Meerschweinchen haben 20 Zähne, vier Nagezähne und sechzehn Backenzähne; Kaninchen deren 28, vier Nagezähne, zwei Stiftzähne und 22 Backenzähne.
Die Zähne dieser Tiere wachsen zeitlebens. Ein Überwachstum wird durch gegenseitigen Abrieb der Zähne bewirkt. Bei einer vorübergehenden Schwäche werden die Zähne zu wenig abgenützt, was in der Folge zu Zahnproblemen führen kann.
Nicht die harte Nahrung, sondern die Reibung während der Kaubewegungen führt zur Abnützung der Zähne. Nagetiere sind darauf angewiesen, immer etwas zum Nagen zu haben. In der Natur sind das Wurzeln und Äste. Wir füttern Buchen-, Rottannen- und Obstbaumzweige, sowie viel Heu.
Das lebenslange Wachstum macht die Zähne zu einer dynamischen Angelegenheit. Auch nach einer Korrektur muss nicht selten zwei bis dreimal nachkorrigiert werden bis sich alles eingespielt hat.
Selbst minimale Spitzen können erhebliche Beschwerden hervorrufen. Kleinste Feinheiten kann der Tierarzt nicht einpassen, die muss der Patient mit Kaubewegungen selbst machen. Deshalb muss das Tier mit attraktivem Futter zum Kauen animiert werden: Löwenzahn, Gras, Melone, gutes Heu etc.
Ja, auf jeden Fall, aber nach einem bestimmten Muster: Man muss die Patienten zum Fressen und Kauen animieren. Erst wenn er in der Gruppe mitgefressen wird dem Patienten zugefüttert. Macht man es umgekehrt, wird das Tier nicht mehr fressen, weil es keinen Hunger mehr hat.
Die grosse Mehrheit der Kieferabszesse hat ihren Ursprung bei einem Zahnfach. Der betroffene Zahn (=Primärursache) muss entfernt werden, wenn man das Problem dauerhaft beheben will.
Wichtig ist die Kontrolle, ob alle Tiere immer zur Fütterung erscheinen, und die Beobachtung des Fressvorganges. Eine wöchentliche Gewichtskontrolle mit der Waage ist unerlässlich, denn die Tiere verlieren an Gewicht lange bevor man es von Auge erkennen kann.
Das Tier hat nicht gefressen, sondern es hat es trotz der grossen Schmerzen lediglich versucht. Der verzweifelte Versuch, Nahrung aufzunehmen, wird oft als Fressgier interpretiert.
Ja, sicher. Es ist aber sehr hilfreich, wenn man solche Probleme möglichst früh erkennt und sofort handelt. Der Erfolg ist abhängig vom Lebenswillen des Patienten, sowie von der Geduld und der Ausdauer der Besitzer.
Autor:
G. Morgenegg, Dorfstr. 70, 8912 Obfelden
März 2003