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Die Pfoten sind von normaler, behaarter Haut überzogen. Die Ballen sind jedoch speziell aufgebaut. Sie sind haarlos und besitzen eine dicke, kompakte Hornschicht – das Ballenhorn – das vor mechanischen Verletzungen, Witterungs- und Umweltfaktoren schützt. Die Fettpolster in den Ballen sorgen für die nötige schlagabsorbierende Wirkung. Nervenendigungen und spezialisierte Mechano- und Thermorezeptoren dienen der Erkennung von Temperaturveränderungen, Einwirkung von Druck, Berührung, Bewegung, Vibrationen und Schmerz. Umfunktionierte Schweissdrüsen produzieren ein Sekret, das die Haftung der Ballen beim Rennen und Klettern verbessert.
Im Folgenden soll auf die verschiedenen möglichen Ursachen einer Pododermatitis näher eingegangen werden.

 

Infektiöse Ursachen

Die häufigsten infektiösen Erreger einer Pfotenentzündung bei der Katze sind Bakterien, Viren und Parasiten.

1. Bakterielle Pododermatitis und Paronychia

Die bakterielle Pododermatitis betrifft in der Regel v. a. die behaarte Zwischenzehenhaut und die Nagelbetten. Bei Beteiligung des Nagelbettes spricht man von einer Paronychia. Es handelt sich hierbei um eine feuchte bis krustöse schmerzhafte Hautentzündung, die ein bis mehrere Krallenbetten betreffen kann. Auslöser für eine bakterielle Paronychia sind Verletzungen wie z. B. Krallenab- und anrisse, Fremdkörper oder auch Folgeinfektionen, etwa bei allergischen Erkrankungen und generalisierter Immunschwäche, bedingt z. B. durch das feline Leukämievirus (FeLV) oder das feline Immunschwächevirus (FIV). Die Diagnose ist einfach zu stellen: Ein Hautabklatsch der betroffenen Region wird unter dem Mikroskop untersucht. Typischerweise können Eiterzellen und Rundbakterien gefunden werden. Mittels systemischer Antibiotika über ca. 3 Wochen können bakterielle Pfoten- und Nagelbettentzündungen zur Abheilung gebracht werden. Zusätzliche Pfotenbäder mit desinfizierenden Lösungen sind heilungsfördernd.

2. Virale Pododermatitis

Katzen können an verschiedenen viralen Hautentzündungen erkranken, die nebst andern Regionen auch die Pfoten betreffen. Am häufigsten sind Pockenviren, die vor allem im Herbst und bei Katzen in ländlicher Umgebung mit Kontakt zu Rindern und kleinen Nagern auftreten. Die Ansteckung erfolgt über die Infektion einer Verletzung. Das Pockenvirus ruft juckende, rundliche, knotige bis nässende Geschwüre an Kopf (Lippen, Augen, Backen) und an den Pfoten hervor. Die Diagnose erfolgt über den Erregernachweis aus Hautmaterial.
Die Erreger des Katzenschnupfens (Herpes- und Caliciviren) können ausser den typischen Schnupfensymptomen (Bindehautentzündungen, Schnupfen und Luftröhrenentzündung) auch erosive, verkrustende Hautveränderungen auf dem Nasenrücken, der Zunge, im Rachen und an den Pfoten verursachen. Die Diagnose erfolgt über Gewebeproben (Hautbiopsie) und den direkten Erregernachweis. Je nach Erreger kommen lokale oder systemische Medikamente zum Einsatz. Die Prognose ist vorsichtig bis günstig zu stellen.

