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Unsichtbare Schädlinge (Toxoplasmen und Giardien)

Giardien

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Der Begriff Giardia oder "Lamblien" dürfte vielen Leserinnen und Lesern von Reiseberichten bekannt sein. Es handelt sich um mikroskopisch kleine Durchfallerreger von birnenförmiger Gestalt mit Geisselfortsätzen, die sich im Dünndarm von Mensch und Tier aufhalten. Auf ihrer Bauchseite befindet sich ein Saugnapf, mit dem sie sich an der Darmwand fest halten können. Sie dringen also nicht in das Gewebe ein, sondern vermehren sich millionenfach auf der Oberfläche der Darmschleimhaut. Um andere Lebewesen befallen zu können, umgeben sich jeweils zwei Giardien mit einer schützenden Hülle, und lassen sich als Zyste mit dem Kot nach draussen transportieren. Meist werden sie mit dem Regen weggespült oder von Fliegen verschleppt. Von der Zystenwand gut geschützt, warten sie Tage bis Wochen, bis sie von einem neuen Wirt über das Wasser oder verschmutzte Nahrungsmittel aufgenommen werden.

Bild Giardien Abbildung 3:
Die Giardien haben eine birnenförmige Gestalt. Typisch sind die 2 Kerne, die den Eindruck eines Augenpaares hinterlassen, sowie die Geisseln zur Fortbewegung.

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Viele Menschen und Tiere beherbergen Giardien im Darm, ohne sich krank zu fühlen. Trotzdem scheiden sie den Parasiten mit ihrem Stuhl bzw. Kot aus. Andere befallene Individuen leiden an Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall. Beim Menschen wird eine Infektion mit Giardien meist mit einer Reise in tropische Regionen oder Abenteuerreisen in die freie Natur erklärt. Tatsächlich sind die hygienischen Bedingungen in diesen Gebieten oder "Camps" oft ungenügend, sodass eine Ansteckung durch Wasser oder Nahrungsmittel leicht möglich ist. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass Giardien auch in der Schweiz vorkommen und gerade bei der Katze zu den am häufigsten gefundenen Parasiten in Kotuntersuchungen gehören!

Bild Giardien an der Darmwand Abbildung 4:
Durch ihren Bauchsaugnapf können sich die Giardien an der Darmwand fest halten. Die hier gezeigte Mikroskopaufnahme zeigt eine Anzahl Giardien auf der Darmschleimhaut. An einzelnen Stellen sind nur noch die Abdrücke der Saugnäpfe auf der Darmoberfläche sichtbar, während die Giardien bereits weitergezogen sind.
 
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Verschiedene Studien wurden durchgeführt um abzuklären, ob die Giardien der Katze auch auf den Menschen übertragbar sind. In vielen Fällen konnten die Parasiten bei der Katze nachgewiesen werden, jedoch nicht bei deren Besitzerinnen und Besitzern. Die Situation scheint daher nicht gerade besorgniserregend zu sein, trotzdem sind sich praktisch alle Parasitologen einig, dass die Katze eine mögliche Ansteckungsquelle für den Menschen darstellt.

Wie können Sie feststellen, ob Ihre Katze Giardien ausscheidet? Am einfachsten ist eine Untersuchung des Kotes. Dort können die ausgeschiedenen Dauerstadien direkt nachgewiesen werden. Noch exakter ist ein Test, der nicht die ganzen Giardien, sondern nur kleine Strukturen und Produkte davon nachweist. Dieser Test wird in der Humanmedizin angewandt und ist für einen routinemässigen Einsatz in der Veterinärmedizin leider zu teuer.
Ein Befall mit Giardien kann und sollte behandelt werden. Zur Verfügung stehen verschiedene Medikamente, die meist über mehrere Tage verabreicht werden müssen. Leider zeigt es sich, dass es immer wieder Fälle gibt, in denen bereits kurz nach der Behandlung die Giardien wieder nachgewiesen werden können. Eine Erklärungsmöglichkeit besteht darin, dass sich das betreffende Tier erneut angesteckt hat. In diesem Fall müsste abgeklärt werden, ob irgendwo in der Umgebung eine Ansteckungsquelle zu finden ist. Die andere Erklärung besteht darin, dass sich die Giardien während der Behandlung im Gallengang verstecken und für das Medikament nicht zugänglich sind. Erschwerend kommt in diesen Fällen hinzu, dass die befallenen Tiere selbst nicht in der Lage sind, den Parasiten erfolgreich zu bekämpfen. Es handelt sich dabei um so genannte Dauerausscheider. In diesen Fällen wird es notwendig sein, die Behandlung in regelmässigen Abständen zu wiederholen.

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Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 1 / 2001
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. Heinz Sager
Institut für Parasitologie, Universität Bern