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Tumore des Mittelohrs

Polyp

Der am häufigsten vorkommende gutartige Ohrtumor bei Katzen ist der Polyp. Der Ursprung der Wucherung liegt oft im Mittelohr, kann aber auch von der Eustach’schen Röhre oder dem Rachenbereich herkommen. Meist ist nur eine Seite betroffen. Durch fortschreitendes Wachstum kann sich der Polyp entweder in den Rachen ausweiten und so zu typischen Schnarchgeräuschen oder auch Niesen, Nasenausfluss, Stimmveränderungen bis hin zu Atembeschwerden führen, oder er durchbricht das Trommelfell und weitet in den äusseren Ohrkanal aus (Abb. 7).

  Bild Polyp Abbildung 7:
Polyp

In der Regel wird zusätzlich eine entzündliche Reaktion angetroffen, weshalb oftmals auch von einem inflammatorischen Polypen die Rede ist. Der genaue Auslöser ist zwar unbekannt, es werden jedoch chronische Infektionen der oberen Atemwege und auch chronische Mittelohrentzündungen diskutiert. Typischerweise sind die betroffenen Katzen sehr jung, unter 3 Jahren. Wenn der Polyp hauptsächlich das Mittelohr und den äusseren Ohrkanal betrifft, so führt dies zu Kratzen auf der betroffenen Seite und Kopfschütteln. Selten tritt eine Kopfschiefhaltung zur betroffenen Seite hin auf, welche jedoch bei dieser Lokalisation nicht mit dem unter „Tumore des Innenohrs“ beschriebenen Vestibulärsyndrom zu verwechseln ist. Zusätzlich können eine Ungleichheit in der Pupillengrösse sowie ein Nickhautvorfall auf der betroffenen Seite vorkommen (sogenanntes Horner-Syndrom). Der Verdacht lässt sich nach einer Ohrspülung durch eine Otoskopie (Ohruntersuchung) bestätigen. In schwierigeren Fällen kann die bildgebende Diagnostik (Computertomografie, Magnetresonanztomografie, Röntgen) hilfreich sein. Da der Polyp im Unterschied zu anderen Tumoren von fester Struktur ist, kann er unter Vollnarkose durch einfaches Ziehen entfernt werden. Weil eventuell Reste zurückbleiben, die einen Rückfall verursachen können, empfehlen wir am Tierspital Zürich, die Tiere anschliessend über 3 Wochen mit Prednisolon zu behandeln. In einer Untersuchung konnte gezeigt werden, dass keines der so behandelten Tiere einen Rückfall erlitt. Alternativ kann der Polyp auch chirurgisch entfernt werden. Diese Methode ist aber invasiver und birgt auch die Risiken allfälliger Komplikationen, wie zum Beispiel einer Nervenschädigung. Zusätzlich muss die sekundäre Entzündung therapiert werden. Die Prognose ist bei vollständiger Entfernung sehr gut. Die Gefahr eines Rückfalls liegt beim einfachen Ziehen ohne zusätzliches Prednisolon bei 30 %, beim chirurgischen Vorgehen bei weniger als 8 %.

Bösartige Tumore des Mittelohrs

Natürlich kommen auch im Mittelohr bösartige Tumore vor. Wenn möglich wird in solchen Fällen mit Hilfe eines Videootoskops (im Prinzip eine Kamera mit einem Arbeitskanal, die in den Ohrkanal eingeführt wird) unter Vollnarkose eine Gewebeprobe entnommen. Eine komplette Entfernung ist auf diese Weise kaum möglich, es lässt sich so jedoch die genaue Art des Tumors bestimmen. Liegen keine Metastasen vor, kann mit der zusätzlichen Hilfe einer Computertomografie die Operation zur Entfernung des Tumors genau geplant werden (Abb. 8). Bei einer Wucherung im Mittelohr muss die Paukenhöhle eröffnet werden, und so besteht die Gefahr, dass mit dem Tumor auch die Gehörknöchelchen entfernt werden, ohne welche die Schallübertragung vom Mittel- auf das Innenohr nicht mehr möglich ist. Somit ist in diesen Fällen mit einer Beeinträchtigung oder sogar einem vollständigen Verlust des Hörvermögens zu rechnen. Der einseitige Verlust des Hörvermögens stellt bei Katzen allerdings kein nennenswertes Handicap dar, sodass die Vorteile der Operation die möglichen Nachteile sicher überwiegen. Zudem ist zu bedenken, dass das Hörvermögen bereits durch den Tumor eingeschränkt war. Somit entsteht nach dem Eingriff diesbezüglich keine Änderung des Hörstatus.

  Bild Knochentumor, von den knöchernen Anteilen des Mittelohrs ausgehend (computertomografische Aufnahme) Abbildung 8:
Knochentumor, von den knöchernen Anteilen des Mittelohrs ausgehend (computertomografische Aufnahme)

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Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 4/2008
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autoren:
Dr. med. vet. Sylvia Wilhelm
Dipl. ECVD Dermatologie
Klinik für Kleintiermedizin
und
Dr. med. vet. Frank Steffen
Dipl. ECVN Neurologie/Neurochirurgie
Klinik für Kleintierchirurgie
Vetsuisse Fakultät der Universität Zürich