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Toxoplasma gondii

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Toxoplasma gondii ist ein Parasit, der sich auf die Katze spezialisiert hat. Nur im Darm einer Katze oder anderer Katzenartigen können sich Toxoplasmen geschlechtlich vermehren. Es entwickeln sich dort die so genannten Oozysten. Dabei handelt es sich um Dauerstadien, die mit dem Kot der Katze ausgeschieden werden und sich als sehr resistent gegenüber Witterungseinflüssen erweisen. Unmittelbar nach der Ausscheidung sind die Oozysten noch nicht ansteckend. Sie müssen zuerst heranreifen, damit sie andere Tiere oder den Menschen infizieren können. Dies ist ein wichtiger Schritt, denn wie z. B. die Bandwürmer (siehe Katzen Magazin 6/00) benötigen auch die Toxoplasmen einen Zwischenwirt für ihre Weiterentwicklung, und dafür ist ihnen praktisch jedes Lebewesen recht. Werden also die Oozysten von einer Kuh, einem Hund, einer Maus, einem Vogel oder vom Menschen aufgenommen, so werden daraus die Toxoplasmen schlüpfen und ins Gewebe vordringen. Man findet sie dann in verschiedenen Organen, hauptsächlich in der Muskulatur oder im Gehirn der befallenen Tiere oder des Menschen. Frisst eine Katze toxoplasmenhaltiges Fleisch, schliesst sich der Zyklus, indem sich die Parasiten in ihrem Darm vermehren und erneut Dauerstadien bilden können.

Bild Gewebezyste nach Toxoplasmeninfektion (im Gehirn eines Zwischenwirtes) Abbildung 1:
In verschiedenen Organen, im vorliegenden Fall im Gehirn des Zwischenwirtes, entstehen nach Infektion mit Toxoplasma so genannte Gewebezysten, die mehrere tausend Exemplare dieses Parasiten beinhalten können. Der Durchmesser dieser Zysten liegt bei weniger als 1/10 mm.
 
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Bei der Katze wird ein Befall mit Toxoplasmen kaum je zu Krankheitssymptomen führen. Die grosse Bedeutung dieses Parasiten liegt darin, dass bei Zwischenwirten - und damit auch beim Menschen - manchmal gesundheitliche Probleme auftreten können. Gefährlich ist folgende Situation: Eine schwangere Frau steckt sich zum ersten Mal mit Toxoplasma an. Das Abwehrsystem kennt diesen Parasiten noch nicht und kann ihn nicht sofort bekämpfen. In der Zwischenzeit haben sich die Toxoplasmen aber schon in verschiedenen Organen, in der Muskulatur und auch in der Gebärmutter der Frau, eingenistet. In dieser Situation kann der Parasit auf das werdende Kind übertragen werden und es schädigen. Die Folge kann eine Fehlgeburt oder die Geburt eines missgebildeten Kindes sein.
Kommt eine Frau jedoch bereits vor der Schwangerschaft mit diesem Parasiten in Kontakt, baut das Abwehrsystem normalerweise eine schützende Immunität auf. Die Toxoplasmen stellen daher bei einer späteren Schwangerschaft keine Gefahr mehr dar. Leider funktioniert bei Personen mit Immunschwäche-Krankheiten das oben erwähnte Abwehrsystem nur noch ungenügend, sodass die Toxoplasmen in verschiedenen Organen zu Schäden führen können. Wird nicht frühzeitig mit Medikamenten gegen diesen Parasiten vorgegangen, kann dies im schlimmsten Fall zum Tod führen.

