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Taubheit bei Katzen

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Die scheinbar blaue Färbung des Auges bei weissen Katzen ist auf eine fehlende Pigmentierung des Gewebes in der Regenbogenhaut (Iris) zurückzuführen. Die Pigmentierung wiederum erfolgt durch spezialisierte Zellen, so genannte Melanozyten. Diese Melanozyten produzieren aber nicht nur den für die Pigmentierung verantwortlichen Farbstoff Melanin. Im Innenohr spielen sie offenbar eine zentrale Rolle für die Funktion des Hörvermögens, wobei ihre genau Aufgabe dabei nicht vollständig klar ist. Man weiss, dass es bei Abwesenheit von  Melanozyten in einem bestimmten Teil des Innenohrs zur Degeneration der Strukturen kommt, die für das Aufnehmen und die Verarbeitung von Schallwellen verantwortlich sind. Die Folge dieser Degeneration ist eine in der Regel vollständige Gehörlosigkeit. Der Hörnerv selber und die für das Hören zuständigen Hirnstrukturen werden von der Degeneration nicht betroffen. Allerdings kommt es durch die fehlende Sinneswahrnehmung zu einer ungenügenden Entwicklung und Vernetzung der Hirnareale, die für das Hören vorgesehen sind.

Dieser fehlende Reifeprozess des zentralen Gehörsystems zieht beim Menschen nachhaltig negative Folgen für die Erlangung des Sprechvermögens nach sich. Die für die Sprache zuständigen Hirnstrukturen sind vergleichsweise von kleinerer Grösse als bei hörenden Individuen. Dieses Phänomen ist auch bei tauben Tieren zu beobachten, natürlich ohne die Folge einer Taubstummheit. Ganz ohne Einfluss auf die Lautäusserung ist die Taubheit allerdings auch bei Katzen nicht: Sie können durch lautes, anhaltendes Miauen auffallen. Man nimmt an, dass durch die abwesende Wahrnehmung der eigenen Stimme im zentralen Nervensystem keine Modulation und Hemmung ihrer Lautstärke erfolgt.

Zahlreiche Publikationen beschäftigen sich mit der gehörlosen weissen Katze, und in der Folge wurde sie zu einem beliebten Forschungsobjekt und dient als Modell, um verschiedene Aspekte der angeborenen Taubheit beim Menschen zu studieren. So wurden weisse Katzen gezielt auf Taubheit hin gezüchtet. Mit Erfolg, wie die hohen Taubheitsraten bei weissen Katzen belegen: 85 % der Katzen mit zwei blauen Augen sind einseitig taub und 65 % beidseitig. Die Häufigkeit von tauben Katzen mit nur einem blauen Auge beträgt demgegenüber bloss noch 40 % für ein- oder beidseitige Taubheit. Unter weissen Katzen mit pigmentierter Iris sind nur noch ungefähr 20 % ein- oder beidseitig gehörlose Tiere zu finden. Über die Taubheitshäufigkeit bei Rassekatzen, bei denen das Zuchtziel ja gerade nicht Taubheit ist, gibt es bis heute keine eindeutigen Angaben. Man schätzt, dass in Zuchtpopulationen unter weissen Katzen 10–20 % ein- oder beidseitig gehörlos sind. Diese Angaben sind aber mit Vorsicht zur Kenntnis zu nehmen, da sie nicht objektiv mittels Audiometrie erhoben wurden, sondern häufig nur mit der unzuverlässigen Methode der Verhaltensbeobachtung.

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Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 5 / 2006
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. Frank Steffen
Dipl. ECVN, Neurologie/Neurochirurgie
Tierklinik Obergrund
Schlossstr. 11
6005 Luzern
und
Departement für Kleintiere, Universität Zürich
Winterthurerstr. 260
8057 Zürich