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Wenn der Wurm drin ist - Rund- und Bandwürmer

Die wichtigsten Bandwürmer der Katze in der Schweiz

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Der oben beschriebene Fall von "umherwandernden" Gliedern des Katzenbandwurmes T. taeniformis soll gleich dazu benutzt werden, einen kurzen Einblick in den Lebenszyklus dieses Parasiten zu gewähren. Die ausgewachsenen Bandwürmer sitzen im Dünndarm der Katze, wo sie sich mit den am Kopf befindlichen Saugnäpfen und Haken fest halten und eine Länge von bis zu einem halben Meter erreichen. Solche Längen sind im Vergleich zur Grösse des Wirtes beeindruckend, an sich jedoch nicht ungewöhnlich. Am Kopf befindet sich eine ständig nachwachsende Gliederkette, wobei sich in den einzelnen Gliedern sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane befinden. Bandwürmer sind also Zwitter und können sich selbst befruchten. Je näher die Glieder - auch Proglottiden genannt - dem Ende des Wurmes kommen, umso mehr bilden sich die Geschlechtsorgane zurück und umso mehr finden sich ausgereifte Eier darin. Am Ende angekommen, schnürt sich das Bandwurmglied vom ganzen Wurm ab und gelangt, teils durch die Darmbewegung, teils durch aktives Kriechen, zur und aus der Analöffnung. Im Freien zersetzen sich die Glieder relativ schnell und die Eier werden freigesetzt. Nun ist es wichtig, dass sie von geeigneten Zwischenwirten aufgenommen werden, damit die Weiterentwicklung gewährleistet ist. Für T. taeniformis sind dies Mäuse, Ratten und andere Nagetiere, die als Beute für die Katze in Frage kommen. In ihrer Leber entwickeln sich die Bandwurmfinnen (eigentlich ein Larvenstadium), die für die Katze infektiös sind. Frisst die Katze eine befallene Maus, so wird sich aus der Larve im Darm der Katze wieder ein ausgewachsener Bandwurm entwickeln, und der Zyklus ist geschlossen.
Der ausgewachsene Bandwurm entnimmt die Nährstoffe, die er braucht, direkt dem Darm seines Wirtes. Eine Katze, die einen einzelnen Bandwurm mit sich herumträgt, wird kaum Krankheitssymptome zeigen. Bei einem starken Befall hingegen kann es zu Erkrankungssymptomen kommen, die sich vor allem durch verminderten Appetit, Durchfall, Abmagerung und ein mattes Fell manifestieren.

  Bild Kopf eines Bandwurmes Abbildung 1:
Der Kopf eines Bandwurmes besteht meist aus einem oder mehreren Hakenkränzen an der Spitze und 4 Saugnäpfen. Diese "Werkzeuge" dienen dem Bandwurm zum Festhalten im Darm der Katze.

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  Bild Katzenbandwurm Abbildung 2:
Ein typischer Katzenbandwurm mit einem sehr kleinen Kopf und einer langen Gliederkette.

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Neben T. taeniformis kommt bei der Katze noch ein anderer Bandwurm relativ häufig vor, der Gurkenkern- oder Kürbiskernbandwurm (Dipylidium caninum). Er hat diesen Namen aufgrund der charakteristischen Form seiner Glieder erhalten. Auch dieser Wurm wird mehr als ein halber Meter lang und verfügt über Saugnäpfe sowie Hakenkränze an seinem Kopf, um sich im Darm fest halten zu können. Als Zwischenwirt benötigt Dipylidium jedoch Flöhe oder Haarlinge. Die Eier, die aus den Bandwurmgliedern freigesetzt werden, bleiben häufig am Fell kleben oder fallen zu Boden und werden von frühen Entwicklungsstadien der Flöhe oder Haarlinge aufgenommen. Darin entwickeln sich die Larvenstadien. Katzen sind wendige Jäger und erwischen des Öfteren eines dieser lästigen juckenden Tierchen im Fell. Beim Zerbeissen werden die Larven freigesetzt und geschluckt. Auch hier entwickelt sich aus der Larve im Darm der Katze ein ausgewachsener Bandwurm.
Die beiden hier vorgestellten Beispiele sind in der Schweizer Katzenpopulation häufig zu finden und stellen für den Menschen in der Regel kein gesundheitliches Problem dar. Trotzdem ist es aus hygienischen Überlegungen ratsam, grundsätzlich nach jedem Kontakt mit Tieren die Hände zu waschen. Bedenken Sie, dass die Wurmeier von blossem Auge nicht sichtbar sind.