In der Regel untersucht die Ärztin oder der Arzt das Blut einer schwangeren Frau möglichst früh auf Vorhandensein von Antikörpern gegen Toxoplasmen. Können solche nachgewiesen werden, wird dieser Parasit nicht mehr als Gefahr betrachtet. Sind jedoch keine Antikörper vorhanden, muss davon ausgegangen werden, dass das Abwehrsystem den Parasiten noch nicht kennt. Eine Schädigung des Kindes durch eine Ansteckung während der Schwangerschaft ist dann also möglich. Die Ärzte empfehlen dann jeweils, Kontakt zu Katzen zu vermeiden. Was tut man aber, wenn man selbst eine Katze zu Hause hat? Eine Möglichkeit wäre, die Katze während der Schwangerschaft bei Bekannten oder in einer Tierpension unterzubringen. Nun werden sich aber die wenigsten mit einer solchen Empfehlung anfreunden können. Sie möchten ihre Katze lieber bei sich behalten. Mit gewissen Vorsichtsmassnahmen ist dies auch möglich. Wir empfehlen folgendes Vorgehen: Die Reinigung des Katzenkistchens sollte einer anderen Person überlassen werden, da vom Katzenkot die grösste Gefahr ausgeht. Durch eine tägliche Reinigung wird vermieden, dass die ausgeschiedenen Oozysten ansteckend werden, denn wie bereits erwähnt, müssen sie zuerst einige Tage reifen, bevor sie infektiös werden. Auch bei der Gartenarbeit gilt es, Vorsicht walten zu lassen. Es ist denkbar, dass fremde Katzen im Garten ihren Kot absetzt haben. Schwangere sollten sich daher Wegwerf-Plastikhandschuhe für diese Tätigkeiten überziehen.
Um abzuklären, ob eine Katze Toxoplasmen ausscheidet, können parasitologische Untersuchungen des Kotes durchgeführt werden. Die Ausscheidung dauert meist nur ein paar Tage bis maximal 3 Wochen, und eine mehrmalige Untersuchung erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Nachweises. Findet keine Ausscheidung statt, so gilt es eine Ansteckung der Katze zu verhindern. Achten Sie daher darauf, was Ihre Katze frisst bzw. was sie zu fressen erhält. Rohes Fleisch, das vorgängig nicht tiefgefroren wurde, ist immer eine mögliche Ansteckungsquelle.

Bild Toxoplasma-Oozysten Abbildung 2:
Die mit dem Kot der Katze ausgeschiedenen Toxoplasma-Oozysten sind nur 1/100 mm gross. Die vorliegende Abbildung zeigt ein ausgereiftes und daher auch für den Menschen infektiöses Stadium.

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Auch die Katze wehrt sich mit ihrem Immunsystem gegen diesen Parasiten und versucht ihn mit Abwehrmassnahmen zu eliminieren. Somit können auch im Blut der Katze Antikörper festgestellt werden. Leider bedeutet das Vorhandensein der Antikörper nicht, dass die Katze nie mehr Toxoplasmen mit dem Kot ausscheiden wird. Es kann in Einzelfällen (z. B. nach oder während einer durchgemachten Krankheit) erneut zur Ausscheidung kommen. Um dies zu verhindern, könnte eine Dauermedikation der Katze durchgeführt werden, indem ein toxoplasmenhemmendes Medikament täglich über das Futter verabreicht wird. Dieses Vorgehen ist aber relativ teuer und bietet auch keinen hundertprozentigen Schutz.

Die Katze ist jedoch nicht die einzige Ansteckungsquelle für den Menschen. Wie vorher erwähnt, finden sich die Toxoplasmen in der Muskulatur und diversen Organen von praktisch allen Tierarten. Vor allem im Fleisch von Schafen, aber auch von Rindern und Schweinen, können diese mikroskopisch kleinen Parasiten nachgewiesen werden. Wird das Fleisch gekocht, besteht für die Konsumentinnen und Konsumenten keine Gefahr. Nicht ganz unbedenklich ist aber das Verspeisen von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch, denn hier wurden die Toxoplasmen mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht abgetötet (Beefsteak Tartar, Rohschinken, etc.). Nach der Zubereitung des rohen Fleisches sollten unbedingt die Hände gewaschen werden, sonst besteht die Möglichkeit, dass die Toxoplasmen auf andere Speisen verschleppt werden.

Eine andere Möglichkeit, die Toxoplasmen abzutöten, besteht darin, das Fleisch während mindestens 3 Tagen einzufrieren. Bedenken Sie, dass grosse Stücke länger brauchen, bis auch der Kern gefroren ist. Nötig sind Temperaturen um -20° C. Von vielen Geräten wird dieser Wert jedoch nicht erreicht, daher sollte das Fleisch länger als die empfohlenen 3 Tage eingefroren bleiben.

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Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 1 / 2001
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. Heinz Sager
Institut für Parasitologie, Universität Bern