurm". Die erwachsenen Würmer sind ungefähr einen Zentimeter lang, wobei die Männchen eher kleiner, die Weibchen ein bisschen grösser sind. Von blossem Auge sind sie jedoch kaum sichtbar, da sie recht schlank sind. Diese Stadien befinden sich in den tiefen Atemwegen (Bronchiolen) und den Alveolen. Die Frage ist nur, wie kommen sie dahin? Die Antwort darauf findet sich im Entwicklungszyklus, den diese Parasiten durchlaufen: Die Weibchen produzieren Eier, aus denen nach kurzer Zeit mikroskopisch kleine Larven schlüpfen. Diese Larven wandern über die Atemwege bis in den Rachenraum. Nun werden sie sogleich von der Katze abgeschluckt und gelangen über den Magen-Darm-Trakt mit dem Kot ins Freie. Zur weiteren Entwicklung müssen die Larven in Landschnecken gelangen. Es handelt sich dabei um normale Nacktschnecken, wie die bei Gartenfreunden als Salatfresser unbeliebte Wegschneck.
Fressen Katzen solche Schnecken, stecken sie sich mit den Larven an. Allerdings sind Katzen meist ein bisschen wählerischer und verschmähen die schleimigen Tierchen. Die Parasiten haben jedoch eine Strategie ausgeheckt, um dennoch in die Katzenlunge zu gelangen: Diverse Tiere, z. B. Frösche, Reptilien, Vögel oder auch Nagetiere, die Schnecken verzehren, dienen als so genannte Transportwirte. In diesem Fall werden die Aelurostrongylus-Larven nicht verdaut, sondern wandern aus dem Darm ins Gewebe dieser Tiere und bleiben dort, ohne sich weiterzuentwickeln. Sie warten gewissermassen darauf, dass sie nun doch noch von einer Katze verspeist werden. Und die Wahrscheinlichkeit ist gar nicht so gering, sind doch die genannten Wirte bevorzugte (wenn auch von den Katzenhaltern nicht unbedingt geschätzte) Beutetiere unserer Stubentiger. Die Aelurostrongylus-Larven gelangen also in den Verdauungstrakt der Katzen und wandern von dort über Lymph- und Blutgefässe zur Lunge, wo sie ihre Entwicklung zum erwachsenen, fortpflanzungsfähigen Stadium innerhalb von ca. 6 Wochen abschliessen.
Über das Vorkommen in der Schweiz gibt es nicht viele verlässliche Angaben, allerdings dürfte die Problematik nicht weit verbreitet sein. Eigene Untersuchungen am Institut für Parasitologie der Universität Bern hatten bei 48 Verdachtsfällen keinen Nachweis von Aelurostrongylus erbracht. In Deutschland (Brandenburg) konnten die Parasiten bei 16 % von 155 sezierten Katzen in der Lunge nachgewiesen werden. In einer anderen Studie in Hannover wurden stichprobenartig Kotproben von Katzen auf Lungenwurmbefall untersucht. Dabei gelang der Nachweis nur in 0.5 % der 441 eingeschickten Proben. Auch in Italien gibt es nur sporadische Berichte über Lungenwurminfektionen bei Katzen.
Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 1 / 2007
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35
Autor:
Dr. Heinz Sager
Institut für Parasitologie, Universität Bern