Die Parodontalerkrankungen

 

Anatomie und Funktion des Hundegebisses *** Die Paradontalerkrankungen *** Andere wichtige Erkrankungen

Die meisten tierzahnärztlichen Eingriffe erfolgen wegen der Parodontalerkrankungen. Zu diesem Oberbegriff gehören Plaque, Zahnstein, Zahnfleischentzündung, Zahnfleischschwund und auch Zahnausfall. Wie es dazu kommt und wie Hund und Besitzer vorbeugen können, soll nun dargelegt werden.
Die Wurzel allen Übels ist Plaque. Plaque ist der weissliche abschabbare Zahnbelag, den die Menschen mehrmals täglich mit der Zahnbürste entfernen. Plaque besteht zum grössten Teil aus Bakterien und ihren Stoffwechselprodukten sowie Futterresten, Eiweissen und Schleimhautzellen. Plaque bleibt vorwiegend im Sulcus gingivalis haften.

Bild: Schematische Darstellung einer Parodontitis Abbildung 3: Schematische Darstellung einer Parodontitis. Der Sulcus gingivalis (grau) und mit Plaque, Zahnstein und Bakterien gefüllt. Die Bakterien befallen die Gingiva (violett) und den Knochen (dunkelgelb). Die Entzündung breitet sich aus (Pfeile).

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Aus unbehandelter Plaque bildet sich innert weniger Tage zusammen mit Speichel der Zahnstein. Dieser ist ohne professionelle Hilfe nicht entfernbar. Zahnstein entsteht besonders dort, wo Speicheldrüsenöffnungen in die Maulhöhle münden, nämlich im Bereich der Aussenseite der oberen Backenzähne und der Innenseite der unteren Schneidezähne. Entgegen der weit verbreiteten Meinung stinkt Zahnstein nicht. Der Gestank aus dem Maul kommt von der Zahnfleischentzündung. Diese wird durch die in der Plaque sitzenden Bakterien verursacht. Zunächst beschränkt sich die Entzündung auf die Gingiva (Gingivitis), später arbeitet sie sich in Richtung Wurzel aus und befällt den gesamten Zahnhalteapparat (Parodontitis). Der Sulcus gingivalis wird tiefer, enthält Eiter und manchmal Futterreste. Das Zahnfleisch blutet leicht, wird schlaff und schmerzt. Im Endstadium fallen die Zähne aus, weil auch der Kieferknochen durch die Entzündung geschwächt wird.

Bild: Parodontalerkrankung bei einem zweijährigen Bullterrier Abbildung 4: Parodontalerkrankung bei einem zweijährigen Bullterrier. Die Zähne sind mit einer dicken Zahnsteinschicht belegt. Der Hund stinkt aus dem Maul und frisst nicht mehr gerne hartes Futter.

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Falls Zahnsteinbeläge oder eine Zahnfleischentzündung vorliegen, muss der Hund bei Gelegenheit zum Tierarzt. Dort wird Zahnstein entfernt und die Maulschleimhaut gereinigt. Der Tierarzt verwendet heute neben den üblichen Handinstrumenten auch das Ultraschallgerät. Mit seinen Hochfrequenzschwingungen wird den Zahnstein gelöst und fällt ab. In ausgewählten Fällen wird auch die Wurzel geglättet und der Zahn poliert. Beides soll verhindern, dass allzuschnell wieder Plaque haften bleibt. Bei einem starken Zahnsteinbefall und fortgeschrittener Parodontitis ist es ratsam, betroffene Zähne zu ziehen. Damit kann einer auf die Kieferknochen sich ausbreitenden Entzündung Einhalt geboten werden. Das Zahnfleisch wird normalerweise mit desinfizierenden Lösungen behandelt.
Die Gebissreinigung beim Kleintierspezialisten ist nur dann von nachhaltiger Wirkung, wenn Plaque regelmässig entfernt wird, so dass sie nicht wieder zu Zahnstein und Entzündung führt. Nicht anders als beim Menschen geschieht dies durch Zähneputzen zu Hause, denn auch bei Hund gilt: Vorbeugen ist besser als Heilen. Am besten lässt sich der interessierte Hundehalter (Katzen sind in dieser Beziehung etwas weniger kooperativ) die Prozedur beim Tierarzt vorführen. Sie besteht am Anfang aus einfacher Massage der Wangenschleimhaut über den Oberkieferbackenzähnen. Toleriert der Hund diese Behandlung, fährt man weiter mit einem Tüchlein, welches direkt auf den Zähnen die Plaque abstreifen soll. Als letzten Schritt kann eine weiche Hundezahnbürste verwendet werden. Es dürfen jedoch keine Humanzahnpasten eingesetzt werden, da sie für die Maulschleimhaut zu aggressiv sind. Es gibt heute verschiedene Hundezahnpasten in diversen Geschmacksorten wie Poulet oder Fisch. Nach jeder erfolgreich durchgeführten Zahnreinigung soll der Hund belohnt werden. Er soll mit dem Zähneputzen eine positive Erfahrung verbinden. Das Zähneputzen zu Hause macht nur Sinn, wenn es mindestens dreimal wöchentlich angewendet wird. Bei Unterbrechungen von länger als drei Tagen ist aus Plaque nämlich schon wieder Zahnstein entstanden. Dieser lässt sich nur wieder unter Narkose beim Tierarzt entfernen.

Bild: Zähneputzen beim Hund Abbildung 5: Zähneputzen beim Hund ist keine Hexerei. Übung macht den Meister.

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Nicht bei allen Hunden oder Katzen entstehen Zahnstein oder eine Zahnfleischentzündung gleich schnell. Individuelle Unterschiede, die allgemeine Gesundheit, das Verhalten, die Kopfform, die Zahnstellung und vor allem die Art des Futters beeinflussen den krankmachenden Prozess. Hartes und gut strukturiertes Futter sorgt auf natürliche Weise dafür, dass Plaque von den Zähnen abgestreift wird. Kauspielzeuge, auf welchen vor allem mit den Backenzähnen hart gearbeitet werden muss, erfüllen einen ähnlichen Zweck und können die Häufigkeit der zahnärztlichen Tierarztbesuche reduzieren.

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Dieser Artikel ist erschienen in HUNDE 2/01

Autor:
Daniel Koch
Dr. med. vet. ECVS
Ueberweisungspraxis für Kleintierchirurgie
Rhyaecker 7
CH-8253 Diessenhofen
www.dkoch.ch