3. Pilzinfektionen (Dermatophytose)

Vor allem junge Kätzchen erkranken häufig an Pilzinfektionen (Dermatophytose), die sich als haarlose, zum Teil gerötete und leicht schuppige Hautveränderungen manifestieren. Am häufigsten sind Kopf, Ohren, Pfoten, Vorderbeine und auch die Schwanzspitze betroffen. Mit geeigneten Methoden lässt sich eine Pilzinfektion schnell und einfach diagnostizieren. Als mögliche diagnostische Massnahmen kommen die Wood-Lampe (eine UV-Lampe, unter deren Licht bestimmte von den Pilzen ausgeschiedene Stoffwechselprodukte grün leuchten), die mikroskopische Untersuchung von Haaren und als Diagnostikum der Wahl die Pilzkultur in Frage. Woodlampe und mikroskopische Haaruntersuchung lassen eine sofortige Diagnose zu, während bei einer Pilzkultur ein Pilzwachstum erst nach 14 Tagen mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Speziell behandelte Pilznährböden erlauben durch einen Farbumschlag von gelb nach rot schon nach wenigen Tagen eine Verdachtsdiagnose. Dieser Farbumschlag entsteht durch den Abbau von Eiweissen im Nährboden, wobei die dadurch bedingte Säurewert-Veränderung zum roten Farbumschlag führt. Die definitive Diagnose kann jedoch erst gestellt werden, wenn die wachsenden Pilzfäden auch mikroskopisch als Dermatophyt identifiziert wurde.

Eine Dermatophytose kann je nach Schweregrad und Anzahl betroffener Haustiere eine therapeutische Herausforderung darstellen. Nicht nur müssen alle Haustiere auf einen möglichen Pilzbefall untersucht werden, es muss auch eine gründliche Umgebungssanierung durchgeführt werden, damit die bis zu zwei Jahre überlebensfähigen Sporen entfernt werden können. Dermatophyten sind Zoonoseerreger. Das bedeutet, dass sich vor allem ältere, immungeschwächte Menschen und Kinder sehr leicht anstecken können. Bei infizierten Menschen äussert sich die Dermatophytose als gerötete, rundliche, meist juckende und leicht schuppende Hautveränderungen an Armen, Gesicht und Oberkörper. Die Behandlung befallener Katzen erfolgt mittels Tabletten und lokaler Therapie. Die Therapie wird so lange fortgesetzt, bis mindestens eine Pilzkultur mit negativ getestet wurde. Oft ist eine mehrwöchige Behandlung notwendig.

4. Parasitäre Pododermatitis

Die wichtigsten Parasiten, die eine Pododermatitis bei Katzen auslösen können, sind die Herbstgrasmilben (Trombicula autumnalis). Diese Milben leben in Gehölzen und auf Gräsern und vermehren sich mit Vorliebe bei feuchtem, kühlem Wetter (deshalb auch der Name Herbstgrasmilbe). Nur die Larven sind Parasiten und befallen mit Vorliebe Pfoten, Gesicht und Ohren von Katzen. Die Larven sind von blossem Auge leicht erkennbar: als kleine orange Punkte, die in Gruppen der Haut anhaften. Die Larven sind Blut saugend und können eine allergische Reaktion hervorrufen. Deshalb zeigen die befallenen Katzen oft einen ausgeprägten Juckreiz. Die Behandlung erfolgt durch gängige Flohmedikamente.

Eine weitere Ursache für eine parasitäre Pododermatitis ist der Befall mit Notoedres-Milben. Diese mikroskopisch kleine Milbe befällt junge oder ältere, immunschwache Tiere und ruft einen ausgeprägten Juckreiz hervor. Durch das ständige Kratzen zeigen befallene Tiere massive Hautverletzungen mit dicken, borkigen Schuppen. Die Diagnose erfolgt über den mikroskopischen Nachweis des Parasiten in Hautgeschabseln. Die Prognose ist günstig, die Therapie erfolgt mit gängigen Milbe-abtötenden Medikamenten.

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Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 3 / 2006
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autorin:
Dr. med. vet. Claudia S. Nett-Mettler
Diplomate American & European College of Veterinary Dermatology
Dermatologie und Allergologie für Tiere
c/o Tierärztliche Spezialistenklinik
Rothusstrasse 2
6331 Hünenberg
www.vetderm.ch
E-Mail: dr.nett AT vetderm.ch