Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin
Association Suisse pour la Médecine des petits Animaux
Associazione Svizzera per la Medicina dei Piccoli Animali
Swiss Association for Small Animal Medicine

Mark Flückiger, Zürich

Röntgentechnik

  1. Gliedmasse direkt auf die Kassette legen.
  2. Keine Rasterkassette verwenden.
  3. Jeden Ellbogen einzeln röntgen, keine "Übersichtsaufnahmen" machen, denn - eine schlechte Lagerung erschwert oder verunmöglicht die Diagnosestellung, - entstehende Streustrahlen führen zu einem flauen, schlecht lesbaren Bild, - es kommt zu einer erhöhten und unnötigen Strahlenbelastung der Haltepersonen.
  4. Seitliche Aufnahme: Ellbogen in mässig gebeugter Haltung (Ellbogenöffnungswinkel ca. 90-110°).

Merke: Der Proc. anconaeus muss durch den Epicondylus hindurch beurteilbar sein.

  1. Kraniokaudale Aufnahme: Pfote leicht eindrehen (15° Pronation), um den PCM und den medialen Humeruskondylus freizuprojizieren.
  2. Zusätzliche empfehlenswerte Aufnahmen - seitliche Aufnahme, Gelenk gestreckt und 15° supiniert. Gute Darstellung des PCM und des medialen Humeruskondylus (OCD) - kraniokaudale Aufnahme, Radius ca. 45° vom Tisch abgehoben, 15° abduziert. So gelingt gelegentlich die direkte Darstellung eines frakturierten PCM.

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Befunde bei FPCM (fragmentierter Processus coronoideus medialis)

Je nach Schweregrad liegen einzelne oder mehrere Befunde vor.

Seitliche Aufnahme:

  1. erhöhte Knochendichte im distalen Bereich der Incisura. trochlearis, Verlust der Trabelkelzeichnung
  2. Stufe im Ellbogengelenk zwischen Radius und Ulna
  3. verwaschener (seltener frakturierter) Kranialrand des Proc. coronoideus
  4. beginnende Lippenbildung dorsal und lateral des Processus anconaeus, am Kranialrand des Radius und am Kranialrand des medialen Humeruskondylus
  5. geringe Subluxation des Humerus gegenüber Radius und Ulna, ungleiche Gelenkspaltweite.

Kranio-kaudale Aufnahme:

  1. feine knöcherne Zubildungen am Medialrand von Humerus und Ulna, selten auch Knochenfragment am Medialrand der Ulna
  2. Gelenkspalt medial schmaler als lateral
  3. humeroradialer Gelenkspalt medial weiter als lateral, v.a. beim Berner Sennenhund
  4. gelegentlich Delle und/oder Sklerose in der Gelenkfläche des medialen Humeruskondylus (OCD oder Kontaktläsion), meist ohne sichtbares Dissekat.

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Befunde bei OC/OCD (Osteochondrose, Osteochondritis dissecans)

Die Arthrose entwickelt sich ähnlich wie bei FPCM, meist aber geringer. Typisch sind:

  1. Delle in der Gelenksfläche des medialen Humeruskondylus, am besten entweder auf der kraniokaudalen oder der seitlich gestreckten Aufnahme zu sehen
  2. ein Dissekat ist selten sichtbar
  3. bei suboptimaler Technik überhaupt keine Veränderungen, später leichte Arthrose.

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Befunde bei LPA (loser Processus anconaeus)

  1. Unregelmässige, röntgendurchlässige, vertikal verlaufende Linie zwischen Proc. anconaeus und Ulna
  2. Sklerose des Knochens in der Umgebung
  3. je nach Dauer der Veränderung mehr oder weniger ausgeprägte arthrotische Zubildungen.

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Gradeinteilung der ED

  • Grad 0: keine Arthrose, normales Gelenk
  • Grad 1: weniger als 2 mm hohe Zubildungen irgendwo am Gelenk (leichte Arthrose), und/oder Knochensklerose der Incisura trochlearis und/oder deutliche Stufe zwischen Radius und Ulna
  • Grad 2: 2 bis 5 mm hohe Zubildungen irgendwo am Gelenk (mittlere Arthrose)
  • Grad 3: mehr als 5 mm hohe Zubildungen (schwere Arthrose), eindeutiger Nachweis einer Primärläsion wie LPA, FPCM oder einer OCD. In Deutschland führt der Nachweis einer Primärläsion mindestens zu ED Grad 2. Gemäss IEWG wird ausschliesslich der Schweregrad der Arthrose als Grad-Kriterium verwendet, der Nachweis einer Primärläsion wird gesondert auf dem Zertifikat vermerkt.

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ED-Häufigkeit beim BSH in der Schweiz

Jahrgang Anzahl Welpen untersucht ED 0 ED 1 ED 2/3
1980-1989 ? 146 (?) 78 (53%) 30 (21%) 38 (26%)
1990-1991 1551 228 (15%) 127 (56%) 41 (18%) 60 (26%)
1992-1993 1426 175 (12%) 109 (62%) 47 (27%) 19 (11%)

ED mittleren und schweren Grades kommt beim Rüden doppelt so häufig vor wie bei der Hündin. OCD und FPCM sind vermutlich genetisch verschiedene Krankheiten! Es besteht kein gesicherter Zusammenhang zwischen HD und ED Weitere Informationen: International Ellbow Working Group