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Die Schilddrüsenüberfunktion der Katze

Behandlungsmöglichkeiten

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Ist die Diagnose einmal gestellt, bieten sich drei Therapiemöglichkeiten an:
die chirurgische Entfernung der Schilddrüse, die medikamentelle Unterdrückung der Schilddrüsenhormonproduktion oder die radioaktive Iodtherapie. Eine potenzielle Heilung ist durch die Operation und die Iodtherapie möglich. Die Medikamente verhindern lediglich die übermässige Hormonwirkung und müssen lebenslänglich täglich verabreicht werden.

Operation

Soweit es der Allgemeinzustand der Katze zulässt, gilt eine operative Entfernung der Schilddrüse heute noch als Therapie der Wahl. Es muss jedoch abgeschätzt werden, ob das Anästhesierisiko für die Katze nicht zu hoch ist. Auch sollte vor einem Eingriff die Nierenfunktion überprüft werden. Bei einem Verdacht auf ektopisches (verstreutes) Schilddrüsengewebe müssen szintigraphische Untersuchungen (s. o.), bei Verdacht auf einen bösartigen Tumor eine Suche nach Metastasen erfolgen. Nach der Operation kann es wegen der unmittelbaren Nachbarschaft der Nebenschilddrüse, die ein wichtiges Organ für die Kalziumregulation ist, zu Kalziumhaushaltstörungen (Kalziummangel) kommen. Die betroffenen Tiere beginnen zu zittern, werden unruhig und können Krämpfe zeigen. Diese können lebensbedrohlich werden, wenn sie unbemerkt und unbehandelt bleiben. In solchen Fällen muss das Kalzium kontrolliert werden, und wenn nötig wird Kalzium ergänzt. Nach der Entfernung beider Schilddrüsenlappen besteht ausserdem die Gefahr einer Schilddrüsenunterfunktion, die jedoch häufig nur vorübergehend einer Therapie bedarf, da meist noch verbleibendes Schilddrüsengewebe die Funktion übernehmen kann. In sehr seltenen Fällen kommt es durch die Verletzung nahe gelegener Nerven zu deren Funktionsverlust, was sich u. a. in Stimmverlust und verstärkten Atemgeräuschen äussert. Diese möglichen Probleme sind selten, sprechen daher beim operationsfähigen Tier nicht gegen die Entfernung der Schilddrüse.

Medikamentelle Behandlungsmethoden

Bei dieser Therapiewahl wird die Behandlung meistens mit schilddrüsenhemmenden Medikamenten durchgeführt. Die Hormonwerte werden auf diese Weise in den Normalbereich korrigiert. Gelegentlich können Nebenwirkungen wie Erbrechen, Appetitverlust bis Futterverweigerung, seltener Blutbildveränderungen und Hautausschläge auftreten. Meist verschwinden diese Symptome rasch von selbst wieder. Andernfalls muss die bereits erwähnte Operation oder die medikamentelle Therapie mit Gaben von radioaktivem Iod in Betracht gezogen werden: Das verabreichte und nun in der Schilddrüse eingelagerte Iod bestrahlt und macht somit das Gewebe durch den radioaktiven Zerfall funktionsunfähig. Bei dieser Behandlungsmethode müssen die Tiere in eine dafür eingerichtete Klinik überwiesen werden und dürfen diese erst nach Erreichen einer Mindeststrahlenmenge wieder verlassen. Im Durchschnitt ist dies nach acht bis zwölf Tagen der Fall.

 

Prognose

Die Prognose ist stark vom allgemeinen körperlichen Zustand zum Zeitpunkt der Diagnose abhängig. Bestehen noch keine Folgeschäden an Organen, ist die Prognose gut, d. h. die Katze kann noch lange Zeit mit guter Lebensqualität leben (wenn auch je nach Therapiewahl mit Medikamenten), zumal die chirurgische Methode sowie die Iod- Therapie eine totale Heilung ermöglichen können. Monate bis Jahre nach dem chirurgischen Entfernen der Schilddrüsen ist ein Rückfall möglich, weil das verbleibende Restgewebe mit der Zeit wieder zu einer Überfunktion führen kann. Liegen jedoch bereits irreparable Organschäden z. B. an Niere oder Herz vor, ist die Prognose ungünstig. In einer solchen Situation muss man bezüglich des Schweregrades der einzelnen Krankheiten Prioritäten setzen. Ist beispielsweise das Herz bereits kurzfristig der limitierende Faktor, muss sicherlich eine Stabilität dieses Organs angestrebt werden. Dasselbe gilt für die Nieren. Erlangt man eine Stabilität unter guter Lebensqualität, kann in zweiter Linie die Schilddrüsenüberfunktion angegangen werden.

Bei einer älteren Katze mit verschiedensten Symptomen muss immer an eine Schilddrüsenüberfunktion gedacht werden. Denn es handelt sich doch um eine häufige Krankheit. Aber nicht jede Katze zeigt ein struppiges Fell, Abmagerung bei gesteigertem Appetit und sucht kühle Plätze auf. Diese Tatsache kann die Diagnosestellung schon mal erschweren.

Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 3 / 2003
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autorin:
Dr. med. vet. Angela Keiser-Semder,
Tierklinik Obergrund Luzern,
www.tierklinik-obergrund.ch