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Taubheit bei Katzen

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Das weisse (W) Pigmentgen ist autosomal dominant über Farbe. Dieses Gen findet sich bei einer Reihe von Katzenrassen, und wo dieser Erbfaktor vorhanden ist, steigt auch das Risiko für angeborene Taubheit (z. B. bei Norwegischen Waldkatzen, Maine Coons, British Shorthairs, Persern, Devon Rex, Türkisch Angoras oder europäischen Hauskatzen). Es gilt zu berücksichtigen, dass genetisch gesehen „weiss“ nicht gleich „weiss“ ist. Weisse Fellfarbe kann auch durch andere Erbfaktoren als das Weissgen entstehen. So sind etwa Albinokatzen ebenfalls weiss, haben aber stets eine rötliche Augenfarbe und leiden nicht an angeborener Taubheit. Auch bei weissen Siamkatzen mit blauen Augen ist Taubheit unbekannt, weil der weissen Farbe auch hier ein anderes Gen zugrunde liegt.

Der exakte Vererbungsmodus für Taubheit bei weissen Katzen mit blauen Augen ist bis heute nicht klar. Vermutet wird das Vorliegen eines so genannten genetischen Pleiotropismus. Dies bedeutet, dass ein einzelner Erbfaktor für das Vorhandensein von mehreren Merkmalen verantwortlich ist. Im vorliegenden Fall heisst das, dass ein Gen sowohl für die Augenfarbe als auch für die Taubheit verantwortlich ist. Dabei folgt dieses Gen nicht dem klassischen Vererbungsmuster nach Mendel – und genau dies bereitet den Genetikern Schwierigkeiten bei der Bestimmung des offensichtlich komplexen und möglicherweise sogar auf mehreren Genwirkungen beruhenden Erbgangs.

Immerhin so viel ist aus Zuchtexperimenten bekannt: Die Anzahl von tauben Katzenwelpen in einem Wurf nimmt mit steigender Zahl von tauben Ohren bei den Eltern zu. Beidseitig taube Elterntiere haben also mehr taube Nachkommen, als wenn z. B. nur ein Elternteil gehörlos ist. Die vorläufig gültige Zuchtempfehlungen für Katzen mit dem Weissfaktor W richten sich denn auch nach dieser Erkenntnis: Elterntiere mit weissem Fell sollten mindestens pigmentierte Augen aufweisen, und weisse Tiere mit einem bei Geburt sichtbaren Farbfleck am Kopf seien gegenüber vollständig Weissen zu bevorzugen. Die Zucht mit zwei vollständig weissen Eltern ist auch in der Schweiz bei gewissen Rassen (z. B. Maine Coon und Türkisch Angora) sogar verboten. Am wertvollsten für den Zuchtentscheid ist natürlich ein audiometrischer Test, der das Hörvermögen zuverlässig nachweist. Die bei Katzen noch weit verbreitete Beurteilung des Gehörs mittels Verhaltensbeobachtung nach Stimulation mit Geräuschen ist unzuverlässig und wird zahlreiche einseitig taube Tiere nicht erfassen (siehe nächste Seite).

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Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 5 / 2006
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. Frank Steffen
Dipl. ECVN, Neurologie/Neurochirurgie
Tierklinik Obergrund
Schlossstr. 11
6005 Luzern
und
Departement für Kleintiere, Universität Zürich
Winterthurerstr. 260
8057 Zürich