Besonders wichtig wird diese Empfehlung im Zusammenhang mit dem kleinen gefährlichen Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis), der gelegentlich auch bei der Katze vorkommen kann. Dieser Bandwurm unterscheidet sich deutlich von den anderen beschriebenen, denn er wird nur etwa 1-3 mm gross und besteht selten aus mehr als 3 Gliedern. Seine Gefährlichkeit beruht darauf, dass neben der Maus auch der Mensch als (Fehl-)Zwischenwirt in Frage kommt, wenn er versehentlich Eier aufnimmt. Es kann, Jahre nach der Ansteckung, zur Bildung blasiger Larvenstadien in der Leber und anderen Organen kommen (alveoläre Echinokokkose), welche im schlimmsten Fall, ähnlich wie ein Tumor, das Gewebe durchwuchern, was zum Tod führen kann. Werden die Larven frühzeitig entdeckt, so ist eine Therapie möglich. Diese erstreckt sich aber häufig über Jahre und führt in der Regel nicht zur Heilung, sondern verhindert nur das weitere Wachstum der Larven. Zur allgemeinen Beruhigung darf jedoch gesagt werden, dass die alveoläre Echinokokkose beim Menschen sehr selten ist. Pro Jahr werden etwa 10 neue Fälle in der Schweiz registriert. Dabei ist zu beachten, dass die Katze nicht einen optimalen Wirt für den kleinen Fuchsbandwurm darstellt und daher bedeutend weniger Eier ausscheidet als der Fuchs und der Hund, die als typische Wirte gelten und in einzelnen Regionen auch häufig befallen sind. Dennoch, bei Katzen, die Mäuse jagen und verzehren, besteht die Möglichkeit eines Befalls mit diesem Bandwurm und somit ein Risiko für den Menschen. Eine Ansteckung des Menschen kann bei engem Kontakt mit dem Tier durch am Fell klebende Eier erfolgen. Wie bereits erwähnt, sind Erkrankungen jedoch sehr selten. Wir gehen davon aus, dass die überwiegende Mehrheit der Personen, die Kontakt mit Fuchsbandwurmeiern gehabt haben, diese innert kürzester Zeit eliminieren, sodass es gar nie zur Entwicklung der Larven und somit zur Erkrankung kommt.

  Bild Fuchsbandwurm Abbildung 3:
Der kleine gefährliche Fuchsbandwurm kann auch bei der Katze auftreten und ist nur wenige Millimeter gross. Deutlich erkennbar sind die Glieder und der Kopf. Das letzte Glied ist gefüllt mit (dunkel gefärbten) Eiern.

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Wie können Bandwürmer bekämpft werden?

Es stehen sehr wirksame Mittel zur Verfügung, die der Katze in Form von Tabletten eingegeben oder neuerdings auch als "Spot on" aufgetupft werden können. Einige Präparate werden von der Tierärztin/vom Tierarzt auch direkt gespritzt.
Katzen, die Mäuse jagen, werden innerhalb eines Monats mit grosser Wahrscheinlichkeit bereits wieder Bandwürmer im Darm beherbergen. Hier müssen die Besitzer/innen - am besten in Absprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt - entscheiden, wie häufig entwurmt werden soll. Sinnvoll ist 3 bis 4 x pro Jahr, in Gebieten mit einer starken Verbreitung des Fuchsbandwurmes kann jedoch eine monatliche Entwurmung gerechtfertigt sein. Wohlgemerkt, nicht wegen der Katze, sondern zum Schutz des Menschen!
Denken Sie auch an die Bekämpfung der Flöhe! Eine Neuansteckung mit dem Gurkenkernbandwurm wird am sichersten durch die Eliminierung von Flöhen und Haarlingen verhindert.

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Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 6 / 2000
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. Heinz Sager
Institut für Parasitologie, Universität Bern